
Mord in Casa Nova, Bahia
Bauer aus Areia Grande, CASA NOVA, im Hinterland von Bahia ermordet
Der Kleinbauer, José Campos Braga, 56 Jahre, wurde am Mittwoch den 4. Februrar 2009 im Weidegebiet von Areia Grande in der Gemeinde Casa Nova, im Hinterland von Bahia erschossen aufgefunden.
José Campos, Vater von 10 Kindern, war eine Symbolfigur des Widerstandes im Kampf um die Landrechte der traditionellen Kleinbauern-Gemeinschaften. Er leistete Widerstand gegen die Versuche, die Gemeinschaft der Ziegenbauern zu vertreiben, um dort Anbau für Ölpflanzen zur Produktion von Biodiesel Platz zu machen. Investoren versuchen, sich durch illegalen Landhandel der Weideflächen anzueignen.
Der Konflikt um das Gebiet von Areia Grande, von dem 336 Familien, mehr als 1.800 Bewohner betroffen sind, war im März 2008 eskaliert. Häuser, Stallungen und Zäune der traditionellen Gemeinschaft waren von Pistoleiros der Landspekulanten zerstört worden. Auch das Haus von José Campos war damals zerstört worden. Seitdem lebte er in einem Zelt aus Plastikplanen.
Das ganze Jahr 2008 über kämpften die Bauern in verschiedenen rechtlichen Instanzen um ihre Landrechte. Erst im Dezember letzten Jahres konnten sie einen ersten Erfolg feiern, als die rechtlichen Verfahren, die von den Investoren gegen das Dorf angestrengt worden waren, vom örtlichen Richter für ungültig erklärt wurden.
Doch die Landmafia gab sich damit nicht geschlagen. Während der letzten zwei Wochen berichten die Bewohner von Areia Grande, dass sich die Schergen mehrfach versuchten, in das Dorfgebiet einzudringen. Nach neuerlichen Bedrohungen erstatteten die besorgten Kleinbauern Anzeige bei lokalen Polizei. Sie erhielten jedoch keine Unterstützung.
Heute (6.2.) wird die Leiche der gerichtsmedizinischen Analyse unterzogen. Die Staatsanwaltschaft und der Mediator für Landkonflikte wurden bereits eingeschaltet.
Die Dorfbewohner fordern effiziente Ermittlungen, die Bestrafung der Verantwortlichen und die Wahrung der Sicherheit in ihren Dörfern sowie die Anerkennung ihrer Landrechte.
CPT Bahia, 05-01-2008
(CPT = Katholische Landpastoral)
In youtube gibt es einen Film, der den Landkonflikt in Arreia Grande
dokumentiert "Areia Grande: construção intencional da miséria em Casa Nova" (protugiesisch mit eindrucksvollen Bildern)
http://www.youtube.com/watch?v=CHLfMSe1gIc
Diese Nachricht erreichte uns aus Brasilien. Wer seine Solidarität mit der
Familie von José Campos Braga bzw. den dortigen Kleinbauern zum Ausdruck
bringen möchte, kann dies mit einer Mail an die CPT - (Katholische Landpastoral) auch auf deutsch möglich):
mailto:andrea@cptba.org.br
Sind wir mitschuldig am Mord?
Sind wir mitschuldig am Mord?
Diese Frage wird wohl jeder mit „Nein!“ beantworten - „Was wir damit zu tun?“
Schuldig sind zunächst die Investoren, die auf dem Land der Kleinbauern Soja anbauen wollen. Was können wir dafür? Es gibt sogar zwei Gründe
Brasilien erwartet ungeheure Gewinne durch den Anbau von Energiepflanzen. Deutschland hat mit Brasilien ein Energieabkommen geschlossen, will große Mengen von sog. Biosprit importieren und hat somit diese Gewinnerwartungen angeheizt.
Soja wird in riesigem Umfang als Kraftfutter für Rinder nach Europa exportiert.
Unser stark gestiegener Fleischkonsum belastet das Klima und führt zu einer Reduzierung der Anbauflächen für Nahrungsmittel.
MISEREOR stellt die Fastenaktionen 2009 und 2010 unter das Motto:
„Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können“ und fordert zu einer Änderung unsere Lebensstils auf. (Misereor heißt auf Deutsch: Ich habe Mitleid).
