
Brasiliens süße Ethanolträume
Hionweis auf die hervorragend gestaltete Seite
http://www.regenwald.org/regenwaldreport.php?artid=289
in der ausführlich über die bedrückenden Maßnahmen gegen die Menschen im Sertao berichtet wird. Dort ist auch eine Möglichkeit zum Protest.
Deutschland fördert die Zerstörung der Natur

- Flächenkonkurrenz
Sind wir schuld an der Zerstörung der Caatinga, an der Vertreibung und Verelendung der Armen durch das Mammutprojekt der Ableitung des Rio Sâo Francisco? Ja - durch unser Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG).
Hierzu die ausgezeichneten Informationen des Vereins "
Rettet den Regenwald". Zitat: „Bioenergie“ sollte das Klima retten. Doch in Brasilien vertreiben Zuckerrohrplantagen die Kleinbauern und fressen sich bis in den Regenwald vor."
Das gleiche gilt für die semiaride Region, wo nun mit ungeheurem Aufwand das Wasser des Rio Sâo Francisco in die Landschaft gepumpt werden soll, um dort Zuckerrohr für die Ethanol-Produktion anzubauen.
Brasiliens Ziel ist, im Jahr 2025 10% der globalen Benzinnachfrage zu decken.
Dies wäre mit einer Verfünffachung der Zuckerrohrflächen von heute 6 Mio. ha auf 30 Mio. ha verbunden. Entsprechende Absichtserklärungen mit der EU und den USA wurden bereits getroffen. Für die Mehrheit der Bevölkerung, für Kleinbauernfamilien, Indigene und Arme, zeichnet sich jedoch keine Perspektive ab, am Ethanolgoldrausch zu profitieren. Vielmehr wälzen die Industrienationen für volle Tanks die Schattenseiten des Booms auf andere Länder ab.
Für Brasilien bedeutet dies:
Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion
Eine verstärkte Flächenkonkurrenz des Zuckerrohrs mit der Produktion von Grundnahrungsmitteln hat steigende Lebensmittelpreise zur Folge, ein Desaster für die Armen. Brasiliens Landwirtschaftsministerium belegt bereits rückläufige Produktionsflächen für Grundnahrungsmittel, während die Flächen für Monokulturen wie Zuckerrohr und Soja beständig expandieren.
Menschenrechtsverletzungen und Ausbeutung: Die Wettbewerbsfähigkeit der brasilianischen Ethanolwirtschaft beruht (neben Gunstfaktoren wie dem Klima) auch auf Sozialdumping, Sklaven- und Kinderarbeit.
Vordringen auf ökologisch sensible Gebiete:
In seinem nationalen Aktionsplan für Agroenergie 2006-2011 weist das brasilianische Agrarministerium ausgedehnte Flächen aus, die sich potentiell zur Energiegewinnung eignen würden. Die ausgewiesenen Flächen schließen auch ökologisch höchst sensible, artenreiche Ökosysteme wie die Caatinga u.a. ein. Eine Expansion von Zuckerrohr oder anderer Energiepflanzen in diese Regionen würde die unwiederbringliche Zerstörung ökologisch intakter Lebensräume bedeuten.
Ökologische Auswirkungen: Der Ethanolboom verfestigt ein nicht nachhaltiges Agrarmodell, das auf monokulturellem Anbau basiert (exportorientierte Agroindustrie), mit folgenschweren Konsequenzen wie Verschmutzung von Gewässern und Grundwasser durch Rückstände von Pflanzengiften und Dünger, Vergiftungen und Todesfälle bei der Bevölkerung, Bodenauslaugung und Verlust der Biodiversität. Zugleich verschärfen die Zuckerrohrplantagen durch ihren extremen Wasserbedarf die Wasserknappheit.
Bei der Verteidigung ihrer Privilegien schrecken die Großgrundbesitzer auch vor brutaler Gewalt nicht zurück. In den letzten Jahren sind nach offiziellen Statistiken jährlich zwischen 200 und 300 Menschen bei Landkonflikten ums Leben gekommen. Hinter den Übergriffen steht meistens eine Allianz von Großgrundbesitzern, lokalen Politikern und Militärpolizei, gegen die kein Richter vorzugehen wagt, wenn er nicht sein Leben riskieren will. Zielscheibe sind neben Bauernführern und Gewerkschaftern auch kirchliche Mitarbeiter, Priester und manchmal sogar Bischöfe.
Harald Schistek, der das Konzept der Konviventia - Leben mit dem Klima - entwickelt hat, schreibt aktuell (15.02.08):
"Ja, das ist einmal das Erste, das gesamte Gebiet des Ableitungsprojektes wird enteignet und entwaldet. Dort wird dann, wie wir es schon von den Bewässerungs-projekten kennen, Erosion und Versalzung herrschen. Dazu kommt, dass das Projekt eine Abkehr von unserem Konzept der Konviventia bedeutet. Da werden auf viele Jahre Milliarden Euros für ein wirtschaftlich nicht tragbares Projekt vergeudet, in den der kleine Mann nur als Tagelöhner Platz findet."
Als Tagelöhner - das bedeutet praktisch Sklavenarbeit; mehr noch: die "Arbeitslebenserwartung" dieser Menschen ist mit 12 Jahren geringer als die der früheren Sklaven während der Kolonialzeit.
Siehe hierzu auch den Fachaufsatz "Ende der Agrarreform"
sowie die Seite "Agrosprit-Gefahr"



