22.5.2012

Einführung

Titel Die Notkirche
Titel Die Notkirche

 

Die Geschichte der ersten katholischen Kirchengemeinde, der Pfarrgemeinde St. Christophorus in Wolfsburg, das seit seiner Grün­dung bis 1945 den provisorischen Namen „Stadt des KdF-Wagens" (des Kraft-durch-Freude-Wagens) trug, ist untrennbar verbunden mit dem gefahrvollen Wirken des ersten deutschen katholischen Priesters in dieser Stadt, Antonius Holling, heute Prälat, und seiner getreuen Helferinnen und Helfer.

Ohne ihre ersten Schritte, ohne ihren Mut, ohne ihr absolutes Vertrauen auf Gott und die Hilfe der Gottesmutter wäre die St. Christophorus-Kirchengemeinde in Wolfsburg kaum denkbar.

Bevor am Himmelfahrtstage 1938, dem 26. Mai, mit der Grund­steinlegung zum Volkswagenwerk der Aufbau der Stadt des KdF­Wagens begonnen wurde, gab es in diesem Raum (Siedlungsgebiet Heßlingen und Gutsbezirk Alt-Wolfsburg) zwei alte evangelische Kirchen, die 1000jährige St. Annen-Kirche in Heßlingen und die Marienkirche in Alt-Wolfsburg. Für die gottesdienstlichen Belange der neuen evangelischen Bevölkerung reichten diese beiden Kirchen zunächst aus.

Für katholische Christen stand ein Gottesdienstraum nicht zur Verfügung.

Nachdem sich schon am 16. Mai 1938 das bischöfliche General­vikariat in Hildesheim wegen der Frage des Kirchenbaues in der Stadt des KdF-Wagens an den Reichsminister für kirchliche Ange­legenheiten, am 2. Juni 1938 an die DAF (Deutsche Arbeitsfront) und am 5. August 1938 an den Generalbauinspekteur für die Reichs­hauptstadt gewandt hatte, führte die Gesellschaft zur Vorbereitung des Volkswagens der DAF (Gezuvor) eine grundsätzliche Entschei­dung des Reichsministeriums herbei.

Dieses teilte am 12. Juli 1938 der Gezuvor mit, daß bei der Pla­nung der Stadt des KdF-Wagens geeignete Plätze für „Bauten zur Versorgung der kirchlichen Bedürfnisse der Bevölkerung, deren Kosten grundsätzlich die Kirchen zu tragen haben, in den Gesamt­plan einzubeziehen seien".

Zur Begründung wurde in dem Schreiben auf den Grundsatz ver­wiesen, „die christlichen Kirchen von der Benutzung profaner Räume (Gastwirtschaften, Schulen u. ä.) mehr und mehr auszu­schließen".

Daraus entwickelte sich, wie sich später herausstellen sollte seitens der Machthaber ein verlogener Schriftwechsel zwischen dem damaligen Stadtbaubüro und den zuständigen Stellen katho­lischer und evangelischer Kirchen.

Das Baubüro forderte die Amtsstellen der Kirchen auf, ihm Hin­weise zur Kirchenplanung zu geben.

Vorerst teilte nur das bischöfliche Generalvikariat in Hildesheim konkrete Wünsche mit.

Am 1. September 1939 wurden beiden Kirchen Pläne zugesandt, die im wesentlichen den Vorstellungen der Kirchen entsprachen.

Nach dem vorliegenden Schriftwechsel liefen die immer wieder verzögerten Planungen bis Ende November 1940. Dann wurde jegliche Planung der Kirchengebäude eingestellt.

Am 28. November 1940 schrieb der Generalinspekteur für die Reichshauptstadt, daß „Kirchenplätze in der Stadt des KdF-Wagens nicht ausgewiesen werden können".

Damit war klar und deutlich zu erkennen gegeben, daß Kirchen in dieser Stadt nicht vorgesehen waren.

Sendung Antonius Holling

Der Bischof von Hildesheim, Dr. Joseph Godehard Machens, erteilte dem damals in der St. Bonifatius-Kirchengemeinde in Hamburg-Wilhelmsburg wirkenden 31jährigen Antonius Holling den Auftrag, am 1. März 1940 in der Stadt des KdF-Wagens, „die da irgendwo bei Fallersleben liegt", seinen Dienst als Pfarrvikar für die Stadt des KdF-Wagens aufzunehmen.

