ANZEIGEN
MISEREOR Hungertuch 2009


Hotspots


Wir sind dabei!
 Dekanat > Trotz Dürre leben > Aktuell > Agrosprit-Gefahr
29.7.2010

Informationen aus erster Quelle

Artikel aus den Wolfsburg Nachrichten vom 15.08.2008

Bedrohung für Brunnen-Projekt
Vortrag: „Gefährden Agro-Großprojekte unser Wolfsburger Konzept in Brasilien?"

Maria Oberhofer referierte gestern im Bonifatiushaus

Von Johannes Baumert

Aus ihrer langen Arbeit im Dürregebiet Nordbrasiliens berichtete gestern Abend im Bonifatiushaus Maria Oberhofer, Fachkraft im Entwicklungsdienst, die damit dem Dekanat Wolfsburg schon ihren vierten Besuch abstattete.

Begrüßt wurde die Referentin von Diakon Karl Theodor Weise, der die Aktionen für Brasilien im Dekanat betreut. 30 Teilnehmer bestätigten, dass man das Projekt in den Wolfsburger Gemeinden immer noch interessiert verfolge und unterstütze.

Seit 13 Jahren wirkt Maria Oberhofer schon in Brasilien. Wichtige Aufgabe war es, die verarmten Bauern davon zu überzeugen, dass sie mit Hirse und Ziegen Erträge erwirtschaften können, die ihnen ein erträgliches Leben garantieren. Von Wolfsburg aus wurde das Programm mit Geldern unterstützt, die zum Bau von Brunnen benötigt werden.

Maria Oberhofer konnte von Erfolgen berichten: Seit 2002 sind eine halbe Million Euro von Wolfsburg aus in das Projekt geflossen. Inzwischen konnten 540 Pumpen in Betrieb genommen werden. die 34 700 Menschen am Leben erhalten.

Die Aufbauarbeit gerät jetzt in Gefahr, weil Familien ihre Landflächen unter Gewaltanwendung an Großprojekte verlieren, die vor allem Zuckerrohr für Bio-Treibstoffe anbauen. Zur Bewässerung soll der drittgrößte Strom Brasiliens, der Rio São Francisco. bis zu 300 Meter hoch gepumpt werden, um Plantagen der Großgrundbesitzer zu bewässern. Damit gräbt man den Kleinbauern das Wasser ab. „Man will volle Tanks und nimmt dafür leere Teller in Kauf`, verdeutlichte Maria Oberhofer. Sie appellierte an die Zuhörer, hierzulande durch weniger Energieverbrauch gegenzusteuern.

 

Siehe auch die Seite "Die Agrosprit-Lüge"

Zeitungsbericht WN1588
Zeitungsbericht WN1588

IRPAA beobachtet die Entwicklung

Eine Information von Harald Schistek (19.08.08)

 

 

 

Was mich bei der ganzen Diskussion so ärgert, dass die Agrotreibstoffe als einziger Ausweg gegen die globale Erwärmung hingestellt werden.

Die Agrosprit Welle ist ausgelöst worden durch den gemeinsamen Wunsch von Konzernen und Politik, den bisher gebauten Verbrennungsmotor nicht so schnell aufzugeben.

Dabei könnten wir, bei entsprechendem gesetzlichem Regelwerk, steuerlichen Zuckerln, geringeren Zulassungsgebühren für sparsame und CO2 freundliche Autos, (und im Gegensatz dazu heftigeren KFZ Steuern für Bezinschlucker), sehr schnell die durch die Beimischung von Agrotreibstoffen erwünschten Werte erreichen. VW ist ja dabei Pionier. Und damit hätten wir einige Jahre Luft, bis das Elektrauto, mit Ladestationen etc. voll reif ist.

 

Im Gegensatz zu Vorschrift Agrotreibstoffe beizumischen, wäre ein Großeinsatz, Regierung, Forschung und Industrie in Richtung Elektro PKW, aber auch Elektro Lkw viel besser am Platz.

