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21.5.2012

Vortrag von Pfarrer Bernward Mnich

Kirche und Gemeinde im Wandel -

das war das Thema des zweiten Vortragabends annlässlich des 100jährigen Kirchweihjubiläums von St. Marien.

Wieder war der Saal gut gefüllt, nicht nur mit Christen aus unserer Gemeinde, sondern auch aus den evangelischen Kirchen in geschwisterlicher Verbundenheit.

Mit Pfarrer Bernward Mnich konnte wieder ein Priester als Redner gewonnen werden, der aus der Schöninger Mariengemeinde hervorgegangen ist. Geweiht wurde Pfarrer Mnich 1983 in Rom. Er ist jetzt Pfarrer in Goslar.

Pfarrer Mnich begann seinen Vortrag mit der Gründung der Schöninger Gemeinde und den ersten Jahren der damaligen Missionsstation. Er stellte heraus, dass es eben eine "Missionsstation" und keine Kirchengemeinde war, die da gegründet wurde. Der erste "Hilfsgeistliche" wurde auf 5 Jahre durch Spenden der Gemeinde finanziert. Das erste, was gebaut wurde, war eine Missionsstation mit Klassenraum, Kapelle und Wohnung des Geistlichen. 20 Ortschaften rund um Schöningen gehörten dazu. Vor diesem Hintergrund sieht die heutige Situation der Gemeinde noch einmal anders aus, als heute so oft beklagt - machte Pfarre Mnich deutlich. Er machte auch deutlich, dass eine Schule damals Vorrang vor einem Kirchengebäude hatte.

Nach einem geschichtlichen Rückblick über die Anfangszeiten der Gemeinde ging er auf den Wandel durch das Zweite Vatikanische Konziel ein, dass eine Öffnung der Kirche für die Welt bedeutete. Auch für die Gemeinde in Schöningen war das ein großer Wandel. Dabei darf man sich nicht täuschen: Die Ideen eines Konziels sind niemals in wenigen Jahrzehnten umgesetzt. Der eigentliche Wandel von einer in sich geschlossenen Volkskirche (Kirche als Lebensort der Gemeinde und Umwelt als feindlich) hin zu einer weltoffenen Kirche, der ist noch immer im Gange. In den 70er Jahren reichte noch eine Tischtennisplatte, um Jugendliche zu begeistern und in das Pfarrheim zu holen. Heute können das Sportvereine sicherlich besser. Wenn wir uns der Welt öffnen, müssen wir auch überlegen, was wir wirklich für diese Welt anzubieten haben.

So kommt Pfarrer Mnich zum dritten Teil seines Vortrages: der Umbruch, den viele Gemeinden heute oft schmerzvoll erfahren. Die Zahlen der Mitglieder und Kirchenbesucher gehen zurück, das Geld reicht nicht und Kirchen müssen geschlossen werden. Pfarrer Mnich macht deutlich, dass Jammern hier nicht hilft. Die gesellschaftlichen Veränderungen sind vorgegeben - wie reagiert Kirche darauf? Es hilft eben nicht, sich innerhalb der Kirche nur um Strukturveränderungen zu zanken, die einfach nötig sind. Was den Christen heute oft fehlt, ist die Überzeugung, dass es für Menschen, die nicht in diese Kirchen "hineingeboren" sind, interressant sein kann, Christ zu werden.

Haben wir daher einen allgemeinen Ab-Bruch in der Kirche, oder kommt doch ein Auf-Bruch?

Die entscheidende Frage ist, wo heute Gott zu finden ist. Wo ist die Gegenwart Gottes heute? Eine Antwort auf diese Frage kann den Christen und Nichtchristen zu einem neuen Aufbruch verhelfen. Die Mariengemeinde ist nach über hundert Jahren Bestehen aufgerufen, nicht nur zurück zu schauen und die "Wunden zu belecken", sondern nach Vorne zu schauen und Gott zu suchen in dieser Welt, damit das Jubiläum ein echter Aufbruch werden kann.

Im Anschluss an den Vortrag gab es natürlich wieder genug Zeit und Gelegenheit zur Diskussion.

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