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29.7.2010

Friedenspreis für Dom Luiz Cappio

 

Wasser für den Frieden – Dom Luiz Cappio bekommt einen internationalen Preis verliehen

CPT Bahia, September 2008; Übersetzung für KoBra aus dem brasilianischen Portugiesisch von Kirsten Bredenbeck 

Vom 16. bis 19. Oktober werden in Sobradinho im Norden von Bahia tausende von Menschen zur fünften Wasser-Wallfahrt (Romaria das Águas)erwartet. Als Höhepunkt der Wallfahrt wird Dom Luiz Cappio und den Organisationen und Sozialen Bewegungen, Völkern und traditionellen Gemeinschaften, die sich für die Wiederbelebung des São Francisco und gegen das Umleitungsprojekt stark machen, der Internationale Friedenspreis von Pax Christi International verliehen.

 

Die gesamte Wasser-Wallfahrt konzentriert sich auf die Großprojekte im Tal des São Francisco und stellt diese in Frage: Nicht nur die Umleitung an sich, sondern auch die wahllose Ausweitung des Agrobusiness und des Geschäfts mit dem Wasser, Agrotreibstoffe, Bewässerungslandwirtschaft, Bergbau und Stahlindustrie, Staudämme, Zuckerfabriken, Eisenbahnen und weitere Großprojekte – allesamt ausgerüstet mit öffentlichen Geldern und Subventionen.

Das Programm der Wallfahrt wird am Abend des 16. Oktobers mit einer feierlichen Sitzung im Rathaus eröffnet. Weiter geht es am folgenden Tag mit einem Seminar über die Revitalisierung des Sao Francisco. Am Abend des 17. Oktobers läutet ein Abendmahlsgottesdienst den Weltfastentag vom 18. Oktober ein. Mit dem Fastentag machen die Bewegungen in Brasilien auf die weltweiten Konzentrationstendenzen in der Landwirtschaft in hochtechnisierte Großunternehmen aufmerksam. Der Fastentag stellt auch das herrschende egoistische und entfremdete Konsummodell in Frage, das eine der Ursachen für die weltweite Hunger- und Umweltkrise ist.

Die Wallfahrt am Fastentag führt in der Nacht schließlich zum Ufer des São Francisco am Fuße des Staudamms von Sobradinho. Hier wird in den frühen Morgenstunden eine Vertreterin von Pax Christi International den Friedenspreis an Dom Cappio und an Repräsentanten des Volkes übergeben, als Ausdruck der Anerkennung für den Einsatz vieler Menschen zur Verteidigung des Wassers, des Landes und des Lebens und Ermutigung zur Weiterführung des Widerstandes.

 

Den Friedenspreis vergibt Pax Christi International seit 1988 jährlich an Männer und Frauen, die sich weltweit für Frieden und Gewaltlosigkeit einsetzen. Dom Cappio wird der dritte Preisträger aus Brasilien sein. Dom Luiz Flavio Cappio, Bischof der Diözese Barra im brasilianischen Bundesstaat Bahia, lebt bereits seit über dreißig Jahren am São Francisco. In den Jahren 1993 und 1994 pilgerte er von der Quelle bis zur Mündung des Flusses, wobei er dessen kläglichen Zustand öffentlich machte und die Gemeinden ermutigte, sich für ihren Fluss einzusetzen. 2005 und 2007 ging er für die Wiederbelebung des Flusses und gegen dessen Umleitung in den Hungerstreik und erregte internationale Aufmerksamkeit. Die Preisverleihung ist auch deswegen etwas Besonderes, weil erstmalig in Brasilien, und nicht Europa stattfindet, wo Pax Christi seinen Sitz hat.

 

Pax Christi International wurde 1945 in Frankreich gegründet, und diente damals der Versöhnung zwischen Franzosen und Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg. Hieraus entwickelte sich ein weltweites Netzwerk für den Frieden, die Wahrung der Menschenrechte und der Gerechtigkeit sowie für Versöhnung in Konfliktregionen. Heute hat Pax Christi mehr als 100 Mitgliedsorganisationen und ist in mehr als 50 Ländern auf allen Kontinenten vertreten - in Brasilien von der Landpastorale CPT. Pax Christi hat beratenden Status in der UNO, der Unesco und dem Europäischen Rat. Nominiert für den Friedenspreis wurde Dom Luiz Cappio von der Organisation SERPAJ – Serviço Paz e Justiça.

Erneuter Protest gegen die Flussableitung

Die Ableitung des Rio Sao Francisco im Nordosten Brasiliens wird im Interesse der Bevölkerung bekämpft. Ein Bischof dieser Region setzt mit seinem Hungerstreik ein unübersehbares Zeichen. 

Auf dieser Seite werden folgende Informationen angeboten:

  • zur Person des Bischofs
  • Brief des Bischofs an den brasilianischen Präsidenten
  • Rückblende der Protestbewegung
  • die Unterstützung des Bischofs wächst
  • den Protest unterstützen (Unterschriftsaktion)

Weitere Informationen im Bereich Sao Francisco der Homepage des Eine-Welt-Laden Hückelhoven
 http://www.ewl-hueckelhoven.de/rio_sao_francisco.htm
wird bei Neuigkeiten sofort aktualisiert.
Eine größere Protestaktion ist in Vorbereitung!
Solidarische Grüße
Ihr/Euer Heinz Peter Vetten

Den Protest unterstützen!