Der Bischof wußte, was an Schwierigkeiten und Gefahren auf den jungen Priester zukommen würde, als er ihn mit den Worten verabschiedete: „Sie haben dort weder eine Wohnung noch eine Kirche. Sie sollen nach dem Willen der Machthaber in dieser Stadt nicht wohnen und dürfen auch keinen Gottesdienst halten. Das ist verboten. Sie sind ein Pionier mit großer Aufgabe. Sie haben mein Vertrauen. Alles, was ich Ihnen mitgeben kann, ist Gottes Segen. Seien Sie vorsichtig und klug!"

So vom Bischof ausgestattet, machte Antonius Holling sich mit seinem in Hamburg zugelassenen Motorrad Marke „Wanderer" und mit einem kleinen Köfferchen zunächst auf den Weg nach Gifhorn, wo er Aufnahme bei dem Pfarrer der Kirchengemeinde St. Bern-ward, Pastor Joseph Henze, fand.

Der Krieg war sechs Monate alt, als Kaplan Holling erstmals in die zu errichtende Stadt kam.

Ihm war alles unbekannt, nichts Vertrautes fand er und er fragte sich: „Wohin soll ich gehen?"

Nach dem Willen der Nationalsozialisten sollte die Stadt des KdF-Wagens eine Stadt mit allem Komfort der Neuzeit werden, von Grüngürteln umgeben, für die Bewohner optimal zweckmäßig.

Den Hausfrauen sollte der Einkauf bequem und wenig zeitrau­bend ermöglicht werden. Der weiteste Anmarsch zum Kolonial­warenhändler, Bäcker-, Fleischer-, Gemüse- und Milchladen sollte nicht mehr als vierhundert Meter betragen.

Vom Werk aus sollten sämtliche Wohnungen durch Fernhei­zungen beheizt werden.

Für den jungen Priester bot sich ein verwirrender Anblick, als er in die Stadt kam.

In der Nähe des Werkes dehnte sich ein großes Barackenlager ohne Stacheldraht, in dem etwa 10.000 Menschen, deutsche und italienische Bauarbeiter ohne ihre Familien untergebracht waren.

Die entstehende Stadt glich einem unübersehbaren Bauplatz. Häuserblocks wuchsen auf freiem Feld, schmucklose, eintönige Bauten.

Die Waldsiedlung „Steimkerberg" war fast fertiggestellt. Schon vor zwei Jahren waren hier die ersten Familien, darunter von Ferdinand Porsche aus den USA herangeholte wenige deutsche Ingenieure mit ihren Familien, die neben der deutschen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besaßen, in zum Teil nur halbfertige Häuser eingezogen.

Im Bau waren die Stadtteile „Stadtmitte" und „Schillerteich". war eine romantisierende Atmosphäre, die in einer Abfolge von betont ländlicher Idylle am Steimkerberg bis hin zu den kargen strengen Bauten in der Mitte der Stadt die Hauptstraßen und Plätze säumen sollte.

In den von Stacheldraht umgebenen Baracken gegenüber der langen Front des Werkes waren ausländische Arbeiter untergebracht Belgier, Franzosen, Holländer und auch polnische Zivilgefangene, die in der Produktion des Werkes zur Arbeit gezwungen wurden.

In diesem Milieu sollte und wollte Pfarrvikar Antonius Holling gegen den damals noch unausgesprochenen Willen der Machthaber eine katholische Pfarrgemeinde, die St. Christophorus-Kirchengemeinde, aufbauen.

Das nächste katholische Pfarramt lag im 25 km entfernten Gifhorn, von wo aus Antonius Holling mit seinem Motorrad täglich in das neue Stadtgebiet fuhr.

Die Deutschen, zum Teil mit ihren Familien, waren aus allen Teilen des Reiches zusammengeholt, waren sich untereinander fremd. Die etwa 7000 Italiener, die aufgrund vertraglicher Vereinbarung der DAF (Deutschen Arbeitsfront) und der faschistischen Industriearbeiterkonförderation zwangsweise in die Stadt des KdF-Wagens gekommen waren, hatten ihren italienischen Kaplan. Im Stadtteil Heßlingen stand für sie in der Gastwirtschaft „Wolter" (Brandenburger Adler) der Tanzsaal zur Verfügung, in dem der Kaplan mit seinen Landsleuten sonntags Gottesdienst halten konnte. Auf die Erfüllung dieser Bedingung hatte die italienische Regierung bestanden.

