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29.7.2016

Kirche und Biodiversität

Was kann die Kirche zur biologischen Vielfalt beitragen?

 

Zu diesem Thema hielt am 20.10.10 Herr Michael Kühn, der 1. Vorsitzende des NABU Wolfsburg einen viel beachteten Vortrag. Er schilderte die eindrucksvollen Ergebnisse der Arbeit des NABU in Wolfsburg.

 

Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist ein Weltthema, das alle angeht:

  • Schon 1993 trat die Biodiversitäts-Konvention (CBD) der Vereinten Nationen in Kraft, die bis heute von knapp 200 Staaten sowie der EU unterzeichnet wurde. Darin verpflichten sich die Vertragsparteien zu folgendem Ziel: „Die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und die ausgewogene und gerechte Aufteilung, der sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergebenden Vorteile“. Deutschland stellte erst im Dezember 2007 seine diesbezügliche Strategie vor. Es ist daher wenig verwunderlich, dass die 2002 verabschiedeten 2010-Ziele der Konvention nicht erreicht wurden.

  • Die UN-Generalversammlung hat 2010 zum Internationalen Jahr der Biodiversität erklärt. Doch während der Klimaschutz in aller Munde ist, bleibt der Erhalt der Biodiversität im öffentlichen Bewusstsein ein Randthema. Dabei sind der Klimawandel und die abnehmende Artenvielfalt letztlich zwei Seiten einer Medaille: Beide Phänomene beeinflussen und verstärken sich gegenseitig. 

  • Vom 18. bis 29. Oktober 2010 fand in Nagoya, Japan, eine Konferenz aller Unterzeichner der Biodiversitäts-Konvention statt, wo Akzente für die globale Biodiversitätspolitik über 2010 hinaus gesetzt werden sollen.

  • in der Natinalen Strategie zur biologischen Vielfalt heißt es: " 

    Eine nachhaltige Entwicklung kann nicht einfach vom Staat verordnet werden. Nur wenn die Akteure in Wirtschaft und Gesellschaft das Thema zu ihrer eigenen Sache machen, kann die Strategie erfolgreich umgesetzt und können die darin enthaltenen Ziele erreicht werden" und weiter:  

    Unsere Vision für die Zukunft ist: Unsere Städte weisen eine hohe Lebensqualität für die Menschen auf und bieten vielen, auch seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.

  • Die Kommunale Agenda 21 der Stadt Wolfsburg stellt sich daher die Aufgabe: "Wie kann die nationale Strategie zur biologischen Vielfalt auf lokaler Ebene umgesetzt werden? Was kann Wolfsburg beitragen?

  • Die katholische Kirche in Wolfsburg ist ein Akteur unserer Gesellschaft und stellt sich daher die im Vortragsthema formulierte Frage. 
    Dieser Beitrag kann in mehrfacher Hinsicht erfolgen:
     - durch konkrete Naturschutz-Maßnahmen auf dem Kirchengelände, wie etwa der Pflanzung von einheimischen Sträuchern oder der Anlage einer Streuobstwiese,
     - 

    durch Motivation der Kirchenmitglieder zu entsprechenden Maßnahmen auf ihren privaten Grundstücken,
     - durch Mitwirklung bei öffentlichen Meinungs- und Willensbildung.
  • die Bilder zeigen die Übergabe der Urkunde "Lebensraum Kirchturm" an Prälat Heinrich Günther durch Herrn Michael Kühn (für mehr als 25 im Kirchturm und Mauerwerk der St. Christophoruskirche eingemaurerten Niststeinen, die u.a. von den in ihrem Bestand bedrohten Mauerseglern bewohnt werden) und an Herrn Benno Klett, der im Turm der St. Bernwardkirche einen Nistkasten für Turmfalken eingerichtet hat - 2010 vier Junge! 

Naturnahe Gestaltung von Kirchengrundstücken

Einige Grundstücke der Pfarrei St.Christophorus sollen im Rahmn der Aktion "Erhaltung der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt als Ausdruck von Gottes Schöpfung" naturnäher umgestaltet werden. 

Zunächst begonnen wurde mit einem Teilstück des Pfarrgartens St. Christophorus. Beginn  der Aktion: November 2011 

Kirchturm als Lebensraum

Lebensraum Kirchturm

 

NABU und Kirchen gemeinsam für den Artenschutz

 

Der NABU hat eine Aktion ins Leben gerufen "Lebensraum Kirchturm", durch die  vielfach bedrohten Tieren eine Chance gegeben wird. Wir machen mit! Schon beim Bau der St. Christophoruskirche hat Pastor Antonius Holling mehr als 25 Niststeine in den Turm und die Apsis einsetzen lassen, die auch bewohnt sind.

An der Bernwardkiche hat Herr Benno Klett einen Turmfalkenlkasten angebracht, der in 2011 von Herrn Gerd    erneuert wurde mit dem Erfolg, dass mindestens vier junge Turmfalken ausgebrütet wurden.

 

Viele Vogelarten siedeln sich gerne in der Nähe des Menschen an. Turmfalken, Dohlen, Fledermäuse oder Schleiereulen nutzen Kirchtürme und andere Gebäude in Städten und Dörfern als Ersatz für natürliche Bruthöhlen in Felsen oder Bäumen. Viele der Arten leiden jedoch darunter, dass Brutmöglichkeiten in den Siedlungen zunehmend verloren gehen. Der NABU setzt sich mit der  Aktion „Lebensraum Kirchturm" für die Sicherung von Nistplätzen bedrohter Arten ein.

 

Kirchen, die sich besonders für den Artenschutz einsetzen, werden mit einer Urkunde ausgezeichnet und erhalten eine Plakette, die sie an ihrer Kirche anbringen können.

 

Beide Kirchen erhielten die NABU-Plakette; im Bildi: Michael Kühn, Vorsitzender NABU-Wolfsburg übergab sie Herrn Benno Klett, der den Turmfalkenkasten am Turm der Kirche St. Bernward anbrachte.

 

An der Ostseite des Turms und an der Apsis der Kirche St. Christophorus sind 25 Niststeine eingesetzt, die von mehreren Vogelarten zur Aufzucht ihrer Jungen bezogen wurden.

 

 

Turm der St. Bernwardkirche
Turm der St. Bernwardkirche
Falkennachwuchs
Falkennachwuchs
Übergabe der NABU-Plakette
Übergabe der NABU-Plakette
Niststeine an St. Christophorus
Niststeine an St. Christophorus

Streuobstwiese

Unsere Streuobstwiese hinter dem Bonifatiushaus wurde mit großem Arbeitseinsatz von der CAJ gestaltet – Christliche Arbeiterjugend, fachlich begleitet durch den NABU – Naturschutzbund Wolfsburg.

 

Unsere Kirchengelände sollen im Sinn der  nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt wie auch der kommunalen Agenda 21 so gestaltet werden, dass wir als Kirche einen Beitrag zur Erhaltung der Schöpfung Gottes für künftige Generationen geben.

 

Alte Apfelbaum-Sorten wurden gepflanzt sowie einheimische Sträucher als Nahrung für Insekten und Vögel

Das Bonifatiushaus von Osten gesehen
Das Bonifatiushaus von Osten gesehen
Andrea Kalbitzer, Lars Slavik, Michael Kühn
Andrea Kalbitzer, Lars Slavik, Michael Kühn
Georg Kaul betreut die Streuobstwiese
Georg Kaul betreut die Streuobstwiese