Weiter steht die Unterschriftenaktion in Solidarität für Dom Luiz Cappio und gegen das Flussableitungsprojekt des São Francisco online unter dem

 http://www.petitiononline.com/Cappio/petition.html

 

Weitere Unterstützung

Der Verein Rettet den Regenwald e.V. unterstützt die Proteste

Er schreibt: "Um die Begradigung des drittgrößten brasilianischen Flusses, des Rio São Francisco, zu verhindern, ist der Bischof von Barra im Bundesstaat Bahia, der Franziskaner Luiz Flávio Cappio, Ende November 2007 in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. Der Rio São Francisco soll verlegt werden, um weitere Wasser-Kraftwerke zu errichten und den exportorientierten industriellen Agrarsektor zu bewässern. Das würde das Ende für viele Fischerdörfer bedeuten und zu großen Umweltschäden führen. Bitte helfen Sie, das Leben von Luiz Flávio Cappio zu retten und die Flussbegradigung zu verhindern, indem Sie beim brasilianischen Präsidenten protestieren. Mehr Infos und einen Musterbrief finden Sie auf unserer homepage unter

 http://www.regenwald.org"

Unser Bistum unterstützt den Protest

" Brasilien: Bischof fastet und betet gegen Ableitung des São Francisco
Hildesheimer Diözesanpriester bittet um Solidarität

Der Hildesheimer Diözesanpriester Christian Muffler lebt in Floresta am São Francisco und bittet erneut um Unterstützung gegen ein gigantisches Wasserprojekt der brasilianischen Regierung an diesem Fluss. Bischof Dom Luiz Flávio Cappio, Diözese Barra (Bahia) hat am 27. November 2007 ein „Fasten und permanentes Gebet“ auf unbestimmte Zeit aufgenommen, als Versuch, dem breiten Protest der brasilianischen Zivilgesellschaft gegenüber der Regierung von Präsident Lula Gehör und Respekt zu verschaffen. Wichtig ist jetzt - so Muffler -, eine internationale Öffentlichkeit zu schaffen, die das Anliegen von Dom Cappio unterstützt. Informationen sowie Briefvorlagen finden Sie unter:  http://www.umavidapelavida.com.br/docs_ale_int.html. [pd]"

(aus dem Infobrief Weltkirche Dezember 2007)

"Störenfried" Bischof Luiz Cappio

Eine sehr gute  Dokumentation zum Protest gegen die Zerstörung des Sao Francisco und Bischof Luiz Cappio haben die Franiskaner herausgegeben.

Wassernot der Menschen bleibt!

Die mit Milliardenaufwand betriebene Umleitung des São Francisco wird den armen Menschen keine Verbesserung ihrer Situation bringen.

Gerade einmal 4% der Wassermengen sind für die Bevölkerng bestimmt, 70% sollen der Agrarindustrie (Zuckerrohr für Ethanolsprit und Soja für den Futtermittelexport) und 26% der Stahlindistrie zufließen.   

In ihrer Not versuchen die Menschen, Wasser aus den schon vorhandenen Kanälen für sich abzuleiten - etwa durch einen Schlauch von einem Aquadukt herab. Hierbei stürzte ein 13-jähriges Mädchen zu Tode.

s. hierzu den  Bericht von MISEREOR

Gewalt gegen Kleinbauern

Heinz-Peter Vetten, Vertrauensmann unserer Partnerorganisation, schreibt:

 

"Meine lieben Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

heute möchte ich Ihnen/Euch die letzten Infos zum Landkonflikt in Casa Nova schicken. Es ist nicht erfreulich, die Angst geht um.

Es gibt noch keine urgent aktion, weil laut Auskunft der CPT die Rechtslage nicht einfach ist und weil für die Anwälte immer noch nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen. Ich hoffe, dass bis zum Ende der Woche etwas vorliegt, ich werde es dann in eine Mail packen.

Auf der Homepage des EWL ist eine Seite zu den Vorgängen in Casa Nova

eingerichtet. Dort stehen immer die letzten Infos bereit.

 www.ewl-hueckelhoven.de/casa_nova_1.htm

Wer seinen Frust wegen des Landkonfliktes loswerden möchte, der kann ja

schon dem Botschafter Brasiliens seine Meinung kundtun.

Solidarische Grüße, Schalom

Ihr/Euer Heinz Peter (Vetten)

 

 

Meldung an die Behörden und die Zivilgesellschaft

Neun Männer, maskiert und schwer bewaffnet mit Pistolen und großkalibrigen Waffen großer Reichweite, drangen in das Lager der Familien der BauernInnenvereinigungen ein und schossen viele Male in Richtung der Menschen, die ihre Rechte und ihren Landbesitz einforderten. Die Pistoleiros machten verbale Drohungen und wurden handgreiflich gegenüber mehreren Personen, vor allem gegen Kinder und Frauen. Einige zogen sich Brandwunden zu, da die Banditen auch brennende Büschel in Richtung der kleinbäuerlichen Familien warfen.

Das schlimmste war, dass sie vier Kinder als Geisel nahmen. Sie nutzten

sie als menschliche Schilde wegen zu erwartender Reaktionen der kleinbäuerlichen Familien. Die Gewalt ging noch weiter: die Pistoleiros

schlugen auf die Leute ein und zerstörten den Fotoapparate einer deutschen Entwicklungsfachkraft, die einer lokalen NGO angehört. Diese

Aggression wurde ausgeübt, weil sie den Moment fotografierte, als ein

Bandit eine Waffe an den Kopf eines Kleinbauern richtete. Schließlich

wurde das Zeltlager der KleinbauernInnen verbrannt und die Bauern von

der Fläche vertrieben.

Diese Ereignisse geschahen am 17. März 2008 gegen 17:30 Uhr auf einer

Gemeinschaftsweidefläche, die Familien aus 4 Dörfern ihren Lebensunterhalt gewährleistet in der Nähe des Sobradinho-Stausees, 60 km von der Stadt Casa Nova entfernt (auf dieser Fläche gibt es verschiedene Äcker, etwa 15 000 Ziegen und Schafe und 3.000 Bienenkästen).

