IRPAA

- Harald Schistek
ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Juazeiro, im Bundesstaat Bahia, im Zentrum der semi-ariden Region Brasiliens, die mit fast 900.000 km2 so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen ist. Seit mehr als zehn Jahren entwickelt das Institut eine technisch-pädagogische Zusammenarbeit mit der kleinbäuerlichen Landbevölkerung, mit dem Ziel, neue, klimagerechte Wirtschafts- und Lebensformen zu vermitteln.
Es ist wichtig zu erkennen, dass das semi-aride Gebiet viele Möglichkeiten und Mittel hat, aber von den übrigen Regionen Brasiliens verschieden ist. Um hier gut zu leben, muss gelernt werden mit der Andersartigkeit im Einklang zu leben, mit den Winden, den unregelmäßigen Niederschlägen, den langen Trockenzeiten.... Die Kenntnis des semi-ariden Klimas und das Beherrschen der angepassten Produktionstechniken stellen die Ausgangsbasis für den Kampf um eine gerechte Verteilung von Grund und Boden dar. Sie ermöglicht es, in die Regierungspolitik zu Gunsten der wahren Bedürfnisse der Region einzugreifen, die Politik zu ändern, um so den Verbleib der Bevölkerung in ihrem "Gelobten Land" zu garantieren.
Die Übersetzung von IRPAA lautet: INSTITUTO REGIONAL DA PEQUENA AGROPECUÁRIA APROPRIADA Regionales Institut für angepasste Kleinbauernlandwirtschaft und Tierhaltung
Bischof Rodriguez - Mitbegründer von IRPAA

- Bischof Rodriguez
Die Aktion "Trotz Dürre leben" unterstützt die Institution IRPAA, die vom emeritierten Bischof von Juazeiro/BA, Dom José Rodrigues, gegründet wurde. Er war vor Bischof de Witte der Präsident von IRPAA. Von ihm berichtet dieses Buch. Es lässt ihn in seinen Predigten auch selbst zu Wort kommen. Man kann nur tief beeindruckt sein vom Mut dieses Bischofs, der nicht nur die Gewissen der Reichen aufrüttelt (im Verhältnis zu seinen Notleidenden gehören wir doch auch dazu), sondern auch die ungerechten Strukturen und die schlimmen Folgen des Staudamms für die Umwelt angreift.
Siegfried Pater Der Bischof der Geknechteten |
Lamuv Verlag, Göttingen |
EUR 9,90 |
Dieses Buch beschreibt in fesselnder Form die Probleme des Dürregebiets und das Werk von Bischof Rodrigues.
Bischof André de Witte - Präsident der IRPAA
André de Witte wurde 1944 im Bistum Gent, Belgien als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Er besuchte eine Karmeliter-Schule und hatte schon sehr früh den Wunsch, diözesaner Priester und Missionar zu werden. Er erfuhr vom Priestermangel in Lateinamerika. In der belgischen Universitätsstadt Leuven studierte er am lateinamerikanischem College und wurde 1968 zum Priester geweiht.
Es war eine Zeit des großen Interesses für die Dritte Welt und Entwicklung. André de Witte folgte dem Beispiel eines Kollegen und studierte nach seiner Priesterweihe Agronomie. 1973 machte er sein Diplom zum Landwirtschaftsingenieur in Leuven. Nach 2 Jahren Praktikum in einer belgischen Pfarrgemeinde ging er nach Brasilien.
Von 1976 bis 1994 arbeitete er zusammen mit dem o.g. Kollegen in einem Team im Bistum Alagoinhas an der Nordküste von Bahia. Sie waren zusammen verantwortlich für die Gemeinde Inhambupe (40.000 Einwohner in 3 Gemeinden mit mehr als 2000 km²) und für die Landpastoral des Bistums. Ausgangspunkt der Evangelisierung war und ist für ihn die Bildung des Gottesvolkes und Ausgangspunkt der Landpastoral ist die schwierige Situation des Volkes und sein Kampf um Boden und Wasser im semi-ariden Nordosten. Auf beiden Gebieten geht es um Evangelisierung. Der Kampf um Bewusstseinsbildung und Organisation der Bauern (Kampf um Boden, Gewerkschaften, Familien-Landwirtschaftsschulen, Kooperation, Leben in einem semi-ariden Gebiet) ist selbstverständlich soziale Arbeit aber ebenso kirchliche Arbeit wie die Vorbereitung der Sakrament und genauso kommt die Motivation aus dem Evangelium!
