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Was ist Konviventia?

Leben mit dem Dürreklima und nicht gegen die Natur

Dieser Begriff bezeichnet das zentrale Thema und Anliegen der  IRPAA, es ist das Programm ihrer Schulungen und Aktionen und gab dem Institut den Namen: Regionales Institut für angepasste Landwirtschaft.

Hierzu Präsentationen im pdf.Format (1,9 bzw. 0,75 MB):

Die Caatinga - einzigartig!

Caatinga - ein Ökosystem, das es einzig nur in Brasilien gibt
Der Präsident Lula unterzeichnete im Jahre 2003 ein Gesetz, mit dem der NATIONALE TAG DER CAATINGA ins Lehen gerufen wird. Als Tag wurde der 28. April festgelegt, der Geburtstag des Landwirtschaftsingeneurs und Okologen Joao Vasconcelos Sobrinho aus dem Bundesstaat Pernambuco. Mit der Gründung dieses Gedenktages soll erreicht werden, dass sich die Bevölkerung des großen Wertes der Caatinga, ihrer Reichhaltigkeit und biologischen Vielfalt, bewusst wird. Damit soll ins Bewusstsein gebracht werden, sich für die Erhaltung dieses besonderen Ökosystems einzusetzen, zumal es durch falsche Verhaltens- und Bewirtschaftungsweise Gefahr läuft, auszusterben. Da dieses Ökosystem einzig und allein in Brasilien vorkommt, kann ihr biologisches Patrimonium an keinem weiteren Platz der Welt angetroffen werden.Die Caatinga bedeckt ca. 11 % der gesamten brasilianischen Landesoberfläche, was einer Fläche von beinahe 800.000 km2 entspricht. Dieses Ökosystem kann in den folgenden Bundesstaaten gefunden werden: Piaui, Cearä, Rio Grande do Norte, Paraiba, Pernambuco, Alagoas, Sergipe, Bahia und Minas Gerais. Seit der Kolonisierungszeit Brasiliens erfolgte eine Degradierung dieses sehr fragilen Ökosystems, mit der Folge, dass verschiedene lokale Pflanzen- und Tierarten - besonders Säugertiere - bereits ausgestorben sind. An diesen Orten zeugen heute nur noch Orts- oder Regionalnamen von verschwundenen Pflanzen- und Tierarten. Die größten Zerstörer der Caatinga sind die Nahrungsmittelindustrien, Gerbereien, Eisen- und Stahlhütten, Töpferein, Bäckereien etc, die ihr Brennholz urid Holzkohle aus dem schütteren Buschwald herausschlagen. In einigen Munizipien des Berglandes Araripe (zwischen den Bundesstaaten Pernambuco und Cerä), wo es Fabriken zur Gipsherstellung gibt, wird der Verbrauch an Brennholz auf 30 000 m3 monatlich geschätzt. Dadurch werden täglich 25 ha Caatinga abgeholzt. Die Produktion der nativen Vegetation der Region beträgt jedoch nur 40 rn3//ha. Der natürliche Wiederbewachs ist extrem langsam. In vielen Fäller ruft die Abholzung der Caatinga große Erosionsschäden unwiederbringliche Zerstörung der Böden und Desertifizierung hervor.

Ein Aufruf

Harald Schistek, Agraringenieur bei IRPAA in Juazeiro, Brasilien, schreibt im Hinblick auf den Besuch zur Fastenzeit:Was m.E. wichtig ist, dass wir speziell die semi-aride Region im Blick haben. Sie ist so groß wie Frankreich und Deutschland zusammen, dort wohnen über 20 Millionen Menschen, aber deren Problematik ist weitgehend unbekannt. Ihr werdet eine Gruppe von Menschen zur Verfügung haben, die so kaum wie andere über die Eigenartigkeit dieser Region erzählen können und wie die Menschen dort leben. Es gibt viele Gruppen, die sich z.B.<//abbr> für den Regenwald engagieren, oder für die Cerradoflächen, (Cerrado - Netzwerk), es gibt aber keinen einzigen Gruppenzusammenschluss in Deutschland der die Caatinga, das Semiaride Gebiet und deren Bewohner als Zielthema hat. Da müsste Unis mitmachen, Kirchen, Privatpersonen.... Zumal jetzt die Caatinga in der Wissenschaft als einmaliges Ökosystem, das einzige in der Welt, anerkannt wurde und Lula sogar den nationalen Tag der Caatinga instaurierte.

