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 Dekanat > Trotz Dürre leben
29.7.2010

Hilfe zur Selbsthilfe

An der Pumpe
An der Pumpe

Trotz Dürre leben ist ein Partnerschafts-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Hilfswerk MISEREOR. Unterstützt wird das Institut IRPAA für angepasste Landwirtschaft und Tierhaltung in Juazeiro, BA, Brasilien. Dort besteht ein Dürregebiet von rund 900.000 km2 Größe.
Das Institut IRPAA lehrt Kleinbauern, mit der und nicht gegen die Natur zu wirtschaften - Konviventia. Der Bericht 2002 von IRPAA zeigt eindrucksvoll die breite Wirkung der Arbeit. 
Im Raum Wolfsburg steht die Finanzierung von in Brasilien mit technischer und struktureller Unterstützung der Autovisão Brasil (VW) gefertigten Handpumpen im Vordergrund, mit denen Wasser aus großer Tiefe ganzjährig gefördert werden kann.

Zum Verhältnis von Pumpen zu Konviventia siehe den Beitrag "Was bedeutet Hilfe zur Selbsthilfe?"

 

 

Rückfragen an  Diakon i.R. Karl Theodor Weise

(tdl(at)kirchewolfsburg.info)

Milleniumsziele

Unsere Freunde in Brasilien arbeiten in eindrucksvoller Weise im Sinne der Milleniumsziele der UNO, die im Jahre 2000 beschlossen wurden. (s. hierzu auch die Screenshots der Präsentation).

Angesichts der Bedeutung dieser Ziele - 1 Millarde Menschen leben in extremer Armut - wird auch unsere Aktion sich der  Kampagne der UNO für die Durchsetzung dieser Ziele widmen. 

Die acht Millenniumsziele

Sie sind einfach und dennoch exakt: die acht Millenniumsentwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDG) für das Jahr 2015. Sie sind abgeleitet aus der UN-Millenniumserklärung aus dem Jahr 2000, in der sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, also auch Deutschland, auf einen internationalen Handlungsrahmen für das 21. Jahrhundert verständigt haben.

Das übergeordnete Vorhaben der MDG: Die extreme Armut soll wirkungsvoll bekämpft werden. Das Besondere bei der Formulierung der Ziele: Es ist eine genaue Zeit vorgegeben, bis wann sie erreicht werden sollen - 2015 - und es sind genaue Vorgaben genannt, wann die Ziele als erreicht gelten.

  1. Hunger und extreme Armut beseitigen
    Der Anteil der hungernden Menschen soll bis 2015 halbiert werden.

  2. Grundschulbildung für alle Kinder
    Bis zum Jahr 2015 soll sichergestellt werden, dass alle Kinder weltweit eine Grundschule besuchen können.

  3. Gleichstellung und stärkere Beteiligung von Frauen
    Die Geschlechterungleichheit zu beseitigen, auf allen Bildungsebenen bis zum Jahr 2015.

  4. Kindersterblichkeit veringern
    Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren soll bis 2015 um zwei Drittel gesenkt werden.

  5. Die Gesundheit von Müttern verbessern
    Das Risiko für eine Frau während der Schwangerschaft oder bei der Geburt zu sterben, wesentlich verringern

  6. HIV/Aids, Malaria und andere Krankheiten bekämpfen
    Die Zunahme von HIV-Neuinfektionen und die Ausbreitung von Malaria und anderen Krankheiten sollen bis zum Jahr 2015 gestoppt werden und eine Trendumkehr eingeleitet sein.

  7. Nachhaltigen Umgang mit der Umwelt sichern
    Der Anteil der Weltbevölkerung, der kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung hat, soll bis 2015 halbiert werden.

  8. Aufbau einer weltweiten Partnerschaft für Entwicklung
    Das Handels- und Finanzsystem soll partnerschaftlich weiterentwickelt werden

50 Jahre MISEREOR - 50 Jahre Erfahrung

50JahreMISEREOR
50JahreMISEREOR


Wir bekennen uns zum MISEREOR-Motto:
Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der armen Kleinbauern Brasiliens.


Unser Zorn richtet sich gegen

  • die ungerechte Bodenverteilung in Brasilien, wo Großgrundbesitzer riesige Flächen ungenutzt lassen, während Millionen Landloser Hunger leiden.

  • die geplante Ableitung des Stroms Rio São Francisco, die mit Milliardenaufwand den Großgrundbesitzern Gewinne verschaffen wird, aber die Ökologie dieser Region zerstört.

Unsere Zärtlichkeit gegenüber den Armen beweist sich seit Jahren durch unsere Spenden – inzwischen mehr als eine halbe Million Euro -, mit denen hunderte Dörfer eine Wasserpumpe erhalten konnten, und damit eine lebenswerte Zukunft.

 

Sie sind eingeladen, mitzumachen!

