Verpflichtung
Wir leben in e i n e r Welt!

- Lazarus
Papst Benedikt XVI - Caritas in veritate:
"Das tiefe Verlangen des Christen ist, dass die ganze menschliche Familie Gott als »Vater unser!« anrufen kann."
"In einer Gesellschaft auf dem Weg zur Globalisierung müssen das Gemeinwohl und der Einsatz dafür unweigerlich die Dimensionen der gesamten Menschheitsfamilie, also der Gemeinschaft der Völker und der Nationen annehmen,"
"Heute sind die zur Verfügung stehenden materiellen Möglichkeiten, um diesen Völkern aus der Armut herauszuhelfen, potentiell größer als früher, aber sie wurden hauptsächlich von den entwickelten Völkern selbst in Beschlag genommen, die sich den Prozess der Liberalisierung des Finanz- und Arbeitskräfteverkehrs besser zunutze machen konnten."
"Den Hungrigen zu essen geben (vgl. Mt 25, 35.37.42) ist ein ethischer Imperativ für die Weltkirche ---
Darum ist es notwendig, daß ein solidarisches Bewußtsein reift, welches die Ernährung und den Zugang zum Wasser als allgemeine Rechte aller Menschen betrachtet,"
Wir sind zur Hilfe verpflichtet!
Sind wir zur Hilfe verpflichtet?
„Ich bitte Sie um eine großzügige Spende“ - so könnte die Aufforderung bei einer Kollekte für ein Hilfswerk lauten. Wir sind also großzügig. Wenn wir dann aber z.B. das Evangelium vom Endgericht hören (Mt 25), wo Christus offenbart, dass er sich mit den Geringsten identifiziert, so dass er sagen kann: „Ich war hungrig und ihr habt mir (nicht) zu essen gegeben“, erkennen wir, dass wir zur Hilfe verpflichtet sind.
Beim Dekanatsempfang am 29.09.10 hielt Prof. Gerhard Kruip einen Vortrag über
Globale Gerechtigkeit – Unsere Verantwortung für die Armut weltweit (Zitate in „kursiv“)
Dieser Vortrag war hoch aktuell, denn wenige Tage zuvor war der Weltarmutsgipfel in New York mit einem mageren Ergebnis beendet worden. Prof. Kruip lehrt an der Universität Mainz Christliche Anthropologie und Sozialethik und ist daher besonders berufen, auf die Frage nach unserer Pflicht zur Hilfe eine Antwort zu geben.
Auf dem erwähnten Weltarmutsgipfel konnten zwar Fortschritte bei den Millenniumszielen der UN (Bekämpfung der extremen Armut u.s.w.) festgestellt werden, zugleich leben aber mehr eine Milliarde Menschen in extremer Armut und es besteht eine „mangelnde Bereitschaft des reichen Fünftels der Menschheit, mit allem Einsatz und den wirklich notwendigen Mitteln die Armut zu bekämpfen“. Es ist so, dass „die meisten Menschen in den reichen Ländern sich nicht wirklich in einem strengen Sinn „verpflichtet“ fühlen, gegen diese Not langfristig etwas zu tun und dafür möglicherweise auch Opfer zu bringen. In Extremsituationen sind wir zur freiwilligen Hilfeleistung motiviert. Wir haben aber dabei meist das Gefühl, etwas Gutes zu tun, das wir nicht unbedingt tun „müssten“ und zu dem uns auch niemand hätte zwingen dürfen“.
Prof. Kruip begründet die Pflicht zur Hilfe in drei Argumentationen:
„Hunger und extreme Armut sind ein schweres Übel, das beseitigt werden muss, wenn mit der Beseitigung keine größeren Übel in Kauf zu nehmen sind. Das entspricht der traditionellen kirchlichen Lehre über die strenge Pflicht, Almosen für die Armen zu geben, wenn man dazu in der Lage ist“. Praktisch würde das bedeuten: Man muss auf den Kauf neuer Kleider zugunsten der Armen verzichten, wenn die alten noch tragbar sind.
Die „gegenwärtigen institutionellen Strukturen stellen eine kollektive Menschenrechtsverletzung ungeheuren Ausmaßes dar. Die Bevölkerungen der reichen Länder müssten, weil sie bislang von dieser Ausbeutung massiv profitiert haben, strenge Entschädigungspflichten akzeptieren“.
