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29.7.2010

Vortrag von Maria Oberhofer

Maria Oberhofer
Maria Oberhofer

 

Maria Oberhofer berichtete aus Brasilien

 

Die Entwicklungshelferin Maria Oberhofer – durch mehrere Besuche uns gut bekannt – berichtete von den aktuellen Problemen im Nordosten Brasiliens, wo unser Projekt "Trotz Dürre leben" und die dadurch geförderten Kleinbauern durch Maßnahmen der brasilianischen Regierung gefährdet sind.

Man hat die Absicht, den Strom São Francisco ca 300m hoch zu pumpen und sein Wasser in große Zuckerrohr­plantagen zu leiten. Aus dem Zuckerrohr soll Agrosprit erzeugt werden, der nach USA und Europa exportiert wird. Deutschland hat im Mai 2008 ein Energieabkommen mit Brasilien geschlossen, gegen das Kirchen und Hilfswerke protestieren, weil Natur zerstört, Kleinbauern und indigene Stämme vertrieben und lediglich die Großgrundbesitzer riesige Gewinne erwirtschaften. Die Weltbank hat die Förderung dieses gigantischen Projekt abgelehnt, weil es keine Verbesserung für die Not leidende Bevölkerung bringt.

Maria Oberhofer war an den Protesten der Bevölkerung gegen das Projekt zusammen mit Bischof Liuiz Cappio beteiligt. Wenige Tage nach ihrem Besuch erreicht uns die erschütternde Nachricht, dass am 23. August 2008 Mozeni Araújo de Sá, 36 Jahre, Stammesführer des indigenen Volkes der Truká, brutal ermordet wurde. Mozeni war zum Zeitpunkt des Verbrechens in Begleitung seines 13 jährigen Sohnes und weiteren Stammesangehörigen. Der Täter näherte sich seinem Opfer und feuerte mehrmals mit einer Schusswaffe auf Mozeni. Er war schon in frühen Jahren seines Lebens eine herausragende Persönlichkeit im Kampf für die Freiheit seines Volkes Truká. Wegen seines Charismas, seiner Argumen­tationsfähigkeit und seines Mobilisierungsvermögens wurde er schon seit geraumer Zeit von einer Gruppe von Feinden der Indios bedroht, welche widerrechtlich das Indianergebiet für sich beanspruchen, sowie deren Alliierte, hochrangige Politiker der Region. Der Gruppe der Indianer-Gegner schließen sich Großgrundbesitzer, Pistoleiros (bezahlte Mörder) und Vertreter der Militärpolizei an.

Wenn im Zusammenhang mit dem Energie-Abkommen gesagt wurde, dass der Agrosprit ökologisch und sozialverträglich produziert werden wird, so ist das durch die Tatsachen widerlegt: Die Vegetation wird zerstört (auch Regenwälder in riesigem Umfang), Kleinbauern werden vertrieben, die Arbeiter auf den Zuckerrohrfarmen sterben aus Erschöfung früher als die Sklaven in der Kolonialzeit.

Es wäre unverantwortlich, dieses sogenannte Agrobusiness zu unterstützen, was aber leider gechieht. Dabei hat der Weltagrarrat der UNO sich im Interesse der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln klar gegen agroindustrielle Großbetriebe und für eine nachhaltige Wirtschaftsweise mit Kleinbauernbetrieben ausgesprochen – genau das, was unsere Freunde in Brasilien seit vielen Jahren tun.