Die Grafik von Dr. Drescher spricht dafür, Bob Lutz, vice chairman of globl product development of General Motors, sagt „the electrification of the automobile is inevitable“ (Neweek, 28. feb. 2008), die Toyota Hybrid plug-in Autos sind ein Vorschritt für das voll elektrische Auto, Siemens arbeitet an einem neuen Radnaben Elektromotor, wo jedes Rad ein eigener Elektromotor ist und sogar das Lenkgetriebe unnötig machen kann. Lkws haben den Trend zum Elektroantrieb ebenfalls ergriffen: das Unternehmen International Truck and Engine (USA) rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Nachfrage nach mittelgroßen Hybrid Lkws, auch die Hersteller Peterbilt und Kenworth wollen jetzt Hybrid Lkws auf den Markt bringen. Auch schwere Lkws werden entwickelt. Der CO2 Ausstoß bei diesen Lkw ist dabei um 30 % geringer. - wer benötigt da noch Agrodiesel??

Und die Batterien: Toyota zusammen mit Panasonic investiert € 185 Millionen in eine Fabrik für Nickel Metall Hydrid -Batterien für PKW. Für fast € 90 Millionen wird Mitsubishi, zusammen mit Yuasa eine Lithium Ionen Batterie Fabrik bauen, ebenfalls für den PKW.

 

Die Zusammenarbeit des Unternehmens Evonik (Essen), mit der Uni Duisburg hat eine Keramik Separatorschicht für Lithion Ionen Batterien entwickelt, die diesen Batterietyp jetzt den Autobatteriebetrieb ohne Explosionsgefahr ermöglicht. Könnten sogar für Windanlagen verwendet werden, um Flauten zu überbrücken.

 

 

Hier bei Irpaa haben wir gesehen, dass ein guter Teil unserer Fahrten mit der heutigen Reichweite von Elektroautos bewältigt werden könnte (300 bis 400 km hin und zurück).

 

Hierzu der Hinweis, dass Ferdinand Porsche schon 1900 einen Radnabenmotor entwickelt hatte.

Stellungnahme zu 'Bio'sprit

Stellungnahme von „Brot für die Welt“, EED und Misereor (pdf 175 KB)

(i.V. von VENRO – Verband Entwicklungspolitik deutscher NRO e.V)

„Biomasse – Chancen und Risiken für globalen Klimaschutz, biologische Vielfalt, Ernährungs- und Versorgungssicherheit sowie Armutsbekämpfung“

(Februar 2008) - Auszug

Energieversorgung contra Ernährungssicherung – Analyse und Folgerungen

Grundsätzlich begrüßen wir die weltweite Nutzung erneuerbarer Energien als unverzichtbares Element einer nachhaltigen Klimapolitik. Die konkrete Bewertung der unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten erfordert indes eine differenzierte Betrachtung. Hierbei ist für uns kirchliche Hilfswerke von ausschlaggebender Bedeutung, wie sich die energetische Biomasse-Nutzung auf Ernährungssicherheit und Armutsbekämpfung in Entwicklungs- und Schwellenländern auswirkt. Insbesondere gilt es, eine Folgenabschätzung für die am stärksten marginalisierten Bevölkerungsgruppen vorzunehmen, deren Existenzsicherung schon heute nicht oder nur unvollständig gewährleistet ist. Den normativen Bewertungsrahmen bilden die Sozialethik und die Menschenrechte, vor allem das Recht auf angemessene Nahrung. Die Erfahrungen vieler unserer Partner in Afrika, Asien und Lateinamerika sind in diese Stellungnahme ebenfalls eingeflossen sind. Wir wünschen uns, dass deren Perspektiven eine größere Beachtung in der deutschen und der europäischen Debatte finden werden.

Dies gilt umso mehr, da die nachwachsenden Energierohstoffe, die zur Umsetzung der von der Bundesregierung formulierten klimapolitischen Ziele - insbesondere im Bereich der Agrotreibstoffe - benötigt werden, im wesentlichen aus Entwicklungsländern eingeführt werden müssen. Hieraus resultiert eine hohe Entwicklungspolitische Relevanz. Wir werden im folgenden darlegen, dass die hohen und unflexiblen Quotenziele zur Beimischung von Agrotreibstoffen in Deutschland und Europa nur durch einen massiven Ausbau der agroindustriellen Energiepflanzenproduktion in Entwicklungs- und Schwellenländern zu erreichen ist. Eine Verschärfung der schon heute virulenten Nutzungskonflikte um knappe Ressourcen wie Land und Wasser wird die Folge sein. Verknappung und Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel sowie negative Beschäftigungseffekte wären drohende Konsequenzen.