Der Bürgermeister der Stadt, der vom Regierungspräsidenten in Lüneburg eingesetzte Werner Steinecke, empfing den Pfarrvikar für die Stadt des KdF-Wagens nicht.

Der Bürgermeisterstellvertreter, Baurat Dr. Kleeberg, an den Antonius Holling verwiesen wurde, sah sich nicht in der Lage, dem Priester eine Wohnung zuzuweisen. Die wenigen vorhandenen Wohnungen waren ausschließlich für die Familien der im Werk arbeitenden Deutschen vorgesehen.

Der Baurat sagte wohlwollend treuherzig zu Kaplan Holling: „Wenn Sie hier Ihre Aufgabe erfüllen wollen, müssen Sie durch­halten und dürfen nicht locker lassen. Hier siegt nur Frechheit. Wer zurückzieht hat verloren, bevor er angefangen hat".

Zunächst versuchte Antonius Holling bei den in einer kleinen Baracke untergebrachten städtischen Behörden, Namen und Anschriften der hier lebenden katholischen deutschen Menschen zu erfahren. Das gelang ihm ohne wesentliche Schwierigkeiten.

Er besuchte diese Familien. Viele von ihnen verhielten sich bei dem Priesterbesuch äußerst zurückhaltend. Sie fürchteten, wenn sie sich offen zu ihrem Glauben bekannten, Unannehmlichkeiten. Für diese Zurückhaltung hatte der junge Priester Holling Verständnis. Keinesfalls wollte er durch seine Besuche und öffentliche Kontakte die Glaubensbrüder und -schwestern in Gefahr bringen, hatte er doch längst gespürt, daß er von den Beamten argwöhnisch beob­achtet wurde.

Die Familie Bertelsmeier regte an, im Gasthaus „Schulz" an der Straße nach Fallersleben einen kleinen Saal für sonntägliche Gottesdienste zu mieten. Gemeinsam mit Joseph Bertelsmeier ging Antonius Holling zum Gasthaus „Schulz". Da der kleine Saal sonntagsvormittags niemals benutzt wurde, konnte man sich mit dem Wirt schnell einig werden.

So wurde die erste heilige Messe für die deutschen Katholiken in der Stadt des KdF-Wagens schon am Sonntag, dem 3. März 1940 im Gasthaus „Schulz" gelesen. An vier Sonntagen konnten die wenigen Gläubigen unter einem Hitlerbild, das an der Stirnwand des Saales hing, zusammenkommen.

In einem bekanntgewordenen Falle hatte ein katholischer Prie­ster unter ähnlichen Verhältnissen während eines Gottesdienstes ein Hitlerbild entfernt, später wieder aufgehängt. Aus diesem Anlaß wurde er in ein Konzentrationslager gebracht.

Zum Ostersonntag 1940 erklärte die Gestapo (Geheime Staats­polizei): „Der Saal ist nicht gottesdienstwürdig". Für die deutschen katholischen Christen wurde dieses Osterfest ohne Auferstehungs­feier zu einem sehr traurigen Tag.



Bischof Godehard
Bischof Godehard
Vikar Holling
Vikar Holling

Schwerer Anfang

Die Taufen der Neugeborenen und der Religionsunterricht der Kinder wurden in den Wohnungen der Familien geheim abgehalten. Zum ersten Mal spendete Kaplan Holling das Sakrament der Taufe in der Stadt des KdF-Wagens dem am 25. Januar 1940 geborenen Günther Gande, ältester Sohn der Eheleute Gertrud und Herbert Gande, am 10. März 1940 in deren Wohnung, Waldpfad 32.

Aber die Taufen und der Religionsunterricht wurden, nachdem die Gestapo davon erfahren hatte, verboten. Wer sich diesem Verbot widersetzte, mußte mit Nachteilen oder gar Verhaftung rechnen. Es widersetzten sich tapfer einige Familien, und so konn­ten heimlich Kinder getauft, der Unterricht fortgeführt werden.