Dieses Land wird seit den 100 Jahren von den Familien genutzt, ging jedoch in den 80er Jahren durch einen illegalen Verkauf in den Besitz des Großunternehmens Camaragibe über. Das Unternehmen ging jedoch nach

wenigen Jahren Konkurs. Die Besitztitel wurden seither als Konkursmasse

von der Bank verwaltet.

Die Familien, die legitimen Bewohner dieses Landes, waren auf die Flächen zurückgekehrt, von der sie gewaltsam am 6.3.2008 vertrieben wurden; sie wurden von den illegalen Aktionen und Übergriffen, Landraub und Sachbeschädigung, unter Anwesenheit von Gerichtsbeamten und der

regionalen Militärpolizei, überrascht.

Am 17.3 erschien die Militärpolizei erst Stunden später, aber nur um "die Ordnung wiederherzustellen". Seltsamerweise wurde von den Polizeibeamten nichts wegen der Gewaltanwendungen der Banditen unternommen, die weiterhin maskiert und bewaffnet waren und sich ruhig und gelassen mit den Polizeibeamten unterhielten und sich als Herren des Gesetzes fühlten. Diese Situation dauerte bis zum nächsten Morgen an, als die Familien den Ort verließen.

Wegen dieser Umstände fordern wir sofortige Vorkehrungen, vor allem die

Entwaffnung und den Rückzug der Maskierten von den Gemeinschaftsweideflächen der über 300 Familien, die seit zwei Wochen

unter Terror und Gewalt leben. Zudem fordern wir verwaltungsrechtliche

Schritte, um endgültig den Aufenthalt der kleinbäuerlichen Familien auf

der Fläche zu garantieren, die seit mehr als 100 Jahren de facto das

Land besitzen.

 

18.03.2008

Unterschrieben von verschiedenen Organisationen, CPT, IRPAA etc.

 

Entscheidende Phase

Entscheidende Phase des Widerstands

Sobradinho – Am 14.12.07, vier Tage nach dem vorläufigen Gerichtsentscheid, der die Baugenehmigung aufhebt, reagierte die Regierung mit dem einstweiligen Einstellen der Bauarbeiten. Die Maschinen an den Baugruben stehen nun still. Diese Nachricht wurde von

Dom Luiz an seinem bereits 18. Fastentag mit viel Freude aufgenommen. Dennoch sieht er keinen Grund zum Aufatmen. Denn noch am späten Freitag nachmittag (13.12.07) war die Regierung in Revision gegangen, um den Gerichtsentscheid aufzuheben. Die Entscheidung liegt nun in der Hand des Obersten Gerichtshofs. Es wird erwartet, dass die  undesrichter

am kommenden 19.12.07 in der letzten Sitzung in diesem Jahr das entscheidende Urteil fällen werden.

Dom Luiz, körperlich bereits sichtlich geschwächt und ungebeugt in seiner Entschlossenheit, bekräftigt weiterhin sein Fasten und Beten so lange fortzusetzen bis das Militär tatsächlich von den Baustellen abgezogen ist und das Projekt definitiv archiviert wird. Die Sitzung des Obersten Gerichtshofs wird von allen Seiten mit großer Spannung erwartet.

Die gespannte Situation führt auch zu Reaktionen in der Bevölkerung. Im ganzen Land finden Solidaritäts –und Protestaktionen statt. So wurde in zwei Städten im Bundesstaat Bahia, in Guanambi und Irecê, Büros der staatlichen Regionalentwicklungsbehörde CODEVASF (Companhia de Desenvolvimento do Vale do São Francisco) besetzt, die an der Abwicklung der Kanalbauten beteiligt ist. Die zweitägigen Besetzungsaktionen, an denen sich insgesamt mehr als 300 Aktivisten von sozialen Bewegungen und NGOs, sowie Pastoralmitarbeiter und Studenten beteiligt hatten, wurden am Freitag Abend (14.12.07) friedlich beendet. Von den Demonstranten beteiligten sich auch 50 an einem solidarischem Fasten. In Belo Horizonte, Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais, besetzten am gestrigen Samstag (15.12.2007) rund 300 Aktivisten die Güterbahnstrecke Ferrovia Centro Atlântica (FCA), des Stahlgiganten Companhia Vale do Rio Doce (CVRD), die mit ihren Industriekomplexen in Minas Gerais erheblich zur Abwasserbelastung des Rio São Francisco beiträgt.

Für die nächste Woche sind im ganzen Land friedliche Demonstrationen geplant. Die katholische Bischofskonferenz und der Rat der christlichen Kirchen haben für den 17.12.2007 im ganzen Land zu öffentlichen Solidartätskundgebungen aufgerufen. Es werden in den wichtigsten Großstädten Brasiliens Mahnwachen stattfinden, bei denen die Menschen fasten werden, um ihre Solidarität mit der Widerstandsbewegung gegen das Mammut-Projekt der Flussumleitung auszudrücken. Und es geht dabei nicht nur spezifisch um den Rio São Francisco sondern insgesamt um die Vorgehensweise der Regierung im Bezug auf zahlreiche andere aktuelle Großprojekte mit erheblichen sozialen und ökologischen Folgen im ganzen Land.

Am Freitag Vormittag (14.12.07) überbrachte Dom Itamar Viana, Weihbischof von Feira de Santana (Bahia), im Auftrag des apostolischen Nuntius, dem Vertreter des Heiligen Stuhles in Brasilien, Lorenzo Baldisseri, Dom Luiz einen Brief, in dem der Vatikan seine Solidarität und Besorgnis wegen seinem verlängerten Fasten zum Ausdruck bringt.