Zudem ist an die deutsche und europäische Adresse zu fragen: Lenkt das Ziel, einen größeren Teil des Energiebedarfs – v.a. im Mobilitätsbereich - durch Biomasse-Importe aus Entwicklungsländern zu decken, nicht von der Notwendigkeit einer drastischen Verbrauchssenkung durch Verkehrsvermeidung und Effizienzsteigerungen ab? Steigt etwa die Treibstoffnachfrage tatsächlich wie prognostiziert weiter an, wird die Beimischung von Agrotreibstoff nicht zu einer Minderung des heutigen Verbrauchs von fossilen Treibstoffen führen können. In einem solchen „business as usual“- Szenario würden die Beimischungen das gesamte Nachfragewachstum lediglich ein wenig dämpfen – mit allen Konsequenzen der damit einhergehenden Treibhausgasemissionen. Es kommt hinzu, dass die Zweifel an der positiven Klimabilanz verschiedener Agroenergieträger immer mehr wachsen. So kommt etwa die Eidgenössische

Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa in einer aktuellen Studie (2007) zu dem Ergebnis, dass das CO2-Einsparpotential von Agrotreibstoffen gegenüber Erdöl je nach Verfahren bei lediglich 10-30% liege.

 

 

Zu dieser Stellungnahme gestatten wir uns folgende Anmerkungen:

 

 

"Anmerkungen zur Stellungnahme"

 

Die MISEREOR-Stellungnahme ist sehr zu begrüßen, weil sie deutlich macht, dass bei der gegenwärtigen Agrosprit-Erzeugung von „fair“ keine Rede sein kann. Neben der Tatsache, dass wir durch die Flächenkonkurrenz viele Millionen zum Hunger verurteilen (und so das Milleniumziel der Hunger-Beseitigung nie erreichen), sind dort die Defizite bei der Sicherstellung sozialer Standards klar aufgezeigt.

Am Ende fragt man sich aber: Und was sollen wir nun machen? Denn nahezu unbestritten ist der Klimawandel, der die Armen in den Entwicklungsländern am stärksten trifft. Selbst wenn man darauf verweist, dass es auch in früheren Zeiten Wärmeperioden gegeben hat, kann nicht bestritten werden, dass die Menscheiht in den letzten 150 Jahren Billionen Tonnen fossilen Kohlenstoff verbrannt hat.

 

Die vom BMU im April 2008 herausgegebene  Weiterentwicklung der Strategie  zur Bioenergie enthält u.a. folgende Aussagen:

Es wird deshalb vorgeschlagen, in den Fachgesetzen insbesondere folgende standortabhängige Ausschlusskriterien für den Anbau von Biomasse festzuschreiben:- Rodung von Wälder, Zerstörung von Mooren, Herkunft aus Gebieten mit hohem Naturschutzwert.“ und weiter: „Der zunehmende Anbau von energetisch nutzbarer Biomasse führt in der Tendenz zu einer Intensivierung der Landwirtschaft und ist darüber hinaus mit folgenden spezifischen Problemen verbunden: Verstärkter Einsatz von Stickstoff (Lachgas), Umbruch von Dauergrünland (Klimabilanz), Monokulturen (Fruchtfolge/Humusbilanz). Über die Klimabilanz hinaus hat dies auch negative Auswirkungen auf den Gewässer-, Natur- und Bodenschutz. Hinzu kommen Vollzugsdefizite bei der Einhaltung der guten fachlichen Praxis.“ und weiter „Praktisch funktioniert das System aber nur mit einem globalen Zertifizierungssystem, also einem funktionierenden Nachweisverfahren, welches die Klimabilanz vom Standort des Anbaus der Biomasse bis hin zur Verwendung des Bioenergieträgers lückenlos nachweist. Erfahrungen mit bestehenden Zertifizierungssystemen zeigen allerdings, dass der Aufbau solcher Systeme mind. 5-10 Jahre in Anspruch nimmt. Mangelnde staatliche Kontrolle in Verbindung mit Korruption in manchen Herkunftsländern erschweren die Umsetzung."