Am 6. April 1940 machte die Familie des Baumeisters Peter Koch dem Priester das nicht ungefährliche Angebot, ihm in ihrem Haus, Ahornweg 22, zwei möblierte Räume zu überlassen.

Antonius Holling nahm dankbar an, konnte endlich aus Gifhorn in die Stadt des KdF-Wagens, die Stadt seines Wirkens, umsiedeln.

In seinem Zimmer am Schreibtisch oder auch im Wohnzimmer der Familie Koch feierte er an jedem Morgen allein, manchmal mit Mitgliedern der Familie Koch, ein halbes Jahr lang die heilige Messe. Still ging es zu bei diesen Gottesdiensten. Mit leiser Stimme wurden die Gebete geflüstert, die Fensterläden blieben, obwohl heller Tag, geschlossen. Die Szenerie erinnerte an die Zeit der ersten Christen in ihren Katakomben. Niemand durfte von diesen Gottesdiensten erfahren. Der Ortsgruppenleiter wohnte im Hause gegenüber, von ihm war schon manche Schikane ausgegangen.

Zwangsläufig erfuhr die Behörde vom Einzug des Priesters in die Wohnung Peter Kochs. Der wurde zu einem Verhör vorgeladen, auf sein staatsfeindliches Verhalten hingewiesen und streng verwarnt. Der Baumeister ließ sich jedoch nicht einschüchtern. Er beteiligte sich aktiv weiter am Aufbau der katholischen Kirchengemeinde in dieser Stadt. So ließ er im Jahre 1942 aus Fußbodenbrettern von seinen italienischen Arbeitern 6 kleine Kniebänke für die Kinder und 2 Kommunionbänke zimmern.

Das führte dazu, daß er später, obwohl er wegen seiner beruf­lichen Tätigkeit beim Aufbau der Stadt davon befreit war, zum Kriegsdienst eingezogen wurde.

Bei Monte-Cassino ist er 1944 gefallen.

An jedem Sonntag feierte Kaplan Holling öffentlich Gottesdienst in der Kapelle in Fallersleben, zu dem regelmäßig etwa 100 Gläubige aus der Umgebung und auch aus der Stadt des KdF-Wagens kamen.

Die mit einem Wellblechdach gedeckte Kapelle stand auf einer an der Mörser Straße gelegenen Wiese. In dieser Kapelle durfte Kaplan Holling auch Gottesdienste für die katholischen Gefangenen aus Polen halten. Diese Gottesdienste waren einen Monat vorher beim Landrat anzumelden, mußten von ihm genehmigt werden. Diese Gottesdienste für die Polen wurden von Gestapoleuten kontrolliert und beobachtet. Beichten war verboten.

Mit unaufhörlichen Nadelstichen versuchte die Gestapo, dem Geistlichen seine Arbeit in dieser Stadt unmöglich zu machen.

Durch verschiedenste, kleinliche Beschuldigungen versuchte sie, Kaplan Holling aus dem Verkehr zu ziehen, ihn in Haft zu nehmen. So wurde er vorgeladen, um zu dem Vorwurf, er habe einen linien­treuen Lehrer als Juden bezeichnet, Stellung zu nehmen.

Der so Beschuldigte verteidigte sich mit dem Hinweis auf seine Universitätsstadt Bonn, wo man im Dialekt nicht „gut", sondern „jut” sagt. Er habe nicht gesagt: „Dann ist es ein Jud", sondern ärger­lich: „Dann ist es ja jut".

Immer wieder gaben ihm die Leute von der Gestapo den Rat, von hier zu verschwinden. Das, was er hier vorhabe, sei ohnehin sinn- und zwecklos.

„Diese Stadt wird eine Musterstadt ohne Kirchen und ohne Gott", erklärte ein lederbemantelter Gestapobeamter. „Nach dem Kriege wird in dieser Hinsicht in Deutschland sowieso alles bereinigt. Gehen Sie lieber heute als morgen, sonst kriegen wir Sie eines Tages doch!"

Antonius Holling antwortete: „Ich fühle mich auf meinem Bretterstuhl wohler als Sie in Ihrem Clubsessel, ich habe Beziehun­gen nach oben". Dabei dachte er an den Herrgott, der Beamte offen­bar an den Gauleiter.

Für den Priester und seine kleine Gemeinde mußte gelten, die sogenannten „kleinen Hitler" vor Ort zu überzeugen — oder zu überlisten.