 

Aufruf des Dechanten zur Fastenaktion 2008:


"Seit 1958 gibt es MISEREOR. Das Hilfswerk unserer Kirche in Deutschland setzt sich seit fünfzig Jahren in der ganzen Welt für die Ärmsten ein. Dabei ist es gleichgültig, welcher Religion oder Kultur sie angehören. Wir durften mithelfen. Seit 2002 hat unser Dekanat ein Projekt von MISEREOR übernommen im Trockengebiet von Brasilien: Trotz Dürre leben.

 

In den Gemeinden kamen bisher € 138.080,61 in den MISEREOR-Kollekten zusammen, und € 324.564,41 wurden gespendet. € 462.641,02 haben wir ohne Abzug an MISEREOR weitergeleitet. MISEREOR hat sogar 677.000,- Euro für unser Projekt nach Brasilien überwiesen, weil staatliche und kirchliche Gelder draufgelegt wurden. Die Arbeit von MISEREOR wird von der Bundesregierung sehr geschätzt und unterstützt. Und das DZI ("Spenden-TÜV") stuft die Verwaltungskosten bei MISEREOR mit 7% als niedrig ein. Die Projektanträge werden professionell geprüft. Die Verwendung der Gelder wird überwacht. Ihre Spenden kommen nicht nur bei den Bedürftigen an, sie sind wirklich Hilfe zur Selbsthilfe.

 

Unser Projekt „Trotz Dürre leben“ hilft den Menschen im Dürregebiet des brasiliani­schen Nordostens, dem "Certao". Als Kleinbauern leben sie von dem, was sie an Pflanzen und Kleinvieh erwirtschaften. Unser Projekt hilft ihnen, Wasser zu speichern, Sickerwasser aus der Tiefe zu holen und ihre Landwirtschaft an die Klima-Verhältnisse anzupassen. "Convivencia" sagen die Brasilianer: Leben durch geschicktes Anpassen an die Bedingungen der Natur, Leben in menschenwürdigen Verhältnissen.

 

Inzwischen haben hunderte Dörfer mit vielen tausend Menschen eine Handpumpe erhalten, mit sie der Wasser aus bis zu 100 Meter Tiefe fördern können. Frauen und Kinder müssen nicht mehr stundenlange Wege gehen, um Wasser zu schleppen. Sie nutzen die Zeit, um zur Schule zu gehen oder ihre Produkte zu verarbeiten. Die Männer sind nicht mehr genötigt, in die Städte ("Favelas") abzuwandern, um Arbeit zu suchen.

 

In diesem Jahr stellt MISEREOR die Fastenaktion unter das Motto „Mit Zorn und Zärtlichkeit“ - denn es geht MISEREOR seit der Gründung nicht nur um barmherzige Hilfe für die Armen, sondern auch um Einflussnahme auf die Politik zur Veränderung ungerechter Strukturen: „Den Mächtigen ins Gewissen reden“, damit gerechtere Verhältnisse entstehen.

 

Ja, ich weiß, dass zur Zeit in unseren katholischen Gemeinden uns Sorgen umtreiben: Welche Kirche soll geschlossen werden? Wie geht es weiter mit unseren Gemeinden? ... Sie dürfen sicher sein, dass der Einsatz für die Zukunft der Kirche in unserem Dekanat auch für mich ganz wichtig ist. Ich bitte Sie dennoch, die Armen in der Welt nicht zu vergessen: „Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt; zur Zeit des Unheils wird der Herr ihn retten“ (Psalm 41).

 

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und ein frohes Osterfest!

 

Mit freundlichem Gruß

 

gez. Prälat Heinrich Günther, Dechant"

Pumpen oder Konviventia

 

Pumpen oder Konviventia? - Oder „Was bedeutet Hilfe zur Selbsthilfe?“

 

Bei der MISEREOR-Partnerschaftsaktion "Trotz Dürre leben" motiviert uns im Raum Wolfsburg besonders die Installation der – inzwischen über 700 – Handpumpen. Konnten wir doch eine technische und strukturelle Unterstützung durch Volkswagen (genauer: Die Autovisao Brasil) erreichen. Hier gilt der Satz des für unser Projekt bei MISEREOR zuständigen Referenten: „Es ist in den nunmehr fast acht Jahren Großes von Euch geleistet worden. Zahllose Menschen im Nordosten haben inzwischen von dem Pumpenprojekt profitiert, und viele tausend Familien werden es in den nächsten Jahren noch tun. Ohne Euch gäbe es die Volkspumpe in Brasilien nicht.“

Handpumpen aus der brasilianischen Fertigung sind inzwischen in mehreren Bundesstaaten des brasilianischen Nordostens installiert. Jede einzelne befreit ein ganzes Dorf – mit durchschnittlich 250 Menschen – von der extremen Wassernot.

Aber es gibt ein Problem, das wir diskutieren müssen: Unsere Partner in Brasilien und bei MISEREOR betonen immer wieder, dass nicht die Handpumpen das Wichtigste sind sondern die Konviventia, d.h. die Ausbildung der Kleinbauern in landwirtschaftlichen Methoden, die ihnen auch unter den Bedingungen des Dürreklimas ausreichende Erträge ermöglichen. Die Handpumpen sind nur eine Komponente dieses Systems. MISEREOR überweist unsere Spenden an die IRPAA für dieses Geamtkonzept, nicht für den Kauf von Handpumpen.