Wir sind nach dem Schöpfungsbericht der Bibel die Herren der Schöpfung. Aber wir haben Gottes Schöpfung nicht gehegt, sondern misshandelt, ausgebeutet und zerstört – Tiere und Pflanzen ausgerottet, Böden vergiftet und zur Wüste gemacht.
Es ist allerhöchste Zeit, dass wir umkehren. MISEREOR hilft uns dabei.
Das Evangelium (Mk 1,40ff) leicht abgewandelt:
Gottes Schöpfung, durch menschliche Schuld voller Aussatz,
kommt zu uns, fällt vor uns auf die Knie und sagt:
Wenn ihr wollt, könnt ihr machen, dass ich gesund werde.
Wir haben Mitleid (Misereor),
ergreifen die notwendigen Maßnahmen und sagen:
Wir wollen es, sei wieder gesund!

- MISEREOR Hungertuch
Zur Gewalt gegen Kleinbauern
Gewalt und Verletzung der Menschenrechte
im Landesinneren des Bundesstaates Bahia
Seit März dieses Jahres sind die Dörfer Riacho Grande, Salina da Brinca, Melancia und Jurema im Landkreis Casa Nova (Bahia) wegen eines Landkonfliktes Schauplatz einer Folge von schlimmen Menschenrechts-verletzungen, bei dem es um 40.000 ha Land geht.
Männer, Frauen und Kinder wurden gewalttätig angegriffen - physisch und moralisch - wurden verprügelt, erlitten Verbrennungen, Einschüchterungen, Beleidigungen und Morddrohungen mit Schusswaffen: Handlungen, die als Folterung einzustufen sind; als extreme Folge kam es zu einer Fehlgeburt - Abortus. 300 Familien sind dem Terror ausgesetzt, ohne Hilfeleistung durch den Staat.
Dieser dramatische Fall der Vertreibung einer traditionellen Landgemeinde im Bundesstaat Bahia steht als Beispiel für die Zuspitzung von Landkonflikten auf dem Hintergrund von Landraub öffentlichen Besitzes.
Frühere Landkonflikte im Landesinneren, die seit Jahrzehnten ruhten, kommen wieder an die Tagesordnung, wie im Falle der Landgemeinden der Gemeinschaftsweidefläche im Landkreis Casa Nova, wo Großunternehmen Fabriken für Agrotreibstoffe installieren wollen. Die traditionellen Landgemeinden laufen Gefahr, ihr Land zu verlieren, weil es an einer effektiven Politik fehlt, die freien, in öffentlicher Hand befindlichen Landflächen zu identifizieren, den de facto durch Gewohnheitsrecht legitimisierten Besitzern das Land grundbuchmäßig zu überschreiben und ferner die seit langem geplante Agrarreform durchzuführen.
Im speziellen Fall in Casa Nova wurde durch einen richterlichen Entscheid ein Landkonflikt wieder angefacht, der vor etwa 30 Jahre begann. Damals fand der Landkonflikt vor allem zwischen dem Dorf Riacho Grande, in dem damals 56 Familien lebten, und dem Großunternehmen Camaragibe S.A statt. Die ländlichen Familien nutzen seit der Gründung des Dorfes Mitte des 19. Jahrhunderts die Flächen als Gemeinschaftsweideflächen.
In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts nutzte die Oligarchie von Casa Nova, die auch gleichzeitig Inhaber der Grundbuchbüros des Munizips war, ihre Machtstellung und ihre gesetzliche Befugnis, Landtitel zu registrieren, um den Landraub von großen Flächen durchzuführen. Es waren Flächen, auf denen die Familien seit hunderten Jahren lebten und sich vor allem mit der Ziegen- und Schafhaltung, aber auch der landwirtschaftlichen Produktion, der Bienenzucht und Weiterverarbeitung der lokalen Produkte ihren Unterhalt erwirtschafteten.
Diese Landflächen wurden (von der örtlichen Oligarchie) an das Agro-Großunternehmen Camaragibe S.A., verkauft, die dort eine Fabrik für die Produktion von Alkohol aus der Maniokwurzel errichtete. Drei Jahre später schloss das Unternehmen die Türen und ihre Tätigkeiten. Das Unternehmen hinterließ Schulden (Hypotheken) in Millionenhöhe bei der Bank (Banco do Brasil), unkalkulierbare Umwelt- und soziokulturelle Schäden, die neben den erfolgten Grausamkeiten die Geschichte dieser Region zeichnet. Nachdem das Großunternehmen in Konkurs ging, kehrten die Familien des von der "Fabrik" betroffenen Dorfes wieder auf ihre traditionellen Landflächen zurück, um dort auf den gemeinschaftlichen Weideflächen für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten.