Für die entscheidende Sitzung des Obersten Bundesgerichtes ist es wichtig, die Richter darauf aufmerksam zu machen, dass die internationale Öffentlichkeit über die Unrechtmäßigkeiten des Projektes der Flussumleitung informiert ist und es in der ganzen Welt kritische Stimmen gibt. Deshalb nochmals der Aufruf den portugisieschen Protestbrief im Anhang an die Adressenliste (Präsidenten, Minister des Obersten Gerichtshofes und Botschaft) im Anhang per e-mail und FAX zu schicken.

Vergeßt bitte nicht eine Kopie an apoio.dom.cappio@gmail.com

Die nächsten Tage werden entscheidend sein!

 

Zur Person des Bischofs

Bischof Luiz Cappio
Bischof Luiz Cappio

Bischof Luiz Flavio Cappio gehört einem Franziskaner-Orden an und ist Bischof in der Diözese Barra, in einer sehr armen Gegend am Mittellauf des Rio São Francisco in Nordost-Brasilien.
Luiz Flavio Cappio, ist am 04. Oktober 1946, in Guratinguetá(São Paulo), am Tag des Heiligen Franziskus, geboren. Vonseinen 61 Jahren hat er mindestens 40 am Ufer des Rio São Francisco verbracht.
Noch in jungen Jahren nach Abschluss seines Theologie- und Wirtschafts-Studiums verließ er seine wohlhabende Familie und wurde Franziskaner-Pater. Bis 1974 wirkte er in der Arbeiter-Pastorale in São Paulo, bis er in die arme semiaride Region des Bundesstaates Bahia aufbrach. Damals reiste er lediglich mit der Kleidung, die er am Leib trug, in die Armenregion des Nordostens ab. Im Jahr 1997 wurde er in Barra (Bahia) zum Bischof ernannt.

Er wurde über die Grenzen Brasiliens bekannt, als er am 4. Oktober 1992 zusammen mit drei weiteren Aktivisten, dem Soziologen Adriano Martins, Schwester Conceição und dem Bauern Orlando de Araújo, über ein ganzes Jahr hinweg eine Wallfahrt von der Quelle bis zur Mündung des 2.800 km langen Rio São Francisco machte. Mit diesem symbolischen Akt wiesen die Wallfahrer die Öffentlichkeit auf die gravierenden Probleme des Flusstals und seiner Bevölkerung hin. In einem Gottesdienst an der Quelle zu Beginn der Pilgerreise zog Bischof Cappio folgendes Resümee: „Die verzweifelte Lage im São Francisco Tal ist Teil einer globalen Krise. Sie macht uns bewusst, dass der blinde Fortschrittsglaube zur Unterentwicklung vieler Völker geführt hat und das Leben der ganzen Erde bedroht. Es liegt an uns, weiter dem Weg des Todes zu folgen oder uns für das Leben einzusetzen.“

Die Situation des Flusses verschlimmerte sich jedoch weiter. Die Regierung Lula treibt seit 2005 ein Projekt zur Umleitung von Teilen des Flusswassers voran. Angesichts dessen sah Dom Luiz in der Tradition des gewaltfreien Protestes von Mahatma Gandhi in einem Hungerstreik die letzte Chance des Widerstandes. Am 26. September 2005 begann er sein Fasten und Beten in Cabrobó, dem Ort, an dem die Wasserentnahme für den Nordkanal gebaut werden soll.

Tausende Menschen kamen nach Cabrobó um sich solidarisch zu zeigen, aus der ganzen Welt schickten die Menschen Briefe, um den Widerstand zu unterstützen. Nach elf Tagen beendete er sein Fasten aufgrund des Versprechens des Präsidenten Luis Ignacio Lula da Silva, dass ein umfassender Dialogprozess mit der Bevölkerung über das Projekt der Umleitung durchgeführt wird und die Revitalisierung des Flusses Priorität hat. Dieses Abkommen wurde vom Präsidenten nicht eingehalten. Stattdessen wurde das brasilianische Militär Ende Mai beauftragt mit den Bauarbeiten zu beginnen, was eine Reihe von Protesten und rechtlichen Einsprüchen gegen das Projekt auslöste.

Seit dem erste Hungerstreik vergingen zwei Jahre ergeblicher Versuche von Organisationen der Zivilgesellschaft, einen demokratischen, transparenten und partizipativen Dialog über das Projekt zu erreichen. Nun entschloss sich Bischof Cappio erneut zu dem radikalen Schritt seinen Hungerstreik als Zeichen des friedlichen Widerstands gegen die Zerstörung des Rio São Francisco fortzusetzen. Er hat am Morgen des 27. November 2007 in der São Franziskus Kapelle in der Gemeinde Sobradinho (Bahia), am Ufer des Sobradinho Stausees sein Fasten wieder aufgenommen. An diesem Ort zeigt sich der gravierende Zustand des Rio São Francisco und seine fehlende Wasserkapazität besonders deutlich

. Der riesige Stausee ist derzeit auf lediglich 14% seiner Kapazität reduziert.

Welttag des Fastens - Wasser für den Frieden

Welttag des Fastens für Frieden und Ernährungssouveränität

 

Wasser für den Frieden”

 

Aufruf zu solidarischem Fasten erstmals am 18. Oktober 2008

 

Wir rufen dazu auf, sich dem Welttag des Fastens für Frieden und Ernährungssouveränität anzuschließen und damit für die Verteidigung des Zugangs zu Wasser und gesunden Lebensmitteln als Menschenrecht, sowie für die kleinbäuerliche Landwirtschaft einzutreten.

