Im Krieg - bis 1945
Antonius Holling hatte dafür gesorgt, dass er im Wolterschen Saal in Hesslingen Gottesdienste halten konnte. Dieser Raum war eigentlich nur für
die aus Italien verpflichteten Bauarbeiter und ihren Kaplan vorgesehen.
Aber es gelang Pastor Holling mit der ihm eigenen Zähigkeit und einem Gottvertrauen, das man ihm ansehen konnte, auch Gottesdienste für deutsche Katholiken und Zwangsarbeiter abzuhalten.
Ausführlich berichtet die von Karl-Heinz Bögershausen verfasste Schrift "Die Notkirche" über diese Zeit und die unbeschreiblichen Schwierigkeiten, die damals die Behörden dem jungen Pastor bereiteten – aber auch über die Treue so mancher Gemeindemitglieder, die unter Gefahren zu ihm standen.
Die Zeit der Notkirche – also die Jahre 1940 bis 1951 – gliedern sich in zwei Abschnitte:
- die Zeit während des Krieges, also unter der Herrschaft des Nationalsozialismus, 1940 bis 1945;
- die Zeit nach Ende des Krieges, 1945 bis 1951.
Die Notkirche wurde – wie so manches ältere Gebäude in Hesslingen – inzwischen abgerissen. An der Stelle, wo sie stand, wurde noch durch Prälat Holling eine Stele errichtet, die auch für die Zukunft an jene Zeit erinnert. Die Stele kath. Notkirche 1940 - 1951 dokumentiert die Seelsorge in der Zeit der Notkirche mit folgenden Inschriften:
In dieser Notkirche wirkte als Seelsorger Pastor A. Holling.
Bis 11. August 1951 wurden folgende Sakramente gespendet:
- Taufen: 1702
- Erstkommunionen: 937
- Firmungen: 824
- Ehen: 908
- Sterbemessen: 494
Die Skulptur stellt den Hl. Christophorus dar, weitere Reliefs die Sakramente.
Diese Stele ist nicht nur eine Erinnerung an lang vergangene Zeiten. Sie
ist auch eine Mahnung für die heutige Zeit, auch unter schwierigen Verhältnissen die Treue zum Glauben und zu den christlichen Werten zu bewahren.
Mehr Erinnerungen hütet die St. Christophoruskirche, so etwa das erste
Kreuz, das in der Notkirche über dem Altar hing und nun in der Kreuzkapelle der St. Christophoruskirche seinen Platz gefunden hat. In der jährlichen Kreuzprozession und bei der liturgischen Kreuzverehrung am Karfreitag steht es immer wieder im Mittelpunkt. Auch weitere Bildnisse aus der Notkirche sind erhalten geblieben wie etwa das Muttergottes-Bild von der immerwährenden Hilfe und ein Herz-Jesu-Bild – ebenfalls heute in der Kreuzkapelle.
Bei einem Bombenangriff wurde die Notkirche von den in der Nähe einschlagenden Bomben zum Glück nur leicht beschädigt. Trotz zahlreicher Schikanen, was die Zuteilung von Material anging, konnte die Kirche repariert werden.
Es gibt Berichte über das Kriegsende in Wolfsburg, in denen Pastor Holling eine wichtige Rolle spielt. Die amerikanischen Truppen waren bis Fallersleben vorgerückt, fanden aber auf ihren Karten die Stadt des KdF-Wagens nicht
eingezeichnet. Daher rückten sie nicht weiter vor. Die Bevölkerung der Stadt war daher den Plünderungen (auch einige Morde wurden verübt) der nunmehr befreiten Zwangsarbeiter ausgeliefert, die mindestens zu einem Teil von Rachegefühlen beseelt waren. Da fuhr Pastor Holling in Begleitung zweier Herren des Volkswagenwerkes (Herr Brörmann und Herr Kunze) mit einem der von ihm seelsorglich betreuten französischen Kriegsgefangenen nach Fallersleben (dort hielt er rgelmäßig Gottesdienste) und sprach mit dem amerikanischen Kommandeur. Dieser war über die guten Englischkenntnisse seiner Begleiter verwundert, erfuhr dann, das diese lange Jahre in Detroit gearbeitet hatten. Prof. Porsche hatte etliche deutsch-stämmige Automobilingenieure zum Aufbau des Volkswagenwerkes aus Amerika zurückgeholt. Nicht zuletzt konnte der Franzose ein gutes Zeugnis über Pastor Holling ablegen. Die Amerikaner entschlossen sich, die Stadt zu besetzen, so
dass für Ruhe und Ordnung gesorgt war.
Wenige Tage später - noch vor Kriegsende - erhielt Pastor Holling den abgebildeten Brief. Was deutsche Nationalsozialisten jahrelang verhindert hatten, brachte ein amerikanischer Offizier sofort in Ordnung.
Pastor Holling gelang es, schon im ersten Jahr (1940) einen Religionsunterricht zu organisieren. Ohne die Treue glaubensstarker Eltern wäre das nicht möglich gewesen.