André de Witte war eine Zeit lang der geistliche Leiter der Seminaristen, Koordinator der Pastoral, Bischöflicher Vikar für die Region Sertão und General-Vikar. 1994 wurde André de Witte zum Bischof von Ruy Barbosa ernannt. In dieser Region (Nordeste III, Bundesstaaten Bahia und Sergipe) begleitet er die CPT (= Comissão Pastoral da Terra), die Kommission für Landpastoral und ist Vorsitzender der IRPAA (= Instituto Regional da Pequena Agropecuária Apropriada), das Regionale Institut für angepasste Landwirtschaft und Tierhaltung.
In der CNBB (= Conferência Nacional dos Bispos do Brasil), der brasilianischen Bischofskonferenz, ist er Mitglied der Kommission für Ökumene und er ist Vorsitzender der SPM (= Serviço Pastoral dos Migrantes), der Migrantenpastoral.
Sein Wappenspruch, den er bei seiner Bischofsweihe gewählt hat, lautet: "Christus semper": Christus immer! Damit möchte er daran erinnern, das Christus gekommen ist, damit alle Leben in Fülle haben (Joh. 10,10). Jesus Christus ist die Quelle, Motivation und Ziel unserer Sendung.
Dom André de Witte ist Antragsteller des Beratungsprogramms für Landlose und Kleinbauern in der Diözese Ruy Barbosa, das von Misereor unterstützt wird.
MPA-Seminar (Monitoring, Planung, Evaluierung)
Aus einem aktuellem Bericht der IRPAA
In diesen Tagen (Anm. Mitte Oktober) fand das MPA Seminar statt (Monitoring, Planung, Evaluierung). Es war einfach unglaublich, wie in der kurzen Zeit die NGO´s und die Bauern/Innen die Pumpe als ihre erkannten und bereits fest in ihre Arbeit integriert haben. Es waren mehr als 40 Teilnehmer aus allen Bundesstaaten, wo Pumpen installiert wurden, und zwar die Schlüsselpersonen. Misereor, Kolping, CPT und das ASA-Zentralkommitee nahmen teil, wie auch die Autovision und der verantwortliche Ingenieur bei Menegotti. Jede Delegation berichtete von ihren Erfahrungen, zeigte Bilder etc.<//abbr> Auch wurden noch vorhandene Kinderkrankheiten aufgezeigt. Dem wird nachgegangen. Autovision hat jetzt einen Maschinenbauingenieur, der nur für das Pumpenprojekt arbeitet. Sie gehen die Pumpe im Detail durch, wo etwas verbessert oder verbilligt werden kann.
Bei dem Treffen wurde auch vereinbart wo die neuen Pumpen installiert werden wollen. Im Depot des Irpaa befinden sich jetzt 90 nagelneue Pumpen Insgesamt sind es jetzt jetzt über 300, zusammen mit den 90 noch nicht installierten. Wo kommen die her? Autovision hat beste Arbeit geleistet. Alle Zulieferfirmen wurden angesprochen, auf Automobilaustellungen und ähnlichen Veranstaltungen wurde die Pumpe aufgebaut und Reklame gemacht.
Der Transport kommt auch deshalb billiger, weil VW einen 6-Tonner Kasten Lkw leihweise zur Verfügung stellte. Frei von jeder Auflage, alle Reparaturen, Reifen, Ölwechsel übernimmt VW. Nur der Diesel wird vom Programm bezahlt.
Die Bedenken von Misereor (Anm.: Hinsichtlich der Überweidung durch Aufstockung des Viehbestands aufgrund des großen Wasserangebots und wegen der möglichen Bodenversalzung) sind durch die Erfahrungen aus Afrika bedingt und spiegeln nicht so sehr die Meinung der Misereor Mitarbeiter wider, sondern mehr des deutschen Spenderpublikums. Diese Besorgnis löste hier bei unseren Leuten, aber auch bei den Forschen der staarlichen Embrapa eher Schmunzeln hervor. Einmal ist die Vegetation in der Caatinga grundlegend anders als in der Sahelzone, und damit die Nahrung der Tiere. Zum anderen ist die kulturelle Einstellung der Tierhalter anders. In Afrika gehört es zum Status, viele Tiere zu haben, auch wenn sie mager sind. Hier, wenn mehr Tiere überleben, dann werden eben mehr verkauft.
Das mit dem salzigen Wasser ist folgendes: die Tiere ziehen dieses dieses Wasser vor. Es ist natürlich nicht stark salzig, denn sonst würden es die Tiere auch nicht trinken. Die Regionen sind ganz unterschiedlich, man kann nicht alles über einen Leisten ziehen. In der Gegend um Juazeiro ist der Boden sehr karg, steinig, seicht. Und es ist sehr, sehr trocken. Hier herrscht Tierhaltung vor.