 

Ende 2007 protestierte der Franziskaner-Bischof Dom Luiz Cappio mit 24 Tagen des Fastens und Betens gegen das Projekt der Ableitung von Wassers des Rio São Francisco. Er setzte sich damit für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen der semiariden Region und für eine echte Revitalisierung des Rio São Francisco ein.

Pax Christi International verleiht Dom Cappio und allen, die mit ihm kämpfen, den Friedenspreis Pax Christi International Peace Award 2008. Die Preisverleihung wird im Rahmen der fünften Wasser-Wallfahrt (Romaria das Águas) in Sobradinho, Bahia am 18. Oktober 2008 stattfinden. Zu diesem Anlass mit dem Thema “Wasser für den Frieden” werden zahlreiche Organisationen und tausende von Menschen erwartet.

Während der Welternährungswoche werden die sozialen Bewegungen der Rio São Francisco Region und des Nordostens, die Via Campesina Brasilien und Pax Christi International, am 18. Oktober einen Welttag des Fastens für Frieden und Ernährungssouveränität durchführen. Dieser Aktionstag ist eingebunden in die Kampagne der Via Campesina gegen genetisch veränderte Pflanzen und führt die Bewegung des solidarischen Fastens fort, die aus Solidarität mit Dom Cappio entstanden ist. Hunderte von Menschen auf der ganzen Welt fasteten während des Hungerstreiks des Bischofs für einen oder mehrere Tage und demonstrierten dadurch ihr Eintreten für eine Welt mit mehr Gerechtigkeit. Diese Bewegung verbindet politische Ziele und Spiritualität. Sie steht damit in der Tradition der Gewaltfreiheit von Gandhi, Luther King und vielen anderen, welche auf Jesus Christus selbst zurückgeht.

 

Mit dieser Geste wollen wir auf die schwerwiegenden wachsenden Konflikte um Wasser, von dem ein Drittel der Weltbevölkerung betroffen ist, und auf die zunehmende Kontrolle einiger transnationaler Konzerne über Land, Produktion und Zugang zu Nahrungsmitteln aufmerksam machen.

Überfluss und Verschwendung der Reichen gehen einher mit zunehmender Gefährdung der Bevölkerung durch Pflanzenschutzmittel und gentechnische veränderte Lebensmittel. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Hungernden zu, die keinen Zugang zu Lebensmitteln in ausreichender Menge, Qualität und Regelmäßigkeit haben.

 

Der Welttag für Frieden und Ernährungssouveränität bestärkt die dringende Notwendigkeit der Agrarreform, damit mehr Familien Nahrungsmittel produzieren können. Sie muss verbunden sein mit einer landwirtschaftlichen Reform, die die Produktion und den Konsum von gesunden und ökologischen Lebensmitteln ermöglicht. Jedes Volk und jede Region haben das Recht, ihre eigenen Lebensmittel zu produzieren und zu konsumieren, ohne Marktzwängen unterworfen zu sein, die von globalen Korporationen, wie Syngenta, Monsato, Bunge, ADM, Cargill, Dupont, Bayer und BASF, ausgehen. Diese Konzerne streben die zunehmende Kontrolle über die Wasserquellen, die landwirtschaftlichen Nutzflächen, die Bio- und Agrodiversität, die Biotechnologie und den Lebensmittel-Welthandel an. Ihr Hauptinstrument ist die Förderung genetisch veränderten Saatguts, wobei die Regierungen nachgeben und damit das Vorsichtsprinzip missachten.

 

Diese Geste bestärkt die Notwendigkeit, den Zugang zu Wasser als Menschenrecht und universelles Recht der Schöpfung anzuerkennen. Sie stellt sich ausdrücklich gegen das Projekt der Ableitung von Wasser des sterbenden Rio São Francisco, die zu 70% der Produktion von Früchten für den Export, Agrotreibstoffen, Shrimps und Stahl zu Gute kommt.

 

 

Die Infrastruktur-Großprojekte des Programms zur Beschleunigung des Wachstums müssen kritisch überdacht werden zu Gunsten eines anderen Entwicklungsmodells, welches die Bedürfnisse der ganzen Bevölkerung, vor allem der Armen, berücksichtigt und die Herausforderungen der ökologischen Krise miteinbezieht. In diesem Sinne arbeiten bereits hunderte von Basisorganisationen der semiariden Region mit Methoden der Wasserspeicherung und –nutzung. Auch die dezentralen Wasserzuleitungen, die der Atlas Nordeste der ANA (Agência Nacional de Águas) vorschlägt, gehen in die gleiche Richtung. Diese Maßnahmen sind viel kostengünstiger und umfassender in ihrer sozialen und räumlichen Reichweite als die Scheinlösung der Ableitung von Flusswasser des Rio São Francisco. Das damit angestrebte Lebens- und Produktionsmodell kommt von der Basis und geht von den wirklichen Bedürfnissen der Menschen in ihrer Region und von ihren selbstständigen Organisationen aus.

 

Unterzeichner des Manifests “Wasser für den Frieden”, die am Welttag des Fastens für Frieden und Ernährungssouveränität teilnehmen, sind bisher (Stand 13.10.2008): Pax Christi International, Misereor (Deutschland), Via Campesina Brasil (MST, MPA, MAB, MMC, FEAB, CPT, PJR), CPP, PACS, CESE, CARITAS, Fórum Permanente em Defesa do Rio São Francisco, SERPAJ-Brasil e América Latina, Internationale freie Wasser-Akademie.

Brief an den brasilianischen Präsidenten

Herr Präsident,

Pax et Bonum!

