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9.9.2010

Königslutter: Prominente Referenten beim ökumenischen Männertag

Hauptreferent beim ökumenischen Männertag 2008: Prof. Dr. Friedrich Weber, Bischof der ev.-luth. Landeskirche Braunschweigs

„Wir sind Teil der einen Kirche Jesu Christi in ihren verschiedenen Erscheinungsformen.“ Mit diesem programmatischen Satz leitete der Braunschweiger Landesbischof Professor Dr. Friedrich Weber sein Impulsreferat beim ökumenischen Männertag am 06.12.2008 in Königslutter ein und er gab damit auch den Grundton der Veranstaltung an: Die Unterschiede nicht verschweigen oder verleugnen, aber sie auch nicht in den Mittelpunkt stellen, sondern sich Besinnen auf den gemeinsamen Grund aller Kirche, Jesus Christus, und dankbar sein für die vielen Dinge, die erreicht wurden und gemeinsam möglich sind.

Persönliche Erfahrungen mit der sich wandelnden konfessionellen Landschaft in der Nachkriegszeit dienten dem Bischof zur Veranschaulichung, wie früher die eigene Kirche zunächst selbstverständlich hingenommen und dann in Abgrenzung zur anderen Konfession – in seinem Fall also zum Katholizismus – begründet wurde. Erst als Heranwachsender habe er begonnen, sich auch inhaltlich mit der eigenen Konfession auseinanderzusetzen.

Zum Schluss seiner Ausführungen wurde der Landesbischof noch etwas theologischer und verwies auf die vier konstituierenden Eigenschaften von Kirche, wie es bereits im Glaubensbekenntnis von Nicäa, 325 n. Christus, formuliert wurde: Einheit, Heiligkeit, Apostoliztät und Katholizität. Gerade letztes führt manchmal zu Missverständnissen, da mit katholisch „allumfassend“ gemeint ist und nicht etwa römisch-katholisch. Die fehlende Einheit zwischen den Kirchen zeige somit auf, dass es allen Kirchen – auch der römisch-katholischen, in diesem Sinne an Katholizität mangelt.

 

Auch sein katholischer Koreferent, Prälat Heinrich Günther, betonte, wie wichtig es sei, das Gemeinsame hervorzuheben. Er machte es anschaulich daran fest, dass im katholischen Gotteslob Lieder von Martin Luther abgedruckt sind und im Evangelischen Gesangbuch beispielsweise Lieder des Jesuiten Friedrich Spee zu finden sind. Er bekräftigte zudem, dass Jesus Christus nur die eine Kirche gegründet habe und nicht viele Kirchen.

Mit Bezug auf das Thema des ökumenischen Männertages „Gibt es die allein selig machende Kirche?“ wies er darauf hin, dass dieser Anspruch von der römisch-katholischen Kirche bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil wirklich vertreten wurde. Das Konzil habe mit der Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“ 1964 dann aber einen Akzent der Öffnung gesetzt. Prälat Günther verwies zudem auf die vielversprechenden Worte der Augsburger Erklärung über die Rechtfertigungslehre 1999, die zu seinem Bedauern nicht in vollem Maße aufgegriffen und weiter fortgeschrieben worden sind. Und er schloss seine Überlegungen mit einer ebenfalls programmatischen Aussage ab: „Wir sind wirklich Schwesterkirchen.“

 

Beide Referenten waren sich einig, dass die Kirchen heute aktiv auf die Menschen zugehen und von Christus erzählen müssen, da die Kirchenmitgliedschaft nicht mehr automatisch zugewiesen wird sondern zunehmend aktiv erworben werden muss. „Wir müssen die Menschen für den Glauben gewinnen“, fasste Prälat Günther diesen Punkt zusammen.

Ebenfalls einig waren sich die Referenten bei der Beantwortung einer Frage aus dem Publikum nach der Notwendigkeit, gemeinsam zu wichtigen politischen und sozialen Fragen Position zu beziehen. Dies gelte zunehmend angesichts der wachsenden sozialen Spaltung der deutschen Gesellschaft. Landesbischof Weber erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die vielen Themen, bei denen die Kirchen immer wieder gemeinsam Stellung beziehen (z.B Ökonomisierung des Alltags, Menschenwürde im Alter und im Sterben).

 

Seit 1989 versammeln sich die Männer aus der katholischen und den beiden evangelischen Gemeinden in Königslutter einmal jährlich zum ökumenischen Männertag, um einen Vortrag zu einem ökumenisch interessanten Thema zu hören und sich darüber auszutauschen. Auch dieses Jahr waren etwa 40 Männer – und auch einige Frauen, die ebenfalls immer herzlich zur Teilnahme eingeladen sind – der Einladung ins katholische Pfarrheim gefolgt. Nach den Referaten und anschließendem Gespräch klang der Nachmittag mit einer Andacht und einem gemeinsamen Abendessen aus.

Einige Fotos finden Sie hier

 

08.12.2008 21:37 Alter: 2 Jahre