Die Bank (Banco do Brasil), die seither die Besitztitel als Konkursmasse verwaltet, überlies in nebulosen und schleierhaften Geschäften und unter großem Verdacht von Betrug und illegalem Vorgehen diese Fläche Immobilienspekulanten, die in der Folge als angebliche Besitzer der Flächen gegenüber den ländlichen Familien auftraten. Die Grundspekulanten gingen vor Gericht und erreichten den verhängnisvollen Urteilspruch, der als Folge die schlimmen Menschenrechtsverletzungen hatte, die eingangs geschildert wurden.
Dies ist ein kurzes Resümee über das düstere und chaotische Panorama, dem sich die 300 Familien der Dörfer Riacho Grande, Salina da Brinca, Jurema und Melancia gegenüber sehen.
Die Verletzung der Menschenrechte bezieht sich nicht nur auf die physischen Angriffe gegenüber den Menschen, sondern auch auf die Untätigkeit und Unterlassung des Brasilianischen Staates. Er unternimmt nichts, um die Ausübung der Rechte und den weiteren Verbleib der BewohnerInnen der traditionellen Landgemeinden zu garantieren und ihr Hab und Gut durch die Ausbreitung des Agrobusiness zu schützen. Der Staat ist interessiert an öffentlichem Land, das grundbuchmäßig noch nicht eingetragen ist, wobei aber der de facto Besitz durch Kleinbauern nicht beachtet wird.
Wir möchten unseren scharfen Protest gegen die betrügerische Verwendung öffentlicher Mittel zum Ausdruck bringen, vor allem was die Transaktionen zwischen der Bank (Banco do Brasil) und den Immobilienspekulanten betrifft. Außerdem protestieren wir wegen der Folterungen von Bauern, Bäuerinnen, deren Kinder und gegen die Untätigkeit des Brasilianischen Staates, unerlässliche Maßnahmen auszuführen, um den Familien der Gemeinschafts-weideflächen ihre Rechte, die in der Bundesverfassung und Landesverfassung verankert sind, zu gewährleisten.
Wir fordern von den Verantwortlichen die Entschädigung aller entstandenen Schäden, wobei die Folgen der Gewalttätigkeiten irreparabel sind.
Wir fordern vom Brasilianischen Staat eine konstruktive Vorgehensweise, um seine rückständige und antidemokratische Haltung zu ändern, die zur bestehenden "Apartheid" in der sozialen Realität beiträgt, vor allem wenn es sich um die Armen und Ausgeschlossenen handelt.
Rückkehr der Militärdiktatur
Die Rückkehr der Militärdiktatur in Riacho Grande, Minizip Casanova
Seit einiger Zeit erlebt die Region des Flussbeckens des Sao Francisco Ereignisse, die an die Zeit der Militärdiktatur erinnern, nicht nur wegen der Großprojekte (wie z.B. Ableitung des Flusses und Staudämme, etc), sondern wegen der Methoden die angewendet werden.
Am 6.3.2008 erschien eine Gruppe von ca. 100 Polizeibeamten der Militärpolizei,
Zivilpolizei, Bundespolizei und einer Spezialgruppe, die ausgebildet ist für die Zerstörung des Haschischanbaus in der Caatinga, im Dorf Riacho Grande im Landkreis Casa Nova-Bahia und zerstörten die Häuser der kleinbäuerlichen Familien, die Stallungen der Tiere, Zäune, usw.
Auf dieser Landfläche (annähernd 40 000 ha) war in den 80 er Jahren ein sehr großes Projekt des Grossunternehmens Camaragibe geplant, bei dem Maniok zur Alkoholherstellung produziert werden sollte. Allerdings ging das Projekt damals pleite, auch weil der Widerstand der Landgemeinde sehr groß war.