Mancher Spender oder manche Spendergruppe hätte es wohl am liebsten, wenn auf einer Pumpe ein Schild glänzen würde: „gestiftet von ...“. Zweifellos ließe sich auf diesem Wege manche zusätzliche Spende einwerben, man denke an Vereine u.a., die sich zum Ziel setzen, das Geld für eine Pumpe aufzubringen. Diese Haltung ist nicht nur bei Spendern verbreitet, sie gibt es auch bei offiziellen Stellen, wenn sich etwa ein Minister stolz vor einem mit deutschen Millionen errichtetes Krankenhaus unter Fähnchen schwingenden Kindern fotografieren lässt. Die gleiche Haltung führt zu der Erfahrung, dass es nicht möglich war, für die Ausbildungsmaßnahmen Spenden zu bekommen: Die von der Katholischen Jugend entwickelten Bildungsgutscheine wurden nicht „gekauft“.

Die gesamte Entwicklungshilfe leidet unter dieser Einstellung. Im März 2005 trafen sich führende Vertreter aus mehr als hundert Ländern sowie zahlreiche Geberorganisationen in Paris, um über die Wirksamkeit der Entwicklungshilfe zu diskutieren. Sie beschlossen bei diesem Treffen eine grundlegende Wende hinsichtlich der bisherigen Praxis und sie kamen überein, die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit maßgeblich zu verbessern, um zu gewährleisten, dass die Millenniumsentwicklungsziele bis 2015 erreicht werden können. (s.  http://www.oecd.org/dataoecd/37/39/35023537.pdf und  http://www.un-millenniumkampagne.de/fileadmin/downloads/news/Entwicklungshilfe__die_bei_den_AErmsten_ankommt.pdf)

Wir müssen akzeptieren, dass nicht wir mit unseren Spenden die Problem der Armen lösen, sondern wirklich „nur“ Hilfe zur Selbsthilfe geben – die entscheidenden Dinge tun die Armen selbst! Dazu gehören sogar finanzielle Aufwendungen, wie etwa die Herstellung des Fundaments, die etwa 1/3 der Kosten einer Pumpeninstallation ausmachten, wie auch der Transport und die Installation selbst. Vor allem aber nützt die Pumpe ohne die entsprechende Organisation ihrer Nutzung nichts, man denke zum Beispiel an die bei ausreichendem Wasser schwierige Begrenzung des Viehbestands – zur Vermeidung einer Überweidung.

Zitate aus einem Bericht von Claudio Moser vom 22.12.04 (Aktennotiz Nr. 15):

„Hieraus ergab sich eine Diskussion bezüglich des Prozesses, der vor Ort die Grundlage bilden muss, damit der Einsatz der Pumpen in ein Konzept der nachhaltigen ländlichen Entwicklung eingebunden wird. Daniel Rech und Gogó betonten, dass wenn der Einsatz der Pumpe nicht das Ergebnis eines Prozesses der Gemeinschaften sei, innerhalb dessen sie die Pumpen als Teil ihres Entwicklungs­potenzials begreifen und damit auch ihren Bedarf artikulieren könnten, die Pumpe als eine neue Technologie von außen in die Gemeinschaften hinein getragen und nicht richtig aufgenommen werde. Dies könne wie viele andere „Lösungen“, die von außen und ohne Partizipation der Begünstigten kämen, zu Missbrauch der neuen technischen Möglichkeiten oder zu kleinen Entwicklungs­ruinen führen. Diese Gefahr sei umso größer – so vor allem Gogó – wenn von Seiten der Begünstigten nicht einmal eine Eigenleistung vorgesehen sei: „Wenn die Pumpe als Schenkung kommt, kann sie nur Probleme verursachen.“ Stephan Görtz erklärte, es sei eine Eigenleistung vorgesehen, da die Gemeinschaften für die Zementbasis, einen Zaun und ein Dach für die Pumpe selber zuständig seien.“

 

In der Pariser Erklärung wird gefordert, dass Entwicklungshilfe in den Haushalt der Empfängerländer eingestellt wird – m.a.W. unsere Spenden sollen nicht an die IRPAA sondern an Lula gehen! Aber hinter dieser schier unfassbaren Konsequenz steht die richtige Erkenntnis, dass es auf die Identifikation der Empfänger mit dem Projekt und ihre Eigenverantwortung ankommt. IRPAA handelt seit je in diesem Geist – was den Erfolg begründet.

Jetzt gibt es „nur“ das Problem, dass der „normale“ Spender nicht bereit ist, das einzusehen und auch dann zu spenden, wenn er keine handgreiflichen Erfolge sieht –
das fremde Wort Konviventia ist nur der Ausdruck dieser Hilfslosigkeit.

Was tun? Wahrscheinlich sollten wir weiterhin so verfahren, hier vor allem für die Pumpen zu werben und zugleich die Bedeutung der Konviventia zu erläutern.

 

21.11.09</sdfield><//sdfield>