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29.7.2010


 

Kritik ernst nehmen

Der Einsatz für die Menschen in den Entwicklungsländern wird innerkirchlich auch kritisiert. Man wird diese Kritik ernst nehmen müssen und fragen, was daran berechtigt ist und wie wir unsere Arbeit aus christlicher Sicht orientieren sollen.

Diese Kritik ist zwar nicht intensiv spürbar, das liegt aber eher an der Schwäche des Religiösen als an einer biblisch gegründeten Haltung der Hilfe.

In mehrfacher Hinsicht wird Kritik geübt:

  • Entwicklungshilfe ist nicht Nachfolge Christi
  • "Fernstenliebe" ist nicht Nächstenliebe
  • Befreiungstheologie führt in die Irre

Eine Auseinandersetzung mit dieser Kritik führt u.a. zu einer "Theologie des Fundraisings, die auf Paulus gegründet werden kann.

Die Kritik des Papstes

Papst Benedikt XVI. hatte bei seinem Besuch in München eine Predigt gehalten, in der er u.a. sagte:

"Die katholische Kirche in Deutschland ist großartig durch ihre sozialen Aktivitäten, durch die Bereitschaft zu helfen, wo immer es not tut. Immer wieder erzählen mir die Bischöfe, zuletzt aus Afrika, bei ihren Ad-Limina-Besuchen dankbar von der Großherzigkeit der deutschen Katholiken und beauftragen mich, diesen Dank weiterzugeben, was ich hiermit einmal öffentlich tun möchte."  ... "Dann und wann aber sagt ein afrikanischer Bischof zu mir: 'Wenn ich in Deutschland soziale Projekte vorlege, finde ich sofort offene Türen. Aber wenn ich mit einem Evangelisierungsprojekt komme, stoße ich eher auf Zurückhaltung.' Offenbar herrscht da bei manchen die Meinung, die sozialen Projekte müsse man mit höchster Dringlichkeit voranbringen; die Dinge mit Gott oder gar mit dem katholischen Glauben seien doch eher partikulär und nicht so vordringlich. Und doch ist es gerade die Erfahrung dieser Bischöfe, daß die Evangelisierung vorausgehen muss; dass der Gott Jesu Christi bekannt, geglaubt, geliebt werden, die Herzen umkehren muss, damit auch die sozialen Dinge vorangehen; damit Versöhnung werde; damit zum Beispiel Aids wirklich von den tiefen Ursachen her bekämpft und die Kranken mit der nötigen Zuwendung und Liebe gepflegt werden können. Das Soziale und das Evangelium sind einfach nicht zu trennen. Wo wir den Menschen nur Kenntnisse bringen, Fertigkeiten, technisches Können und Gerät, bringen wir zu wenig."

Hilfswerke durch Papst-Predigt bestärkt

Prälat Prof. Dr. Josef Sayer
Prälat Prof. Dr. Josef Sayer

Prof. Dr. Josef Sayer, Hauptgeschäfts-führer von MISEREOR nahm Stellung:

"Die katholischen Hilfswerke sehen sich nach den Worten von Misereor-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer in ihrer Arbeit durch die Münchner Ansprache von Papst Benedikt XVI. bestärkt. Das Kirchenoberhaupt habe in seiner 'herausragenden Predigt' über drei Texte aus dem Alten und aus dem Neuen Testament dargelegt, dass Gott immer im Zentrum allen Handelns stehen müsse. In seiner Analyse der westlichen Gesellschaften stellte der Papst die Gefahr heraus, dass Gott immer mehr aus dem gesellschaftlichen Leben herausgedrängt werde. Dies ziehe, so der Papst, gefährliche Auswirkungen auch auf die Völker und Kulturen in Afrika und Asien nach sich, sagte Sayer am Montag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Aachen.

Die Mahnung des Papstes, sich von Stummheit heilen zu lassen und über Gott zu sprechen, gelte in einer solchen Situation in besonderer Weise für die katholische Kirche. Ihre Verkündigung dürfe sie gerade heute nicht unter den Scheffel stellen. Sayer betonte, der Papst habe überzeugend dargelegt, dass soziales Engagement und Evangelisierung zusammengehörten. So berufe sich Jesus bei der Bestimmung seiner Sendung (Lk 4) auf die Jesaja-Lesung: Blinde sehen, Lahme gehen etc.; der Dienst an den Hungernden und Dürstenden ist Dienst an Jesus (Mt 25). Soziales Engagement der Kirche sei zentraler Bestandteil der Verkündigung Jesu Christi und kein Beiwerk.