Caatinga

Zitat aus: www.enso.info/lexikon.html#caatinga"Offener, lichter und laubwerfender Trockenwald vom Typ der Dornbaumsavanne in Mittel- und Südamerika. Im Nordosten Brasiliens bedeckt er weite Ebenen, die mit schwach hügeligem und stärker bewegtem Gelände abwechseln. Das Klima im Nordosten ist gleichmäßig warm, mit Temperaturen von 24 bis 26 °C. Die Niederschläge liegen zwischen 500 und 700 mm/a. Die humiden Monate sind Februar bis Mai, die Trockenzeit währt demnach acht Monate. Passate aus NO, O und SO wehen während der Trockenzeit am stärksten. Die Niederschlagsverlässlichkeit ist verhältnismäßig gering. Insbesondere bei El Niño-Ereignissen kann es zu verheerenden Dürren kommen.Tiefgründig verwitterte Böden wechseln mit Rohböden ab. Sandige Bodenarten überwiegen und haben einerseits steinige, andererseits auch schluffige Beimengungen.Neben Mimosen kommen zahlreiche Palmen, Dorngewächse und Sukkulenten vor, deren Lebensform auf die ariden Verhältnisse hinweist" Zu den Ursachen der wiederkehrenden Dürren:"In Nordostbrasilien mit seiner Caatinga-Vegetation treten fast regelmäßig im Zusammenhang mit El Niño Sêcas (Dürren) auf. Sie werden als wichtigste Telekonnektion außerhalb des pazifischen Raums angesehen. Sie können auch das Amazonasbecken und die ganze Atlantikküste zwischen Kolumbien und dem Horn von Südamerika betreffen. Man vermutet eine ähnliche Luftdruckschaukel wie über dem Pazifik: Ein in El Niño-Jahren schwaches südostpazifisches Hoch bedingt eine kräftige, ausdauernde Antizyklone über dem Südatlantik, die eine Südverlagerung der Innertropischen Konvergenzzone im März/April und die damit verbundenen Sommerregen über dem Nordeste nicht ermöglicht."

Das wirtschaftliche Potenzial der Caatinga

2003 war sicher ein schwieriges Jahr für die semi-aride Region. Der Niederschlag war geringer und noch unregelmäßiger als sonst. Trotzdem war die Ernte reich an den Orten, wo es die Bevölkerung gelernt hatte, klimaangepasst zu leben und zu produzieren. Dies wird Konviventia mit dem semi-ariden Klima genannt. Da ist zum Beispiel die Region von Campo Alegre de Lourdes, Bahia, an der Grenze zum Bundesstaat Piaui. Im Jahr 2003 wurden dort 80 Tonnen Honig produziert und mit 1,60 Euro pro Liter verkauft. In der Gegend von Uauá, Canudos Curaçá, im trockenen Norden des Bundesstates Bahia, wurden 30 Tonnen Umbufrüchte in Marmelade, Kompott und Fruchtsaft verwandelt und in den Städten Feira de Santana und Salvador verkauft. In der Region Cariri des Bundesstaates Paraiba, dem trockensten Flecken der semi-ariden Landschaft, produziert und verkauft eine Gerbergenossenschaft pro Monat 3.000 Stücke Lederhandwerk. Im Bundesstaat Rio Grande do Norte zeigt die Region von Cabugi, dass es möglich ist, hier auch Milch zu produzieren: täglich werden 8.000 Liter Ziegenmilch verarbeitet. Und eine Bauernvereinigung, ebenfalls in der Caatingaregion Bahias, baute eine Sisalverabeitungsanlage auf, die 500 direkte Arbeitsplätze schuf. Jährlich werden zehntausende Tonnen Teppiche und andere Sisalprodukte in die USA und nach Europa exportiert. Die Bundesstaaten Piaui, Ceará und Rio Grande do Norte exportieren jährlich mehr als 15.000 Tonnen Carnaúbawachs im Wert von über 30 Millionen Dollar und geben damit mehr als 200.000 Menschen einen Arbeitsplatz. Dies sind nur einige Beispiele unter Dutzenden anderen, dass das gewaltige Biomas Caatinga, in aller Begrenzung, wie wir es heute kennen, ohne weiteres ein gutes Lebensauskommen für seine Bevölkerung garantieren kann. Die oben zitierten Beispiele kamen aber viel mehr als Ergebnis von privaten Initiativen zustande, denn als Frucht einer geplanten offiziellen Entwicklungspolitik