Das Brunnenwasser mit Salzgehalt eignet sich sehr gut zum Bewässern von Elefantengras und Bananen. Wenn man von Produktion spricht, muß man es sich abgewöhnen, nur an Ackerbau und Gemüse zu denken. Es gibt auch die Tierproduktion. In anderen Teilen des semi-ariden Gebietes ist die Luftfeuchtigkeit höher, der Boden tiefer. Dort suchen sich die Leute eher Brunnen mit salzarmen Wasser aus, um Gemüse anzubauen.
Die Bodenversalzung kommt weniger durch salziges Wasser zustande, sondern durch die sonnenbedingte Kapilartätigkeit des Bodens, der die im Bodenwasser gelösten Salze an die Oberfläche bringt.

- Seminar
IRPAA-Bericht 2002
IRPAA-Bericht 2002 von Harald Schistek
Hauptsächliche Aktivitäten im Jahre 2002:
Der Ausgangspunkt für die Arbeit, die IRPAA vor 13 Jahren begann, war die Feststellung, dass Entwicklungsprojekte, Regierungsmaßnahmen oder finanzielle Intervention aus dem Ausland praktisch immer fehlschlugen, oft die Lage der Zielgruppe verschlechterte oder höchstens kurzfristige caritative Auswirkungen hatten. Als wir einen neuen Blickwinkel vorschlugen – weg von der "Bekämpfung der Trockenheit" – zugunsten eines Lebens im Einklang mit dem Klima (KONVIVENTIA) als einzige Alternative für das semi-aride Gebiet vorstellten, gab es viel Widerstand, weil dies die gewohnten Paradigmen brach. Es wurde der Vorwurf eines entpolitisierten Ansatzes erhoben. Heute sehen alle, dass jede politische Aktion, jede Regierungsmaßnahme, jedes Entwicklungsprojekt auf der Kenntnis der semi-ariden Realität und einer nachhaltigen Vorgangsweise aufbauen muss. Heute ist es so, dass das Wort „Konviventia“ in aller Munde ist und die Regierung ihre verstaubten ineffizienten Hilfsmaßnahmen schnell mit denen der "Konviventia" verbrämen will. Es liegt jetzt an den Basisorganisationen und deren Beratern, den wahren Sinn des Wortes zu verteidigen und die Regierungsmaßnahmen gemäß der Konviventia einzufordern
Ausbildungswochen für Bauern und Bäuerinnen
Der zweiwöchige Kurs fand im Schulungszentrum des IRPAA in Juazeiro im Monat März statt. Es nahmen 40 Teilnehmer und Teilnehmerinnen teil, Vertreter aus allen Bundesstaaten des semi-ariden Gebietes. Das Ziel dieses Kurses ist es, Männer‚ Frauen und Jugendliche in der Konviventia mit dem semi-ariden Klima auszubilden. Sie lernen die Grundsätze eines nachhaltigen Lebens und Produzierens im semi-ariden Gebiet, wobei der Ausgangspunkt für die Ordnung des politischen, sozio-ökonomischen und ökologischen Raumes die bäuerlichen Gemeinschaftsorganisationen sind. Es wird gesagt, wie trotz der klimatischen Unregelmäßigkeit es nie an Wasser mangeln muss, wie Feldbau und Kleintierhaltung sichere Gewinne einbringen können und wie die vorhandene Produktion besser vermarktet bzw. lokal bereits weiterverarbeitet werden kann. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen erhalten auch einen Einblick, wie sich der sehr entfremdete Schulunterricht in die Realität der Kinder und ihres sozialen und historischen Umfeldes einfügen kann. Diese Ausbildungswochen wiederholten sich das 11. Mal. Sie werden von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen gerne als „Schule der Konviventia“ bezeichnet
Zisternenbaukurs (Drahtgittertechnologie)
IRPAA entwickelte eine an die lokalen Gegebenheiten sehr gut angepasste Zisternenbautechnologie, die wesentlich widerstandsfähiger gegen Lecks und Risse ist und preislich den bisher bekannten gleich steht. Dieser Kurs fand in Santa Fé (im Bundesstaat Paraíba) auf Einladung des Ortspfarrers statt, der die Wasserversorgung der Bevölkerung sicherer gestalten will. Es war ein Schulungskurs für eine Gruppe von Maurern, damit diese im Landesinneren weitere Zisternen bauen können. Die Zisterne wurde am Schulungszentrum der Pfarrei gebaut, gleich neben einem Kindergarten für arme Kinder, die bald als neugierige Zuschauer die Arbeiten verfolgten. Interessant an diesem Einsatz ist, dass das Schulungszentrum im alten, aus dem 19. Jahrhundert stammenden "Haus der Barmherzigkeit" des Priesters Ibiapina eingerichtet wurde, der bereits damals in seinen Predigten einzelne Grundsätze der Konviventia verbreitete. Er ließ in Santa Fé zwei caxios zum Sammeln des Regenwassers in den Stein hauen (tief und schmal, damit die Verdunstung geringer ist), einer davon völlig gedeckt. Er nannte die caxios ("Kaschio" gesprochen) "Wasserhäuser". Am 19. eines jeden Monats vereint eine Wallfahrt ca. 5.000 Menschen, um sich in die Lehren des Pfarrers Ibiapina zu vertiefen
