Glaube > Lectio Divina - Meditativ die Bibel lesen
18.5.2012

Lectio Divina - Meditativ die Bibel lesen



 

Lectio Divina: Dem Wort auf der Spur

Immer mehr Christen entdecken die "Lectio Divina", das meditierende und betende Lesen der Bibel. Wörtlich kann "Lectio Divina" mit  "göttliche Lesung" übersetzt werden. Diese sehr alte Leseform sucht die Begegnung mit Gott durch das wiederholende Lesen der biblischen Texte nach einer bestimmten Abfolge:

 

Diese vier Stufen sollten jedoch nicht starr verstanden werden, denn im geistlichen Leben, wo sich der Mensch vom Geist Gottes leiten lässt, sind die Übergänge fließend. Diese vier Stufen gleichen einer Treppe, auf der der Beter auf- und absteigt, hin und her geht, so wie der Geist es dem Suchenden eingibt.

Fastenzeit 2011: Erfahrungen mit der Lectio Divina

Den Glauben lebendiger gestalten

 

Die Fastenzeit, als eine Zeit der inneren Einkehr, ermöglichte es uns, sich in dieser Zeit auf einen besonderen geistlichen Weg zu begeben. Das biblische Leseprojekt, das die „Lectio Divina“ als Methode anbot, gewährte Interessierten aus der Pfarrei eine gemeinschaftliche Erforschung und Auseinandersetzung biblischer Inhalte. Wir beschäftigten uns intensiv mit alttestamentlichen Lesungen und sprachen tiefgründig über deren Inhalte. Es war ein besonderer und erkenntnisreicher Austausch. Für das Verständnis biblischer Inhalte ist es elementar, dass wir unsere eigene Denkfähigkeit erweitern, da wir nur anhand dieser Tätigkeit zu einer tieferen Erkenntnis gelangen können. Blaise Pascal sagte einst, dass das Denken die Größe des Menschen ausmacht, womit er durchaus Recht hatte.

 

In unserem Austausch ging es nicht darum einen Konsens zu erzielen, sondern primär darum, ein tieferes Verständnis zu entwickeln, um den Glauben und somit die Liebe Gottes, lebendiger werden zu lassen. Haben wir jedoch Inhalte völlig falsch gedeutet oder tendierten wir in eine falsche Richtung, so hat uns Herr Kaplan Huber wieder zurückgeholt und uns, auf eine ausgesprochen freundliche Art und Weise, darauf aufmerksam gemacht. Trotz unterschiedlicher Auffassungen und Deutungen war ein sehr freundlicher Umgang zwischen den Mitgliedern der Gemeinde beobachtbar. Wir waren stets freundlich zueinander, im Sinne der Ehrfurcht, die uns durch Gottes Kraft leitet und der Erkenntnis, dass wir alle Brüder und Schwestern sind.

 

Unser Ziel war es das Wort Gottes tiefgründiger zu erfassen, um es fortan auf unser Leben besser übertragen zu können. Wir stellten fest, dass wir in der heutigen Zeit nicht immer Gottes Gegenwärtigkeit verspüren und dass es Geschehnisse gibt, die wir uns nicht erklären können. Uns muss jedoch bewusst sein, dass Gott möchte, dass wir ihm vertrauen. Gottes Wirken ist jederzeit sichtbar und vor allem spürbar, auch wenn es manchmal nicht danach aussieht. Gott ist immer bei uns und zeigt uns den Weg. Ein religiöser Mensch, der die Prinzipien des Christentums erkannt hat und danach handelt, erwartet nichts von Gott, er lebt in Demut und vertraut auf Gottes Liebe, er spricht nicht nur von Gott, sondern er lebt die Liebe und Gerechtigkeit.

 

Durch das Lesen und den Austausch haben wir uns Gott genähert, es entstand eine besondere Einheit zwischen Gott und uns. Eine Einheit, die mit dem Verstand und durch das Denken nicht zu fassen ist. Diese Einheit wird nicht hervorgerufen durch das verstandesmäßige Wissen über Gott, sondern durch das Erleben vom Einssein mit Gott.

 

Der Glaube ist etwas das gelebt werden muss, es genügt nicht ihn nur in theoretischen Debatten auszudiskutieren. Er muss auf das Leben gänzlich übertragen werden. Der Glaube und das Verinnerlichen des heiligen Wortes sind der Anfang, nun gilt es die Liebe Gottes auf das Leben zu übertragen. Wir haben uns der religiösen Sprache genähert, nun bedarf es einer Umwandlung der Inhalte auf unser heutiges Leben. Gott braucht den Menschen, um die Werke die Jesus Christus begonnen hat zu vollenden. Gott möchte handelnde Menschen sehen. Er möchte dass wir unseren Glauben und unsere Liebe in konkreten Werken der Liebe offenbaren.

 

Adela-Heidi Nizynski

Neugierig geworden?

Weitere Informationen zur Lectio Divina gibt es beim  Katholischen Bibelwerk e. V.