 

Damit dürfte klar sein, dass gegenwärtig und bis auf Jahre hinaus kein Agrosprit importiert werden kann, der das Prädikat „Bio“ verdient.

Leider ist zu befürchten, dass Länder, die weniger Skrupel haben – wie etwa die energiehungrigen USA – in großem Umfang Agrosprit importieren werden und die großen Gewinnaussichten in Brasilien und anderen tropischen Ländern alle Einwände beiseite schieben. Und das Abkommen der Bundesregierung mit Brasilien scheint zu belegen, dass man – wider besseres Wissen (Mai 2008!) - bereit ist, im Interesse der Sicherstellung des eigenen Treibstoffbedarfs aus erneuerbaren Energien (wir in Wolfsburg leben vom Auto!) sich mit leeren Zusagen der Lieferländer (s. Lula) zufrieden zu geben.

Dann bleibt die eingangs gestellte Frage: Und was sollen wir nun machen? Wir müssen auch positive Antworten geben. Dazu gehört der Hinweis auf die großen Flächen, die in der EU – vor allem in Frankreich – für die Erzeugung von Lebensmitteln genutzt werden, die hoch subventioniert in Entwicklungsländer exportiert werden und dort die lokalen Erzeuger ruinieren. Würde man diese Flächen (mit gleich hohen Subventionen) zum Anbau von Energiepflanzen nutzen, dann könnte man – in Verbindung mit einem forcierten Ausbau der BtL (Sunfuel)-Kapazitäten – wesentliche Teile des Bedarfs nachhaltig abdecken. Parallel sind Verbesserungen in der Technik der Automobile voran zu treiben, wo Volkswagen schon sehr viel geleistet hat. Schließlich wird man auch hier um eine Änderung der „Konsumgewohnheiten“ - notfalls gesetzlich erzwungen (Geschwindigkeitswahn) – nicht herum kommen. Da stellt sich den Kirchen eine große und dringende Aufgabe.

 

Thesen zu Agrotreibstoffen

 

Thesen - „Agrosprit – bio und fair?“

 

  • Der Klimawandel trifft zuerst und am stärksten die Armen – schon heute durch Preiserhöhungen, Dürren und Überschwemmungen

  • Daher sind die Bemühungen um eine Reduzierung der Treibhausgase ganz wichtig. Aber die Erzeugung von Energiepflanzen konkurriert mit der Produktion von Nahrungsmitteln und genügt oft nicht ökologischen und sozialen Anforderungen.

  • Die Bundesregierung hat eine eindrucksvolle „Ausbaustrategie Erneuerbare Energien“ und eine Strategie zur Bioenergie entwickelt, die nicht nur faszinierende Ziele – so etwa einen Antewil von 80% der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in 2050 - , sondern auch ökologische und soziale Kriterien enthält.

  • Im Mai wurde ein Abkommen mit Brasilien geschlossen, in dem auf die drei Grundpfeiler der nachhaltigen Entwicklung: Umwelt, Wirtschaft und Soziales Bezug genommen wird.

  • Die Kirche in Brasilien, zahlreiche dortige und hiesige Nicht-Regierungs-Organisationen haben dieses Abkommen scharf kritisiert:

  • Beimischungsziele sind nur durch nicht-nachhaltige Importe aus Entwicklungsländern zu decken

  • Zunehmende Nutzungskonflikte um knappe Ressourcen gehen zu Lasten der Armen

  • Auf steigende Agrarpreise folgt wachsender Hunger

  • Zertifizierung nicht ausgereift

  • Gegenwärtig wird in Brasilien beim Anbau von Energiepflanzen massiv gegen die Umwelt und die sozialen Belange der Bevölkerung verstoßen:

  • Regenwald wird in großem Umfang vernichtet (auch durch Landnutzungsänderungen); die Vegetation im Cerrado und in der Caatinga wird zerstört; Pestizide und Düngemittel (die Treibhausgase freisetzen) werden eingesetzt

  • Kleinbauern und indigene Stämme werden von ihrem Land vertrieben,
    wobei man selbst zum Mord greift.

  • Da es keine Anzeichen dafür gibt, dass die wirtschaftlichen Interessen der Agrarindustrie künftig hinter ökologischen und sozialen Gesichtpunkten zurück treten werden, ist der Import von Agrotreibstoffen moralisch nicht zu verantworten.