Organisation der Wasserwoche
Vor vier Jahren wiesen wir auf das bis dahin in Brasilien unbekannte Datum des Tags des Wassers, am 22. März, hin und schlugen vor, um die Wichtigkeit des Tages gebührend hervorzuheben, an den sieben vorhergehenden Tagen mit dem Thema zusammen hängende Aktivitäten durchzuführen. Daraus entwickelte sich die jetzt in ganz Brasilien durchgeführte "Wasserwoche" vom 15 bis 22. März, mit Seminaren über Wasser, Kampagnen, Schulungen, Programmen in Rundfunk und Fernsehen, Erhebungen und Studien über Wasserversorgung und Protestaktionen. Zur Fundamentierung zum Thema und Hilfe für die Organisation der Wasserwoche wird, gemeinsam mit Unicef und Caritas jährlich Informationsmaterial ausgearbeitet und verteilt. Durch die Zusammenarbeit dieser drei Organisationen werden mit Leichtigkeit ganz unterschiedliche Zielgruppen erreicht: Gruppen der zivilen Gesellschaft, kirchenbezogene und unabhängige bzw. mehr dem Staat untergeordnete Gruppen und Personen
Die Bibel im semi-ariden Gebiet
Für die Bewohner in der semi-ariden Region sind die Botschaft der Bibel und die Gleichnisse Jesu von vornherein leichter zugänglich, weil sie aus einem ähnlichen klimatischen Kontext stammen wie das semi-aride Gebiet Brasiliens. Seit Jahren führt IRPAA Bibelkurse in diesen Themen durch. In diesem Jahr gab es das erste Mal auch einen zusätzlichen Kurs nur für Jugendliche aus den drei Nachbarmunizipien Curacá, Uauá und Canudos. Im Gleichnis des verlorenen Sohnes erkannten sie sich wieder, wie einer der nach São Paulo zieht, aber verzweifelt zurückkehrt und der andere, der zu Hause bleibt, aber nicht die Anerkennung des Vaters erfährt und unglücklich ist. Ein weiterer Kurs für eine allgemeine Teilnehmergruppe behandelte das Leben der Propheten Elias und Eliseu und verglich die damalige Situation mit der Lage der heutigen Bevölkerung
Seminar der Landjugend
IRPAA besitzt eine eigene Arbeitsgruppe, die sich mit der Situation der Jugendlichen im semi-ariden Gebiet beschäftigt und die bestmögliche Form sucht, die Botschaft der Konviventia dieser Gruppe zu vermitteln. In Remanso, Bundesstaat Bahia, wurde in Zusammenarbeit mit zwei Landarbeitergewerkschaften, der NGO SASOP, der Fischerkolonie und den lokalen Pfarreien ein großes Seminar mit Jugendabgeordneten aus den Munizipien im Umkreis des Sobradinho-Stausees abgehalten. Das Ziel war, neue Führungspersönlichkeiten zu finden und auszubilden, die Teilnahme von Jugendlichen im öffentlichen Leben und bei den Basisorganisationen zu fördern, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und Strategien der Konviventia mit dem semi-ariden Gebiet zu finden, die ihnen den Unterhalt und das Verbleiben in ihrer Heimat ermöglicht.Es kam heraus, dass die Basisgruppen dringend neue Leitungskräfte benötigen, dass aber auf der anderen Seite die Jugendlichen noch viel lernen und ihre Koordinierungsqualitäten vertiefen müssen. Ausbildungskurs für Lehrerinnen und LehrerAls Priorität hat sich in den letzten Jahren die Arbeit mit öffentlichen Schulen herauskristallisiert. Was dort gelehrt wird, ist in keinem Maß konform der Realität, aus der die Kinder kommen und wo das Schulgebäude steht. Das semi-aride Gebiet wird negativ dargestellt und als aussichtslos für ein menschenwürdiges Leben. Alle Lehrstoffe kommen aus gemäßigten Klimazonen des Südens oder der Küstenzone. So ist es nicht nur verwunderlich, dass die Schule zum Exodus beiträgt, sondern auch zum geringen Lernerfolg der Kinder, die nichts von ihrer Kinderrealität im Schulraum wiederfinden. In einem neu hinzugekommenen Munizip mit dem Namen Coronel José Dias, im Bundesstaat Piauí führte das IRPAA-Team eine Reihe von Schulungen durch, z.B. über die Klimarealität und das Thema Wasser und wie diese beiden für die Region grundlegenden Themen in den Unterricht eingebaut werden können. Die Arbeit im Munizip wird partnerschaftlich mit der Caritas Piauí durchgeführt. Die Mitarbeiter des munizipalen Erziehungs-Sekretariats werden beraten, die Schulen in den Dörfern besucht, und in Versammlungen mit den Eltern erfahren wir deren Reaktion und den Fortschritt der Arbeit.