Antonius Holling und auch Gemeindemitglieder hörten nicht auf, sich um einen geeigneten Gottesdienstraum in der Stadt zu bemühen. Ihre Versuche, in der historischen St. Annenkirche unter­zukommen, scheiterten an der Weigerung des hier vertretungsweise tätigen evangelischen Pfarrers.

Am 3. Mai 1940 suchte Kaplan Holling den Leiter des Stadt­baubüros, Baurat Peter Koller, auf.

Professor Peter Koller erinnert sich in seinem an Prälat Antonius Holling gerichteten Brief vom 31. März 1987:

„Bis dann der 3. Mai 1940 kam, an den ich mich noch genau erin­nere: Ein strahlend fröhlicher, seiner Sache völlig sicherer Mann von ungefähr dreißig Jahren trat in mein Dienstzimmer und sagte: 'Ich bin der katholische Pastor'.

Das waren Sie, lieber Herr Prälat. Sie wollten ein Grundstück für den Bau der katholischen Kirche zugewiesen haben, denn die Liegenschaftsverwaltung der T.U.W., der Treuhandgesellschaft für die Wirtschaftsunternehmen der DAF, durfte Ihnen nur dann ein solches geben, wenn sie von mir die städtebauliche Zuweisung bekam. Vor Ihnen waren schon die Herren der evangelischen Landeskirche bei mir; sie waren zu mehreren, waren alt, gesetzt und feierlich, wie man eben bei einer so wichtigen Sache zu sein pflegt, aber eben innerlich unsicher.

Sie aber waren völlig sicher, wie ein Felskletterer in der Steil­wand — das ist ein Vergleich, der mir als Sohn der Kärntener Berge nahe liegt. Sie standen unter der Führung Gottes, Sie wußten tief innerlich, daß Sie das Grundstück bekommen würden! Sie be­kamen es auch, aber bis dahin floß noch viel Wasser über die Aller.

Die Herren von der Landeskirche waren bescheiden, sie wollten sich mit einem Platz, etwas abseits, an einer Nebenstraße begnügen. Aber Sie wollten selbstverständlich einen Platz an der Hauptstraße. Das gefiel mir, denn ihr Unternehmen war kühn, man würde es heute mit dem Wort „irre" bezeichnen, hat doch der Leiter der DAF, Dr. Robert Ley, als er eine Besichtigung der Stadt vornahm und erfuhr, daß hier ein katholischer Priester wohnt, gleich ausgerufen: 'Der muß raus aus der Stadt! Zündet ihm die Bude über dem Kopf an"

Im Juni 1940 erhielten die aus dem aufgelösten Institut für Seel­sorge in Germete gekommenen Schwestern vom Herzen Jesu Jutta Dierkmann und Ludgera Austermann vom Bischof in Hildesheim den Auftrag, in der Stadt des KdF-Wagens als Pfarrhelferinnen tätig zu werden. Sie kamen voller Idealismus, hatten eine herrliche Vor­stellung von der großen Aufgabe, eine neue Pfarrgemeinde auf­bauen zu helfen. Schwester Jutta fand eine Unterkunft in einem möblierten Zimmer in Fallersleben, Schwester Ludgera kam in ei­nem Haus am Steimkerberg unter. Zusammen wohnen durften sie nicht.

Bald schon jedoch mußten sie erkennen, daß alltäglich unge­heure Kleinarbeit zu bewältigen war.

Aber die beiden Schwestern nahmen freudig alle Arbeiten auf und wuchsen mehr und mehr in ihre Aufgabe hinein, obwohl auch sie sehr bald erkannt hatten, daß ihre Tätigkeit hier unerwünscht war.

Mit seinem Schreiben vom 28. Juni 1940 hatte der Bischof von Hildesheim aus seelsorgerischen Notwendigkeiten beschlossen, eine Kuratie (Seelsorgebezirk) der Stadt des KdF-Wagens zu begründen. Zum Kuraten bestellte er den Pfarrvikar für die Stadt des KdF-Wagens Antonius Holling, ernannte damit den Kaplan zum Pastor, der den gesamten Seelsorgebezirk betreuen sollte.



Peter Koch und Bischof Godehard
Peter Koch und Bischof Godehard