Die finanzierenden Bank (Banco do Brasil) scheint die Hypothek dieser Fläche an Dritte weitergegeben zu haben (zu einem Spottpreis). Dabei wurde nicht berücksichtigt, dass seit über 20 Jahren vor allem junge kleinbäuerliche Familien auf dieser Fläche leben und ihre Lebensgrundlage aus den Gemeinschaftsweideflächen beziehen. Diese Familien halten auf den Flächen ca. 15 000 Tiere und 3.000 Bienenvölker, wobei sie Bankkredite (Banco do Brasil) von ca. 72 000 Reais aufgenommen hatten.
Die Polizeibeamten kamen um 5:00 Uhr morgens und nahmen den kleinbäuerlichen Familien alle Ausweispapiere und Schlüssel von allen Fahrzeugen ab, sie nahmen den Kleinbauer Herrn Raimundo Campos Braga
fest und zerstörten alle Zäune, Häuser, die landwirtschaftliche Produktion.... sie zerstörten!
Allen anderen Leuten die sich solidarisch zeigten und am Ort erschienen wurde der Zugang verhindert. Erst nach langen Verhandlungen mit dem Rechtsanwalt wurde es um 11:00 Uhr morgens einer kleiner Gruppe (Vertreter von Kirche, CPT, Gewerkschaft, ...) erlaubt, die Fläche zu betreten um sich um die kleinbäuerlichen Familien zu kümmern, die mit ansehen mussten wie alles zerstört wurde.
Dabei ist wichtig, dass es laut richterlichen Bescheides kein Mandat der Reintegrierung des Landes vorsah, sonder nur einen richterlichen Bescheid eines neuen Besitzverhältnisses auf die Personen Alberto Martins Matos (Direktor der SAAE in Juazeiro) und Carlos Nizam Lima Silva. Selbst wenn sie sich auf legale Weise diese Landflächen angeeignet hatten, haben sie keinen Anspruch darauf, denn die Familien die dort seit über 20 Jahren leben haben mittlerweile durch Gewohnheitsrecht den Anspruch auf diese Landfläche erhalten.
Die brutale Gewalt der Polizei, die in diesen Tagen in allen Regionen Brasiliens gegen kleinbäuerliche Familien angewendet wird, zeigt, dass Brasilien nicht vorangekommen ist im Umgang mit der traditionellen Bevölkerung. Beweist auch, dass die richterliche Macht auf der Seite des großen Kapitals steht
und sich gegen die arme Bevölkerung stellt.
Die Gruppen, die diesen Aufruf unterzeichnen, protestieren gegen die Aktion
der Polizeibeamten und rufen auf zur Solidarität und zu einem gemeinsamen
Kampf, damit die kleinbäuerlichen Familien auf den Flächen weiterhin leben und ihren Lebensunterhalt gewährleisten können, mit ihrer Bienenzucht, Tierhaltung, etc. und in Frieden leben können. Der Kampf der letzten 30 Jahre darf nicht aufhören.
Casa Nova, 07.03.2008
União das Associações de Casa Nova, Comissão Pastoral da Terra – CPT,
Instituto Regional da Pequena Agropecuária Apropriada (IRPAA),
APLB (Sindicato dos Professores/as de Casa Nova), Paróquia de Casa Nova,
Paróquia de Sobradinho, Sintagro, ASA Regional, Vereador Pedro Costa,
PT de Casa Nova, Articulação Sindical, Paróquia de Remanso, Sindicato dos Servidores Públicos Municipais, Sindicato dos Mototaxistas de Casa Nova,
Movimento dos Trabalhadores Sem Terra – MST, Colônia de Pescadores de Casa Nova
Anmerkung: Es gibt Hinweise dafür, dass die beiden Käufer der Flächen, Alberto Martins Matos und Carlos Nizam Lima Silva, als Zwischenkäufer stehen, denn es scheint, dass auf diesen Flächen Zuckerrohr und Pinhao Roxo (Jatropha gossypiifolia) zur Alkoholherstellung angebaut werden sollen. Bei der Polizeiaktion war der Zwischenagent, Herr Gileno, zugegen. Dieser Mann ist bekannt, dass er normalerweise alle Landflächen für die Agrovale verhandelt.
Außerdem erschien an dem Tag der Polizeiaktion Herr Alberto Martins Matos, Direktor der SAAE in Juazeiro, mit dem Dienstwagen des SAAE (munizipales Unternehmen für Wasser und Kanalsystem in Juazeiro zuständig).