Am 6.10.2005 haben wir gemeinsam in Cabrobó (Pernambuco) die Vereinbarung getroffen, das Projekt der Umleitung des Rio São Francisco auszusetzen und einen

Es gibt bereits konkrete Gegenvorschläge, wie die Wasserversorgung für die ganze Bevölkerung der semiariden Region garantiert werden kann: die im Atlas des Nordostens vorgesehenen Projekte - vorgestellt von der Nationalen Wasserbehörde (ANA), sowie die vom Netzwerk der Nichtregierungsorganisationen der semi-ariden Region (ASA) entwickelten Maßnahmen.

Am 22. Februar 2007 habe ich im Regierungspalast ein Dokument eingereicht, das die Wiederaufnahme und Weiterführung des Dialogprozesses fordert, der wahrhaftig, transparent und partizipativ sein soll.

umfassenden Dialogprozess zwischen der Regierung und der brasilianischen Zivilgesellschaft zu beginnen, um Alternativen für die nachhaltige Entwicklung der ganzen semi-ariden Region zu suchen. Angesichts dessen habe ich das Fasten abgebrochen und an das Abkommen und die Verhandlung geglaubt. Zwei Jahre sind vergangen, der Dialogprozess wurde lediglich begonnen und sogleich unterbrochen.Ihre Antwort war der Beginn der Bauarbeiten der Umleitung durch das brasilianische Militär.

Herr Präsident, Sie haben ihr Wort nicht gehalten. Sie haben unser Abkommen nicht eingehalten. Sie haben mich und die ganze brasilianische Gesellschaft betrogen. Eine Nation kann man nur mit aufrichtigen Menschen schaffen, angefangen bei seinen Regierenden.

Würde und Ehrbarkeit sind notwendige Voraussetzungen für die Bürgerrechte.

Daher nehme ich mein Fasten und Beten wieder auf. Und ich werde es erst beenden mit dem Rückzug des Militärs von der Baustelle der Flussumleitung am Nord- und am Ostkanal und mit der endgültigen Archivierung des Projektes der Umleitung des Rio São Francisco. Es besteht keine andere Alternative.

Ich nehme an, dass die Kräfte, die Interessen in dem Projekt haben, alle Mittel nutzen werden, um unseren Widerstand zu entmutigen und die öffentliche Meinung zu verwirren. Doch als Jesus sich entschlossen hat, sein Leben zu opfern, hatte er keine Angst vor dem Kreuz. Ich nehme es auf  mich, gekreuzigt zu werden, denn das ist der Preis, der zu zahlen ist.

Das Leben des Flusses und seines Volkes oder der Tod eines brasilianischen Bürgers.

„Wenn es keine Vernunft mehr gibt, ist der Wahnsinn der Weg.“

Der Gott des Lebens sei die Garantie des vollkommenen Lebens.

„Brasilien ist ein Land von Größe. Wird es auch Regierende von gleicher Größe haben?“ (Bourdoukan Georges in „Capitão Mouro”).

Dom Frei Luiz Flávio Cappio, OFM

Bischof des Bistums Barra

Rückblende der Protestbewegung

Rückblende auf die Protestbewegung gegen die Flussumleitung des Rio São Francisco,  Nordostbrasilien

Seit das Projekt der Flussumleitung von der brasilianischen Regierung angedacht wird, gibt es großen Widerstand von breiten Teilen der brasilianischen Gesellschaft. Noch im Jahr 2001 stellte auch die Arbeiterpartei (PT) und der damalige Präsidentschaftskandidat Lula die Umsetzbarkeit und Effizienz dieses Projektes in Frage und sprachen sich dagegen aus. Jedoch kurz nach dem Wahlsieg im Jahr 2002 stellte der neugewählte Präsident Lula das Projekt der Flussumleitung als eine seiner Prioritäten vor. Laut der Projektpropaganda soll das Projekt die Wasserversorgung für 12 Millionen Einwohner des Nordostens garantieren.

Eine breites Netzwerk von sozialen Bewegungen mobilisiert sich gegen das Projekt aufgrund seiner Unrechtmäßigkeiten und der undemokratischen Vorgehensweise der Regierung. Beispielsweise wurden die gesetzlich vorgeschriebenen öffentlichen Anhörungsverfahren mit der Bevölkerung nicht durchgeführt.

Entgegen der Erwartungen der Umweltverbände und Fachleuten vergab die Bundesumweltbehörde (IBAMA) im März diesen Jahres die Baugenehmigung.

Ende September 2005 beginnt Dom Luiz Cappio seinen Hungerstreik und macht die öffentliche Meinung auf die Manipulation durch die Projektpropaganda aufmerksam. Denn in Wirklichkeit zielt es nicht auf die Wasserversorgung der lokalen Bevölkerung ab sondern auf wirtschaftliche Nutzung des Wassers für Bewässerung, Garnelenzucht und industrielle Nutzung.

Nach elf Tagen Hungerstreik wurde eine Verhandlungslösung erreicht. In dem getroffenen Abkommen wurde mit dem Präsidenten Lula vereinbart, das Projekt zu suspendieren und einen breiten Dialogprozess beginnen. Ziel war es, über die effizienteste Art der Wasserversorgung für die Bewohner der semiariden Region und über die nachhaltige Entwicklung der Region sowie die Revitalisierung des Rio São Francisco öffentlich zu diskutieren.

Monate später fand ein einziges Treffen zwischen Vertretern der Regierung und der Zivilgesellschaft statt. Aufgrund der beginnenden Wahlkampfkampagne zu den räsidentenwahlen wurde der Dialogprozess ausgesetzt und auf die Zeit nach den Wahlen vertagt. Nach der Wiederwahl des Präsidenten Lula ignoriert dieser das getroffenen Abkommen und entsendet das brasilianische Militär, um mit den Bauarbeiten zu beginnen.