Organisation von Fachmessen für Bewässerungslandwirtschaft (FENAGRI) und kleinbäuerliche Familienbetriebe (FENAF)
Noch im Jahr 2001 wurde IRPAA eingeladen, Mitorganisator bei der Durchführung der 12. Nationalen Fachmesse für Bewässerungslandwirtschaft (FENAGRI) zu sein, die bis dahin vom Munizip Juazeiro des Bundesstaates Bahias und des Exportunternehmen Valexport durchgeführt wurde. Die Einladung wurde akzeptiert unter der Bedingung, dass eine Ausstellungsstraße mit 20 Ständen für die Kleinbauernfamilien reserviert werde.Der Erfolg dieser Teilnahme, sowohl für die ausstellenden Kleinbauernfamilien, als auch für die Fachmesse selbst, konnte die staatlichen Stellen überzeugen, eine Fachmesse nur für kleinbäuerliche Familienlandwirtschaft finanziell zu fördern. Diese fand dann auch im Juni 2002 statt, unter dem Namen "Feira Nacional da Agricultura Familiar" – FENAF. In den freien Ausstellungsstunden wurden gleichzeitig eine große Auswahl von Seminaren, Vorortbesuchen und Kurzschulungen mit für die Kleinbauernlandwirtschaft relevanten Themen angeboten. Es war die erste nationale Fachmesse für Kleinbauernlandwirtschaft in der Geschichte Brasiliens und wurde sowohl von Außenstehenden, als auch den TeilnehmerInnen als voller Erfolg gewertet. Täglich besuchten im Durchschnitt 20.000 Menschen die Fachmesse. Warum die Mitarbeit bei einer so außerhalb des bisherigen Arbeitsspektrums liegenden Aktivität? Die Kleinbauernfamilien sind diejenige Bevölkerungsgruppe, die den Großteil des Essens auf den Tisch der brasilianischen Bevölkerung stellt und doch von den landwirtschaftlichen Förderungsmaßnahmen der Regierung meist ausgeschlossen ist. Das Ziel war es, der Bevölkerung und den staatlichen Stellen das Potenzial und die Qualität der kleinbäuerlichen Produktion zu zeigen und den Kleinbauernfamilien Selbstvertrauen zu geben, notwendige Kontakte zu ihresgleichen herzustellen, neue Vermarktungspartner kennen zu lernen und neue Kenntnisse zu vermitteln. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen erarbeiteten am Schluss einen sehr interessanten offenen Brief. Diese Veranstaltung wurde gemeinsam mit weiteren Partnern, der NGO SASOP und der kirchlichen Landpastoral CPT geplant und durchgeführt
Regenwassersammeln beim 3. Weltwasserforum in Kyoto, Japan
Das Auffangen und Sammeln von Regenwasser, vor allem in semi-ariden Gebieten der Welt, ist so alt wie die Menschheit. Technologische Änderungen mit großem und billigen Energiequellen ließen das Regenwasser zur Versorgung von Pflanzen, Tieren und Menschen im 20. Jahrhundert in Vergessenheit geraten.Heute besinnt man sich wieder auf diese Ressource, zumal die Lösungen mit hohem Energie-Input immer klarer zeigen, wie wenig nachhaltig sie sind. Gleichzeitig stellen der Einsatz verbesserter Materialien und die Erkenntnisse neuerer Forschungen das große Potenzial des Regenwassersammelns in den Vordergrund. Interessanterwe diesmal aber nicht nur für trockene oder arme Regionen. Auch Industrieländer lernen die Wichtigkeit der Nutzung des Regenwassers.Bereits im Jahre 2000 bei der 2. Weltwasserkonferenz in Den Haag konnte durch die aktive Mitarbeit des IRPAA der Faktor Regenwasser erstmals in die globale Wasserplanung einbezogen werden. IRPAA vertrat dort IRCSA (International Rainwater Cachment System Association, wir sind Mitglied seit 1992). Diesmal sind wir dabei, eine Sitzung über Regenwasser bei der 3. Weltwasserkonferenz vorzubereiten. Leider konnten wir diesmal bisher nicht die notwendigen Mittel zur Finanzierung der Reise auftreiben, so dass die Gefahr besteht, dass auch diese Ressource zu Ungunsten der armen Länder beeinflusst wird.