Anmerkung: Die Agrovale ist einer der größten Landbesitzer für bewässerte Landwirtschaft im mittleren Teil des Rio São Francisco Tales!
Kleinbauern kämpfen für ihre Rechte

- Bulldozer zerstören

- Kran zerstört ein Haus

- Demonstration

- Kampf für Weiderechte

- Protest
Kleinbäuerliche Familien kämpfen um ihre Rechte
Mehr als 300 Familien der BauernInnenvereinigungen der Gemeinschafts-weideflächen (der Dörfer Riacho Grande, Jurema, Melancia, Salina da Brinca), deren Landflächen am 6.3.2008 beschlagnahmt wurden, beschlossen ihre Rechte einzufordern. Sie kehrten auf die Landfläche (von ca. 40.000 ha) zurück,
von der sie gewaltsam vertrieben wurden.
In den frühen Morgenstunden des 16.03 .2008 schlossen sie die Zugangsstrasse zur Landfläche, um den Verkehr der schweren Baumaschinen
zu verhindern, die ihr Hab und Gut zerstören sollen, das sie im Laufe der Jahre aufgebaut hatten.
Die Situation ist sehr angespannt, weil sich innerhalb der Landflächen von den Landräubern beauftragte bewaffnete Männer aufhalten, um den kleinbäuerlichen Familien Angst einzujagen, damit diese nicht auf ihre
Landflächen zurückkehren. Zudem sind immer noch einige schwere Maschinen im Einsatz, die die Caatinga zerstören und große Schäden an der landwirtschaftlichen Produktion der Familien verursachen.
Die Familien fordern den umgehenden Abzug der bewaffneten Männer und der Maschinen, damit sie auf ihre Landflächen zurückkehren und wieder normal ihre landwirtschaftliche Tätigkeiten verrichten können, der den Lebensunterhalt ihrer Familien sichert.
CPT
16.03.2008
Trügerische Garantien der Polizei
Polizei garantiert den 300 Familien Sicherheit bei der Rückkehr auf ihr Land.
Der Chef der Militärpolizei der nördlichen Region des Bundesstaates Bahias bekräftigte bei der Besprechung am 2.4.2008 in Casa Nova, dass die Polizei die Rückkehr der 300 Familien auf ihr Land begleitet und ihnen Sicherheit gewährleistet. An der Besprechung nahmen neben dem Polizeioberst Ivo Silva Santos, dem Rechtsbeauftragten des Bundesstaates Bahias, dem Vertreter der CDA (= Zentrale Komission der Agrarentwicklung des Bundesstaates Bahias), Estacio Marques Dourado, der Gerichtsvollzieher, Albert Rocha und Bewohner und Bewohnerinnen der Dörfer Riacho Grande, Melancia, Jurema, Salina da Brinca des Landkreises Casa Nova teil.
Seit dem 1.4.2008 befanden sich ca. 500 Menschen (ländliche Familien und VertreterInnen von Kirche, NGO´s, Basisgruppen, Gewerkschaften,...) auf dem Stadtplatz von Casa Nova in einem Zeltlager aus schwarzen Plastikplanen. Sie besetzten das Bürgermeisteramt, mit der Forderung, dass Ihnen die notwendige Sicherheit garantiert wird um auf ihr Land zurückkehren zu können. Weiters, das der grosse Schaden, der durch die illegale Räumung am 06.03.2008 und den nachfolgenden Tagen, durchgeführt von den schwer bewaffneten Pistoleiros angerichtet wurde, ihnen ersetzt wird.
Wobei anzumerken ist, dass grosse irreparable Schäden entstanden sind und die Folgen von Gewalttätigkeiten durch keine Entschädigung ungeschehen gemacht werden können. Ausserdem fordern die Familien, dass ihnen ihre Rechte der Gemeinschaftsweideflächen die in der Bundesverfassung und Landesverfassung verankert sind, gewährleistet werden und dass sie die Besitztitel dieser Fläche bekommen, auf der sie schon über 100 Jahre leben.
Der Polizeioberst versprach, dass er "ein kompletes polizeiliches Ermittlungsverfahren" einleiten werde und bestätigte ausserdem dass "ab heute klar ist, dass Alles innerhalb des Gesetzes geschehen muss".