Im folgenden eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse:

2004

Lula nimmt das Projekt der Flussumleitung als Priorität in das Regierungsprogramm auf.

2005

26/09 bis 06/10/05 – Dom Luiz Cappio, beginnt sein Fasten gegen das Flussumleitungsprojekt, in Cabrobó (Pernambuco). Aufgrund öffentlichen Drucks entsendet der Präsident Lula den damaligen Minister Jaques Wagner als Verhandlungsführer. Der „Hungerstreik“ endet mit einem beiderseitig unterzeichneten Übereinkommen, in dem die Bildung einer Verhandlungskommission und der Beginn eines Dialogprozesses festgelegt wird.

November – Die Bundesstaatsanwaltschaft, die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats Bahia und das NGO-Netzwerk „Permanentes Forum zur Verteidigung des São Francisco in Bahia“, reichen eine neue Klage gegen das Projekt beim Obersten Gerichtshof (STF) ein, und fordern die Einstellung des Genehmigungsverfahren.

15/12/05 – Erste Audienz des Präsidenten Lula mit der Verhandlungskommission und Dom Luiz Cappio.

2006

23/02/06 – Ein amtliches Dokument an Lula wird protokolliert, in dem er aufgefordert wird den Terminkalender für die öffentlichen Debatten über das Flussumleitungsprojekt festzulegen, selbiges versprach die Regierung seit Oktober 2005. Unterschrieben werden die Dokumente von Dom Tomaz Balduino, für die Landpastorale, Dom Luiz Cappio, die Staatsanwaltschaft und das Komitee des Wassereinzugsgebietes des Sao Francisco.

06 e 07/07/06 – Workshop über nachhaltige Entwicklung im semi-ariden Gebiet, zwischen Vertretern der organisierten Zivilbevölkerung und Vertretern der Bundesregierung, es entstehen drei thematische Arbeitsgruppen um die Debatte über die Revitalisierung zu vertiefen.

04 a 07/10/06 – Mobilisierungs- und Bildungscamp in Cabrobó (Pernambuco) zur Entwicklung gemeinsamer Strategien des Widerstandes mit Teilnahme der sozialen Bewegungen, Fischern, indigenen Gruppen und traditioneller Bevölkerung.

10/11/06 – Oberster Rechnungshof veröffentlicht Verfahrensprüfung des Flussumleitungsprojektes und stellt Empfehlungen an das zuständige Ministerium aus.

Dezember – Veröffentlichung des Atlas des Nordostens, der Nationalen Wasserbehörde (ANA), der alternative Vorschläge für die Wasserversorgung in den Kleinstädten der neun Bundesstaaten des Nordosten, sowie dem Norden von Minas Gerais beinhaltet.

19/12/06 – Der Oberste Bundesrichter Sepúlveda Pertence (STF) erklärt die 11 Einspruchsverfahren, die den Beginn der Arbeiten der Flussumleitung verhinderten, für unrechtmäßig.

2007

22/01/07/07 – Veröffentlichung des Programms zur Beschleunigung des Wachstums (PAC). Darin sind öffentliche Mittel im Umfang von R$ 6,6 Milliarden (2,5 Mrd. Euro) für den Zeitraum von 2007 bis 2010 für das Flussumleitungsprojekt bestimmt.

05/02/07 - NGO-Netzwerk „Permanentes Forum zur Verteidigung des São Francisco in Bahia“ reicht erneut eine Klage beim Obersten Bundesgerichtshof gegen die Entscheidung des Bundesrichters Pertence, der die laufenden Klagen aufgehoben hatte.

12/02/07 - Der oberste Bundesstaatsanwalt, Fernando Antonio de Souza, reicht eine Klage beim Obersten Bundesgerichtshof ein und fordert, das Genehmigungsverfahren für die Bauarbeiten der Flussumleitung zu suspendieren.

21/02/07 - Dom Luiz Cappio reicht einen Brief an Lula ein, in dem er die Wiederaufnahme des Dialogs fordert.

März - Die brasilianische Bundesumweltbehörde (IBAMA) vergibt die Baugenehmigung für den Beginn der Bauarbeiten.

12 bis 16/03/07 - Protest-Camp in Brasília "Für das Leben des Flusses São Francisco und des Nordostens, gegen die Flussumleitung", mit mehr als 600 Teilnehmern aus dem Flusstal und anderen Bundesstaaten, wie Ceará und São Paulo.

16/03/07 - Geddel Vieira Lima wird zum Amtsnachfolger von Pedro Brito als Minister des Ministeriums für Nationale Integration ernannt.

16/04/07 - Die brasilianische Rechtsanwaltskammer von Sergipe (OAB/SE) erhebt Klage gegen das Umleitungsprojekt.

Das Dokument mit 150 Gutachten beinhaltet eine Studie der Weltbank, sowie Berichte über die hydrologischen Bedingungen in den Empfängerbundesstaaten, wo die Probleme der Wasserknappheit auf die schlechte Verteilung des Wasser zurückführen sind.

Mai - Das Militär beginnt mit den Bauarbeiten bei den Wasserentnahmestellen am Nord- sowie am Ostkanal des Projektes.

04/06/07 - Brief von Vertretern der Zivilgesellschaft fordert die Einhaltung des 2005 von der Regierung beschlossenen Abkommens. Es unterzeichnen den Brief: Dom Luiz Cappio, Adriano Martins, Yvonilde Medeiros, Jonas Dantas (Permanentes Forum zur Verteidigung des São Francisco), Luciana Khoury (Staatsanwaltschaft Bahia), ASA (Netzwerk der Nichtregierungsorganisationen des semi-ariden Region), Frente Cearense für eine Neue Wasserkultur; Forum Sergipano, Via Campesina Brasil, Landlosenbewegung MST, quilombolas, Fischer und indigene Völker des Flusstals, sowie die Staatsanwaltschaft von Sergipe und die Professoren João Suassuna e João Abner.