Eine Verpflichtung zur Hilfe ergibt sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil: „Aus der immer engeren und allmählich die ganze Welt erfassenden gegenseitigen Abhängigkeit ergibt sich als Folge, dass das Gemeinwohl [...] heute mehr und mehr einen weltweiten Umfang annimmt und deshalb auch Rechte und Pflichten in sich begreift, die die ganze Menschheit betreffen.“ (Gaudium et Spes 26). Daraus ergibt sich für jeden einzelnen die Pflicht, eine Politik zu fordern, die der internationalen Gerechtigkeit entspricht und durch persönlich Opfer beizutragen, wenn dieses Ziel noch nicht erreicht ist. „Ohne allzu hohe Kosten, wahrscheinlich sogar mit persönlichen Gewinnen an Gesundheit und einem befriedigenderen Lebensstil können alle Menschen in den reicheren Ländern hierzu einen wichtigen Beitrag leisten, z.B. dadurch, dass sie bewusster konsumieren, beispielsweise Energie sparen, weniger Flugreisen unternehmen, bevorzugt Waren aus fairem Handel kaufen und weniger Fleisch essen“.
Prof. Kruip beendete seinen Vortrag mit den Worten: „Tugendhaftigkeit kann sehr wohl zum eigenen Glück beitragen, oder einfacher gesagt: Moral kann auch Spaß machen“.
Aus Caritas in Veritate

- Schöpfungdient
"Wir müssen jedoch auf die sehr ernste Verpflichtung hinweisen, die Erde den neuen Generationen in einem Zustand zu übergeben, so dass auch sie würdig auf ihr leben und sie weiter kultivieren können. Das schließt ein, »es sich zur Pflicht zu machen, nach verantwortungsbewusster Abwägung gemeinsam zu entscheiden, welcher Weg einzuschlagen ist, mit dem Ziel, jenen Bund zwischen Mensch und Umwelt zu stärken, der ein Spiegel der Schöpferliebe Gottes sein soll – des Gottes, in dem wir unseren Ursprung haben und zu dem wir unterwegs sind."
"Das Thema Entwicklung ist heute stark an die Verpflichtungen gebunden, die aus der Beziehung des Menschen zur natürlichen Umwelt entstehen. Diese Beziehung wurde allen von Gott geschenkt. Der Umgang mit ihr stellt für uns eine Verantwortung gegenüber den Armen, den künftigen Generationen und der ganzen Menschheit dar."
"Für die Gläubigen ist die Welt nicht das Produkt des Zufalls noch der Notwendigkeit, sondern eines Planes Gottes. Von daher kommt die Pflicht der Gläubigen, ihre Bemühungen mit allen Menschen guten Willens – Angehörige anderer Religionen oder Nichtgläubige – zu vereinen, damit unsere Welt wirklich dem göttlichen Plan entspricht: als eine Familie unter dem Blick des Schöpfers zu leben."
"Während die Armen der Welt noch immer an die Türen der Üppigkeit klopfen, läuft die reiche Welt Gefahr, wegen eines Gewissens, das bereits unfähig ist, das Menschliche zu erkennen, jene Schläge an ihre Tür nicht mehr zu hören."
"Es ist das Wissen um die unzerstörbare Liebe Gottes, das uns in dem mühsamen und erhebenden Einsatz für die Gerechtigkeit und für die Entwicklung der Völker zwischen Erfolgen und Mißerfolgen in der unablässigen Verfolgung rechter Ordnungen für die menschlichen Angelegenheiten unterstützt. Die Liebe Gottes ruft uns zum Aussteigen aus allem, was begrenzt und nicht endgültig ist; sie macht uns Mut, weiter zu arbeiten in der Suche nach dem Wohl für alle, auch wenn es sich nicht sofort verwirklichen läßt, auch wenn das, was uns zu verwirklichen gelingt – uns und den politischen Autoritäten und Wirtschaftsfachleuten –, stets weniger ist als das, was wir anstreben.[158] Gott gibt uns die Kraft, zu kämpfen und aus Liebe für das gemeinsame Wohl zu leiden, weil er unser Alles, unsere größte Hoffnung ist."
"Die Entwicklung braucht Christen, die die Arme zu Gott erheben in der Geste des Gebets, Christen, die von dem Bewußtsein getragen sind, dass die von Wahrheit erfüllte Liebe, caritas in veritate, von der die echte Entwicklung ausgeht, nicht unser Werk ist, sondern uns geschenkt wird."