Ein weiteres Beispiel kommt aus einem besonders trockenen Gebiet im Zentrum der semi-ariden Region mit Böden, die für den Feldbau nicht geeignet sind, aber ein großes Produktionspotential für Ziegen- und Schafhaltung besitzen. Auf dieser 38 Millionen Hektar großen Fläche (40% der semi-ariden Region) könnten jährlich mehr als 200.000 Tonnen Fleisch erzeugt werden und fast 20.000.000 Stück Ziegen- und Schafleder der besten Qualität. Und das ohne Umweltschäden. Dies würde allein an Rohmaterialien mehr als 65.000.000 Dollar jährlich einbringen. Die so hoch gelobten Bewässerungsprojekte mit ihrem ganzen Chemieeinsatz, bleiben da weit zurück: Der brasilienweite Exportgewinn mit Mangos war im Jahr 2002 geringer als der oben genannte Betrag und Tischtrauben brachten nur etwa die Hälfte davon.

Die Wertschätzung der lokalen Produkte ist heutzutage, im Kontext der Globalisierung, die große Strategie, um zugleich das Ökosystem der Caatinga zu bewahren und den Wohlstand der Bevölkerung zu garantieren, die in ihr leben und von ihr abhängen. Spezielle Produkte aus dem Biomas Caatinga, mit ihrer territorialen und kulturellen Identität, unterscheidbar von denen aus anderen Regionen, stellen ein großes wirtschaftliches Potential dar. Die Produkte aus der Caatinga besitzen ihren besonderen Geschmack, Geruch und Aussehen. In Zukunft soll es Markenzeichen geben, wie z.B.<//abbr> Umbusaft aus Uauá, Ziegenkäse aus Cariri, Caatingahonig aus Campo Alegre de Lourdes oder Sonnenfleisch aus Seridó. Es bedarf einfach nur ein wenig mehr Anstrengung, um zu verstehen, welches Potential uns mit dem Caatinga-Ökosystem gegeben ist, aber auch vom lokalen Wissen zu lernen und es anzuerkennen. Wir können nicht so weitermachen, das Ökosystem ändern zu wollen, um exogene Pseudolösungen aufzuzwingen. Die wahren Lösungen finden sich hier, genau vor uns, im Ökosystem der Caatinga.

Die Nützlichkeit der Caatinga
Die eine Art Buschwald darstellende Caatinga ist eine der besten Naturweiden überhaupt. Es sind vor altem die Blätter und Samen von Büschen und Bäumen, sehr viele davon Leguminosen, die zur Nahrung der Tiere dienen. Ziegen und Schafe sind besonders angepasst für diese Art von Naturweide. Die Produktion von Grünmasse der Blätter der verschiedenen Caatingapflanzen erreicht jährlich im Durchschnitt 4000 kg/ha. Eine Ziege oder Schaf benötigt 1 bis 1,5 ha Caatingaweidefläche, damit ihr Futtervorrat gewährleistet ist und die Zerstörung der Buschweide durch Überweidung vermieden wird.
Die Caatinga eignet sich auch hervorragend für die Bienenzucht.
Es gibt eine große Vielzahl an einheimischen Obstbäumen, wie: Umbu, Araticurn, Mangaba, Jatobä, Juazeiro, Licuri und andere, deren wirtschaftliche Verwertung erst noch erforscht werden muss. Der große Vorteil dieser einheimischen Pflanzen ist, dass sie ohne Bewässerung auskommen und eine sehr große Widerstandskraft gegen Krankheiten und Schädlinge besitzen.
Die Caatinga ist außerdem reich an medizinischen Pflanzen wie Aroeira, Araticum, Quatro-patacas, Pau-Ferro, Caatingueira, Velame, Marmeleiro, Angico, Sabiä, Juazeiro, Jericö und weitere. Man könnte sogar in der Caatinga eine rationelle Forstwirtschaft installieren. Das Potenzial an Holzgewinnung beträgt zwischen 7 und 100 m³ pro ha.

Caatingapflanzen liefern außerdem Rohsubstanzen für Farben, Produkte der menschlichen Hygiene, Speise- und lndustrieöle, Latex und verschiedene Rohprodukte für den täglichen Gebrauch.
Für die gesamte Ökologie des Nordostens ist die Caatinga von großer Bedeutung. Das intakte Ökosystem schützt den Boden und erneuert ständig seine Fruchtbarkeit, nimmt Regenwasser auf, beugt Erosionsschäden vor und läßt Quellen und Bäche nicht versiegen. Eine gute Bodenbedeckung verhindert die Erhitzung des Bodens. Ein kühler Boden wiederum fördert die Niederschläge, vor allem deren regelmäßigen Verteilung.