Kurse über die Konviventia
Über das ganze Jahr verteilt werden sowohl im Schulungszentrum des IRPAA auch als in den verschiedenen Diözesen und Munizipien des semi-ariden Gebietes die Schulungen über die Grundsätze der Konviventia und deren praktischen Anwendung im täglichen Leben abgehalten. Es sind jeweils drei volle Kurstage in drei Etappen. In der ersten Etappe wird über das Klima, das Ökosystem, Bodenbeschaffenheit etc. gesprochen, um das Zusammenspiel der verschiedenen Naturkomponenten zu erklären. Mit dem erreichten Verständnis über Regen und Trockenheit, werden dann die Alternativen erarbeitet, um ganzjährig eine sichere Wasserversorgung für Mensch, Tier und Landwirtschaft zu erreichen. In der zweite Etappe wird über Tierhaltung gesprochen und wie die Produktivität auch in diesem Klima erhöht werden kann. Die Futter- und Wasservorsorge für die Trockenmonate ist immer das zentrale Gespräch. In der dritten Etappe geht es um den Feldbau, der in dieser klimatischen Zone sicher an zweiter Stelle steht, aber doch bei entsprechender Technologie und Klimaverständnis einen Teil der bäuerlichen Einnahmen stellen sollte, aber in jedem Fall die für die Familie notwendigen Feldprodukte aufbringen muss. In dieser Etappe wird auch über die richtige Vermarktung und Weiterverarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte gesprochen.Bei einer solchen Schulung und gleichzeitigem Besuch von Bauerndörfern fanden wir im Munzip Esperantina, Bundesstaat Piauí, eine alte Quilomboregion (Quilombo = dörfliche Ansiedlung von geflüchteten Sklaven), in der die Bevölkerung ganzer Dörfer heute noch in fast sklavenartiger Abhängigkeit vom Großgrundbesitzer lebt. Der Unterricht in nachhaltiger Landwirtschaft und Tierhaltung ist für diese Bevölkerung wie ein Fingerzeig Gottes, dass dieser Boden seine Bauern ernähren kann, sie nicht um Tagelöhne beim Fazendeiro betteln müssen und sich organisieren sollen, um mehr Land zu erobernt.
Kurse über Futtervorratshaltung
In mehreren Munizipien, wie z.B. Remanso, Pilao Arcadco, Uauá, Canudos, Curacá, alle im Bundesstaat Bahia, wurden 1-wöchige Kurse über die Anlage von Futterreserven für die Trockenperiode abgehalten. Als Ausgangsprodukt kann dabei pflanzliches Material wie Leucena oder Büffelgras dienen, aber auch verschiedene natürlich in der Caatinga vorkommende Pflanzen, sowie auch Pflanzenreste aus dem Feldbau. Es wurde dabei vor allem gezeigt, wie Heu gemacht und aufbewahrt wird, aber auch, wie auf einfache Weise (und in kleinen Mengen) Silage bereitet und z.B. in Plastiktonnen oder ausgekleideten Erdlöchern aufbewahrt werden kann. Wichtig als Reserve sind aber auch bepflanzte Futterflächen mit Kakteen oder Punzienarten, Algaroba, Leucena und der richtige Umgang mit der Caatinga-NaturweideAssessorie zur Weiterverarbeitung und Vermarktung lokaler ProdukteDie Weiterverarbeitung und eigene Vermarktung von Naturprodukten oder aus der bäuerlichen Produktion, ermöglicht die verfügbare familiäre Arbeitskraft besser zu nutzen, zusätzlich und (nicht geringe) Einnahmen zu erwirtschaften und die Ernährung der Familie zu verbessern. In den letzten beiden Jahren war die große Neuigkeit die Verarbeitung der Frucht des natürlich vorkommenden Umbu-Baumes, der auch in den unregelmäßigen Regenjahren reiche Ernten bringt. Die Gewinnspanne ist unglaublich hoch: Durch die häusliche Weiterverarbeitung kann bis zu 26mal mehr Gewinn gemacht werden, als wenn die pflaumengroßen Umbufrüchte in natura verkauft werden. Frau Jowita aus dem Dorf Marruá, Munizip Uauá, machte in den drei Erntemonaten Januar bis März einen Gewinn von 1.200 R$, das sind sechs Mindestlöhne. In den drei Munizipien Uauá, Canudos und Curacá arbeiten derzeit bereits 100 Familien aus 35 Dörfern an der Weiterverarbeitung der Umbufrucht
Seminare über Genderfragen in der Region des Munizips Cícero Dantas, Bundesstaat Bahia