26/06 bis 04/07/07 - Mehr als 1500 Aktivisten besetzen die Baustelle des Nordkanals des Projektes der Transposição in Cabrobó (Pernambuco). An den folgenden Tagen führen die indigenen Gruppen der Truká e Tumbalalá Landnahmen ihrer angestammten Territorien in der gleichen Region durch.

Juli - Der oberste Bundesstaatsanwalt reicht eine Petition ein, in der er die unmittelbare Suspension der Bauarbeiten der Flussumleitung fordert.

19/08 bis 01/09/07 Fachleuten und Vertretern der Zivilgesellschaft unternehmen eine Kampagnen-Reise durch 11 brasilianische Großstädte. In öffentlichen Veranstaltungen wurden die zentralen Argumente gegen die Flussumleitung und Gegenvorschläge für die ländliche Entwicklung in der semiariden Region vorgestellt und diskutiert.

10 bis 14/09/07 - Basisarbeits-Kampagne in den Dörfern und Städten entlang des geplanten Ostkanals mit Beteiligung von Vertretern verschiedener sozialer Bewegungen.

03 bis 10/11/07 - Basisarbeits-Kampagne in den Dörfern und Städten entlang des geplanten Nordkanals mit Beteiligung von Vertretern verschiedener sozialer Bewegungen.

27/11/07 - Dom Luiz Cappio nimmt den Hungerstreik wieder auf und bekundet, diesen erst abzubrechen, sobald das Militär aus der Region abgezogen wird und das Projekt der Flussumleitung endgültig zu den Akten gelegt wird.

Die Unterstützung des Bischofs im Hungerstreik wächst

Die Unterstützung des Bischofs Dom Luiz Cappio, der in Sobradinho, Bahia, für den Rio São Francisco fastet nimmt zu. Am heutigen Nachmittag (28.11.07) hat ihn der Bischof der Diözese Juazeiro, Dom José Geraldo besucht und sich solidarisch gezeigt. Weitere vier Geistliche befinden sich in der Franziskus-Kapelle und fasten ebenfalls, in Solidarität mit dem Bischof. Die Kapelle liegt 3 km vom Ufer des aufgestauten Flusses.
Dom Luiz Cappio bewahrt trotz der dramatischen Lage, seinen Humor. Er beschreibt die fehlenden Maßnahmen der Regierung gegen die zunehmende Degradierung des Flusses mit folgenden Worten: „Der Fluss São Francisco müsste eigentlich in der Intensivstation liegen, aber er ist auf das öffentliche Gesundheitssystem angewiesen und wartet deshalb in der Schlange, ohne zu wissen ob er jemals an die Reihe kommt.“
Präsident Lula verkündete gestern Abend in einem Fernsehinterview: „der Bischof bringt mich in eine schwierige Lage, weil ich zwischen ihm, der einen vorsätzlichen Hungerstreik macht, und 12 Millionen Einwohnern des Nordostens wählen muss, die Wasser zum Überleben brauchen. Es besteht kein Zweifel, dass ich mich für die Armen dieses Landes entscheiden werde“.
Der Integrationsminister Geddel Vieira Lima verlautbarte: „die Gesellschaft wird verstehen, dass die Kirche das Recht hat Seelen zu hüten, sich zu manifestieren, Beiträge zu leisten und Kritik zu üben, aber keine Legitimierung hat zu regieren. Der Bischof will regieren, bestimmen was zu tun ist und was nicht. Das kann man nicht akzeptieren. Sonst würde man einen Präzedenzfall schaffen, den wir nicht akzeptieren können.“
Über die Äußerungen des Präsidenten Lula und des Integrationsministers sagt Dom Luiz Cappio: „dass sie offener und ehrlicher sein sollten, sie haben nicht den Mut die Wahrheit zu sagen. Die bessere Alternative für die Bevölkerung sind die 530 vorgeschlagene Bauvorhaben der Nationalen Wasserbehörde (ANA) im Atlas des Nordostens. Diese Maßnahmen wären aussreichend, um 1300 Gemeinden des Nordostens mit Trinkwasser zu versorgen, und zwar mit der Hälfte der Kosten der Flussumleitung. Für die ländlichen Regionen gibt es Alternativen durch Regenwassernutzung in Kombination mit angepassten Nutzungsformen, entwickelt vom Netzwerk der Nichtregierungsorganisationen der semi-ariden Region (ASA)“.
“Ich will nicht sterben” Das war eine der Äußerungen des Bischofs in der Messe, die er gestern Abend in der Kapelle für mehr als 300 Gläubige gefeiert hat. Er sagte, dass er das Fasten aus „viel Liebe zum Leben“ durchführt, aus „viel Liebe zum Fluss und zur Bevölkerung der São-Francisco-Region und zum Nordosten.“ Die Messfeier dauerte circa eine Stunde und wird sich während des Hungerstreiks täglich wiederholen.
Schüler und Schülerinnen haben in einem Akt der Anerkennung an Dom Luiz ein Plakat mit einer Solidaritätserklärung übergeben. In der Erklärung unterstützen sie sein Handeln "das Leben zu geben im Namen des Flusse São Francisco, der uns Allen gehört". Im Anschluss hat Dom Luiz unzählige Personen persönlich begrüßt. Heute morgen, um 06:30hs, hat er gemeinsam mit Anwohnern den Rosenkranz gebetet.