Trotzdem sind die Familien besorgt, denn sie wurden ja schon Opfer der grausamen Gewalttätigkeiten. Der Polizeioberst versprach, dass er persönlich den gesamten Prozess direkt begleiten wird und dass er so schnell wie möglich alles erfahren will was sich abgespielt hat.
Der Kleinbauer Pedro Braga (56 Jahre) versichert "wir haben Angst weil uns die schwer bewaffneten Männer nochmal angreifen können, aber wir werden auf dieser Fläche weiterhin leben, denn es ist unser Land".
Am 06.03.2008 erschien eine Gruppe von bewaffneten Sicherheitsbeamten und zerstörten Häuser der kleinbäuerlichen Familien, die Stallungen der Tiere, Zäune, usw. Die bewaffneten Männer wurden von Polizeibeamten begleitet, die einen richterlichen Bescheid übergaben, dem gemäß die neuen Besitzer die Personen Alberto Martins Matos (Direktor der SAAE (städtisches Wasserversorgungsunternehmen in Juazeiro) und Carlos Nizam Lima Silva wären.
Diese beiden Personen erwarben bei der Bank (Banco do Brasil) für R$ 639 000 die Hypotheken des Agro-Grossunternehmen Camaragibe S.A., das nach 3-jähriger Tätigkeit vor 25 Jahren in Konkurs ging und einen Schaden in Millionenhöhe bei der Bank hinterließ. Damit wurden sie zu den Hauptgläubigern des Grossunternehmens. Mit den Erben des damaligen Besitzers wurden die Schulden auf R$ 700 000 heruntergehandelt, die allerdings nicht in Geld bezahlt werden sollen, sondern mit den ca. 40.000 Hektar Land der Familien, die seit über 100 Jahren dort leben.
Der Konflikt verschärfte sich als die Familien beschlossen auf ihr Land zurückzukehren. Am 17.3.2008 wurden die Familien von maskierten und bewaffneten Pistoleiros überrascht, die Drohungen aussprachen und vor allem gegenüber Frauen und Kindern vor Gewalt nicht zurückschreckten, einige wurden dabei verletzt; unter anderem erlitt eine Frau in der Folge eine Fehlgeburt.
In einer öffentlichen Anhörung am 26.03.2008 in Casa Nova widerruf der örtliche Richter, Eduardo Ferreira Padilha seine vorherige Entscheidung bezüglich der neuen Besitzverhältnisse der Landfläche. Am nächsten Tag jedoch, bei der Ausführung der Verfügung bezog sich das widerrufene Dokument plötzlich nur auf 11 Personen (und nicht auf die 300 Familien). Die restlichen Familien durften nicht auf die Fläche zurück.
Am 28.03.2008 stellte der stellvertretende Richter einen neuen richterlichen Entscheid aus, der allen Familien das Recht gibt, wieder auf ihr Land zurückzukehren. Die Grundspekulanten können allerdings Einspruch gegen diesen richterlichen Bescheid einlegen.
Die Sicherheit der Familien bei Rückkehr auf die Landfläche am 02.04.2008 soll durch die Begleitung von zwei Polizeiwagen mit 10 Polizeibeamten gegeben werden. Sollten sich auf der Landfläche noch die bewaffneten "Sicherheitsmänner" befinden, die von den Grossgrundbesitzern über die Firma JS in Juazeiro beauftragt wurden, müssen diese unverzüglich das Gebiet verlassen, denn laut Polizeioberst "dürfen sich ab heute keine Sicherheitsmänner auf der Landfläche aufhalten".
Der Gerichtsbevollmächtigte versprach bis zum 4.4.2008 einen Termin für eine Versammlung mit der Koordinierung der Zentrale Komission der Agrarentwicklung des Bundesstaates Bahias anzuberaumen um die hauptsächlichen Forderungen der Familien in die Wege zu leiten.
Nach den Ergebnissen der Besprechung am 2.4.2008 verliessen die Familien die besetzte Stadtverwaltung, brachen das Zeltlager auf dem Stadtplatz ab und kehrten auf die Fläche zurück.
(Anmerkung: Vom 1 bis 2 April wurde versucht ein Gespräch mit der Bürgermeisterin von Casa Nova, Frau Dagmar Nogueira, zu vereinbaren, aber die Bürgermeisterin erschien nicht..
Casa Nova, 02.04.2008
Mutirão das organizações sociais, movimentos populares,
povos e comunidades tradicionais/comunidades Fundo de Pasto