Ein Referenzpunkt der Arbeit des Institutes bezieht sich auf Genderfragen. Es besteht dazu im Team eine eigene Arbeitsgruppe, die die Korrektheit des Genderbezugs in den IRPAA-Aktivitäten ständig monitoriert und die spezifische Problematik im historischen und klimatischen Kontext herausstellt. Die Treffen vereinigen Vertreter und Vertreterinnen aus fünf umliegenden Munizipien, von Landarbeitergewerkschaften, Bauernvereinigungen, Schulen, Kinder- und Jugendbeiräten, politischer Parteien und Kinderpastoral. Das Ziel dieser Treffen ist es, ihre tägliche Praxis im Bezug auf Genderfragen zu analysieren und neu zu überdenken, in ihren verschiedenen Lebens- und Arbeitsräumen, von der Familie bis zu den politischen Parteien.
Seminar auf Bundesstaatsebene über Gemeinschaftsweiden
Die Institution von Gemeindeweiden stellt für das semi-aride Gebiet die sozial gerechteste und ökologisch nachhaltigste Form der Landnutzung dar. Im Laufe der vergangenen Jahrhunderte bildete sie sich aus der traditionellen und empirischen Landnutzung heraus. Aber nur im Bundesstaat Bahia ist sie als rechtlich möglicher Landbesitz seit 1994 zugelassen: Den einzelnen Bauernfamilien wird dabei nur ein kleines Stück Land für den Feldbau in deren persönlichen Besitz übertragen. Eine große zusammenhängende, nicht durch Zäune getrennte Fläche, wird als kollektiver Besitz ins Grundbuch eingetragen.Diese Fläche kann weder parzelliert, noch Teile davon von den einzelnen Bauern veräußert werden. IRPAA motiviert immer die Kleintierhalter, ihre effektiv benutzte Landfläche vom Staat anerkennen zu lassen. Da dies ein sehr langwieriger Prozess ist, mit Kosten verbunden, von den Beamten immer bewusst verschleppt wird und oft auch noch unklare Grenzlinien mit Nachbargemeinden oder ärger noch mit einem Großgrundbesitzer ausdiskutiert werden müssen, ziehen es die Kleintierhalter vor, es beim status quo zu belassen und auf das Gewohnheitsrecht zu vertrauen. Dieses zeigt sich jedoch in den meisten Fällen als wackliges Recht, weil lokale Großgrundbesitzer und auswärtige Landräuber mit Gewalt oder gefälschten Besitztiteln nur zu leicht das Gemeinschaftsland der Bauernfamilien in ihren Anspruch nehmen können. Einen solchen einmal erfolgten Landraub rückgängig zu machen, kann Jahrzehnte dauern, kann in Gewalt mit Todesopfern auswuchern und ist in manchen Fällen überhaupt nicht mehr rückgängig zu machen. Deshalb sind wir immer besorgt, Aufklärung bezüglich der Grundsituation und der Rechte zu machen. Dies geschieht in eigenen Treffen für Gemeindeführer- und führerinnen, wird aber auch in jeder Versammlung oder Kurs betont.In diesem Fall wurde das Treffen in Zusammenarbeit mit CPT und der Dachorganisation der Gemeinschaftsweiden veranstaltet. Im Bundesstaat Bahia gibt es derzeit rund 300 Gruppen mit Gemeinschaftsweiden, aber nur ein kleiner Teil davon erhielt bisher die Sicherheit am Land durch einen staatlichen Besitztitel. Es war das erste bundesstaatliche Treffen dieser Art und diente dazu, durch gemeinsames Vorgehen mehr Druck ausüben zu können. Es wurden verschiedene Gemeinschaftsaktionen beschlossen, wie ein Sitzstreik in der zuständigen Behörde in Salvador; damit die Grundbuchprozesse wieder aufgenommen werden, Gründung von Komissionen, Einbeziehung von den oft untätigen Landarbeitergewerkschaften, Bewusstseins-Bildungsarbeit unter den Bauernkollegen Intermunizipales Seminar für Leiter und Leiterinnen aus MunizipalverwaltungenIn den drei Munizipien Canudos, Uauá und Curacá führen wir ein intensives Basisprogramm durch. Außer den Bürgermeistern waren die Verantwortlichen der verschiedenen Munizipalverwaltungsbereiche anwesend, aber auch Gemeindeabgeordnete, Vertreter der Pfarreien, Bauernvereinigungen und Landarbeitergewerkschaft. Der Sinn des Seminars war es, die Zielsetzung unserer Arbeit in den drei Munizipien zu erläutern und gemeinsame Aktionen mit öffentlichen Stellen abzusprechen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Arbeit mit den öffentlichen Schulen, die, um erfolgreich zu sein, die aktive Mitarbeit der munizipalen Schulbehörde benötigt. Ein an den semi-ariden Kontext angepasster Unterricht ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung des gesamten Munizips und für die Akzeptanz anderer Projektmaßnahmen.