Mit Blick auf die Ausführungen afrikanischer Bischöfe gegenüber dem Papst, sagte Sayer, er freue sich über das Lob der Arbeit der kirchlichen Werke. Kritische Stimmen einzelner Bischöfe kenne er und er weise diese dann auf die 'komplementäre weltkirchliche Arbeitsteilung in Deutschland' hin. So unterstützen die Werke Missio in Asien und Afrika sowie Adveniat in Lateinamerika die kirchliche Pastoralarbeit. Misereor hingegen sei das Werk für kirchliche Entwicklungszusammenarbeit auf allen Kontinenten. Das Hilfswerk Renovabis fördere sowohl die Pastoral als auch die ntwicklungszusammenarbeit in den Ländern Osteuropas."

Bischof Dr. Josef Homeyer von Hildesheim hatte bei dem ersten Fundraisingtag des Bistums einen Vortrag zum Thema "Grundzüge einer Theologie des Fundraisings" gehalten. Darin bezieht er sich auf die Tätigkeit des Apostel Paulus, der in den von ihm gegründeten Gemeinden Geld für die Armen in Jerusalem sammeln ließ.

"Der Apostel Paulus wirbt in seinen Briefen mit all seiner Autorität, theologischen Brillanz und Sprachgewalt für die Kollekte für die Jerusalemer Gemeinde. Der Apostel legt hier eine Theologie des christlichen verstandenen Gebens und Nehmens dar. In seiner Argumentation verknüpft Paulus durch die Verwendung des Wortes "charis" das Geben Gottes aus der unerschöpflichen Fülle und Liebe mit dem Geben der Gläubigen für die Gläubigen.

Paulus steigert dieses Motiv noch, wenn er die Zirkulation der Charis, die von Gott ihren Ausgang nimmt und unter den Gemeinden verteilt wird, dann als Dank und als eu-charistia – "angereichert" – zu Gott zurückkehren sieht."

Der Christ ist der Grundüberzeugung, dass er in seinem Geben nur das weitergibt, was ihm an ideeller Kompetenz und materieller Stärke durch die ungeschuldet zuvorkommende rettend-heilende Gegenwart Gottes selbst immer schon gegeben ("geschenkt", "charis") ist.
Wenn die Gabe des Christen, Ausdruck seiner Nachfolge Christi und seines Vertrauens in die Großzügigkeit und die Gegenwart Gottes ist, ist sie als christlicher Vollzug zu werten. Diese von Gott her ermöglichte und auf andere Menschen hinzielende Liebe ist Caritas im strengen theologischen Sinne."


Paulus erinnert die Spender daran, dass sie zuerst von Gott beschenkt wurden. Auch wir haben unseren Wohlstand von Gott empfangen und unsere Begabungen, die wir im Rahmen der Projektarbeit einsetzen. Paulus zeigt dann, dass die Hilfsgaben Dank gegen Gott auslösen.
Papst Johannes Paul II. hatte in seiner Fastenbotschaft 2003 gesagt "Der Dienst an den Notleidenden kann für die 'Fernstehenden' ein von der Vorsehung bereiteter Weg zur Begegnung mit Christus sein, weil der Herr jede Gabe an den Nächsten über die Maßen belohnt (vgl. Mt 25, 40)."

Somit hat das Fundraising für soziale Hilfe eine doppelte missionarische Wirkung: Es bingt des Spender in die Nähe Christi und es motiviert den Hilfsempfänger zur Dankbarkeit gegen Gott.

Mt. 5,16: "So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen."

2. Korinther 9,8: "In seiner Macht kann Gott alle Gaben über euch ausschütten, sodass euch allezeit in allem alles Nötige ausreichend zur Verfügung steht und ihr noch genug habt, um allen Gutes zu tun."
und weiter 9:11 - 9:15 "In allem werdet ihr reich genug sein, um selbstlos schenken zu können; und wenn wir diese Gabe überbringen, wird sie Dank an Gott hervorrufen.
Denn euer Dienst und eure Opfergabe füllen nicht nur die leeren Hände der Heiligen, sondern werden weiterwirken als vielfältiger Dank an Gott.
Vom Zeugnis eines solchen Dienstes bewegt, werden sie Gott dafür preisen, daß ihr euch gehorsam zum Evangelium Christi bekannt und daß ihr ihnen und allen selbstlos geholfen habt.

In ihrem Gebet für euch werden sie sich angesichts der übergroßen Gnade, die Gott euch geschenkt hat, eng mit euch verbunden fühlen.

Dank sei Gott für sein unfassbares Geschenk."

Partnerschaft (Schema)
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Gnadenkreislauf
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