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22.5.2012

Der Fernsehgottesdienst 2010



 

Live im 2dF

Das Zweite Deutsche Fernsehen übertrug am 29.08.2010 den Sonntagsgottesdienst der St. Christophorusgemeinde live.

 

Die Predigt von Prälat Heinrich Günther

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

In  jedem Jahr zum 8. Mai haben wir besondere Gäste

in unserer Stadt.  Es sind Frauen und Männer,

die hier im 2. Weltkrieg Zwangsarbeit geleistet haben.

Inzwischen sind sie alt geworden.

Als junge Leute wurden sie damals von den Nazis die

aus den eroberten Ländern verschleppt in ein Land,

das ihnen fremd war.

Ihre Aufseher ließen sie spüren, dass sie als Minderwertige galten.

Man brüllte sie an und schlug oft brutal zu.

 

Einer von ihnen, einer aus der Ukraine,

kam nach mehr als sechzig Jahren wieder. Sein Wunsch:

Einmal eine Stunde ganz allein auf der Brücke stehen,

über die er mit all den anderen täglich zur Arbeit getrieben wurde.

Er wollte sich erinnern an all das Schreckliche,

die Angst, das Heimweh, die Gesichter …,

um dieses schlimmste Kapitel seines Lebens abzuschließen.

 

Wie konnten sie das damals aushalten? Ein Zwangsarbeiter

aus den Niederlanden, hat 1943 ein Marienbild angefertigt.

Es ist hier nebenan in der Kreuzkapelle.

Es zeigt die Gottesmutter Maria mit Jesus als Kind.

Vor ihr kniet ein Mann. Ihm legt sie die Hand auf die Schulter.

Und Jesus wendet sich ihm zu und schaut ihn an.

Darunter steht (übersetzt):

„Unser Liebe Frau der Arbeiter in der Fremde“.

Es ist ein Trostbild in der Zeit der harten Unterdrückung.

 

Unter dem Mantel dieser himmlischen Frau mit ihrem Sohn

finden die Menschen Zuflucht. Auch heute.

 

Die 2. Lesung von heute ist aus dem aus dem Hebräerbrief.

Er  wendet sich an Christen, die am Ende des 1. Jahrhunderts

wegen ihres Glaubens in Not geraten sind.

Der römische Kaiser Domitian läßt damals die Christen verfolgen.

Sie fürchten um ihr Leben. Da hörten sie die gute Nachricht:

„Ihr seid hingetreten zur Stadt des lebendigen Gottes,

dem himmlischen Jerusalem. Gott ist bei euch.“

Das richtet sie auf! Das hilft ihnen, mit der Angst fertig zu werden.

Die Zusage und Nähe Gottes macht sie stark

 

Viele machen sich heute Sorgen um die Zukunft.

Sie haben den Eindruck: Unglaube und Gottlosigkeit nehmen zu.

Manchmal ziehen sie uns selbst in ihren Bann

so dass unser Glaubenszeugnis nicht eindeutig ist.

Ängstlich fragen viele: Wohin führt das?

 

Da ist es gut, Gottes stärkendes und tröstendes Wort zu hören

und die ganze Wirklichkeit sehen:

auch die, um  die wir nur im Glauben wissen.

Die Erfahrung lehrt: Eine „Stadt ohne Gott“, wie damals von den Nazis geplant, ist unmenschlich und hat keinen Bestand.

Eine Gesellschaft ohne Rückbindung an Gott wird nicht bleiben.

 

Wir Menschen suchen einen Ort, wo wir bleiben können und ausruhen.

„Wir sind hingetreten in die Stadt des lebendigen Gottes.“

Weil Gott unter uns wirkt, gibt es sie schon mitten unter uns.

In dieser heiligen Feier leuchtet etwas davon auf, spüren wir sie.

Zugleich sind wir noch unterwegs. Unterwegs in die „Stadt mit Gott.“

 

Amen.