Gesetzesvorlage aufgrund eines Volksbegehrens
Gemäß brasilianischer Verfassung besitzt jedes Munizip Autonomie und Autorität eigene Gesetze zu beschließen, die dann nach Sanktion des Bürgermeisters in Kraft treten. Die aus dem Volksbegehren hervorgehende Gesetzesvorlage wird dem Gemeinderat vorgelegt, der darüber beschließen muss. In unserem Fall tat sich die Bevölkerung von Uauá zusammen und erstellte einen Gesetzesentwurf, wonach 3 % des Munizipalhaushaltes für Wasservorratshaltung (insbesondere Regenwasserzisternen) verwendet werden muss. Der Gemeinderat verwandelte den Entwurf einstimmig in ein Gesetz, das dann in der Folge vom Bürgermeister sanktioniert wurde. Die paritäre Kommission, die das Geld verwalten und seine Verwendung definieren wird, ist gewählt und funktioniert bereits. Wir leisteten bei dem gesamten Vorgehen die fachliche Assessorie, immer mit der Sorge, nicht die lokale Initiative zu ersetzen, sondern die Bevölkerung in der Praxis kollektiver Aktionen zu stärken, als Ausdruck von reifen Staatsbürgern und Staatsbürgerinnentd
Bundesgesetzvorlage Nr. 1.114/99 "Permanentes Programm der Konviventia mit dem semiariden Klima" des Bundesabgeordneten Wellingten Dias
Diese Vorlage hat die Grundphilosophie der IRPAA-Arbeit in Gesetzesform gegossen, aber auch durch einige provisorische Nothilfemaßnahmen ergänzt. Es ist das erste Mal in der brasilianischen Geschichte, dass ein Gesetz ein spezifisch auf das semi-aride Gebiet, zugeschnittenes Programm etablieren will. Wir benutzen alle Gelegenheiten wie Schulungen, Vorträge etc., den Bekanntheitsgrad dieses Gesetzesvorschlags zu erhöhen und Lobby zu organisieren, damit er schneller verabschiedet wird.Bei den Wahlen 2002 wurde der Autor, ein PT-Abgeordneter als Governeur von Piauí gewählt und der PT-Kandidat Lula als Präsident von Brasilien. Welligton Dias will seine Gesetzesvorlage, unabhängig von der Verabschiedung in Brasilia, in seinem Bundesstaat Piauí Realität werden lassen. Es ist aber auch zu erwarten, dass die Verabschiedung jetzt schneller laufen wird.
Seminar und Jahrestreffen über öffentliche Projektpolitik im Rahmen des Mutirao-Zusammenschlusses von Basisorganisationen
Dieser Zusammenschluss, mehr als ein Netzwerk, umfasst mehr als 15 Organisationen, die kirchlichen Bezug besitzen und die Pädagogik als Basishaltung ihrer Arbeit ansehen. Es finden jedes Jahr zwei Veranstaltungen statt. In der Jahresmitte gibt es eine Schulung über ein spezifisches Thema für eine begrenzte Teilnehmerzahl und zum Jahresende ein großes Treffen mit möglichst vielen TeilnehmernInnen der beteiligten Organisationen. Dieses Mal ging es um die öffentliche Projekt- und Entwicklungspolitik und wie die Basisorganisationen ihre Kenntnisse in die Arbeit der Regierung Lula einfließen lassen können.
Letzte Änderung: 09.11.2006






