Protest gegen das Kita-Gesetz (NKiTaG)

 

„Wir gehen in die Luft für Qualität in Kitas!“

am 16. Juli um 10 Uhr am Wolfsburger Himmel ….


Pressetext von Kita-Leitungen katholischer Kindertagesstätten und SEV zum 15. und 16. Juli 2021

Das KitaG bleibt weiter ein Aufreger

Die beiden großen Parteien waren sich einig und brachten per Landtagsbeschluss vom 06.07. das neue KiTa-Gesetz (KitaG) für Niedersachsen auf den Weg. Fach- und Dachverbände haben intensiv verhandelt und sich auf ein Kompromiss-Werk geeinigt. Viele Proteste führten noch in der Endphase zu einzelnen Nachreglungen. Dennoch: an der pädagogischen Basis bleibt das neue Kita-Gesetz des Landes ein großer Aufreger. Warum ist das so? Aus pädagogischer Sicht ist es eher eine Mogelpackung, die mit dem Blick auf das vermeintlich „Machbare“ die aktuellen Bedarfe verfehlt.

Dies werden Mitarbeitende und Eltern am 16.07. um 10 Uhr zum Ausdruck bringen, wenn sie mit der Aktion „Wir gehen in die Luft für Qualität in Kitas“ in der gesamten Stadt Ballons starten lassen. Sie sind ein Appell an die politischen Gremien, sich fortlaufend weiter mit den Bedarfen der frühkindlichen Bildung und Betreuung auseinander zu setzen und mehr zu investieren als bisher vorgesehen. Zusätzlich tagt der Gesamtelternrat der katholischen Kitas und Familienzentren am 15.07. in einer Sondersitzung. Dabei geht es darum, den Dialog zwischen Träger, Einrichtungen und Eltern zu stärken und sich gemeinsam auf die Zukunft im neuen Kita-Jahr 2021/2022 einzustellen.

Weitere Hintergründe:

Das Gesetz für Kindertagesstätten in Niedersachsen (KitaG) regelt die Standards und die Finanzierung von Kindertagesstätten.

Wissenschaftlich ist erwiesen: das bisherige Gesetz entspricht seit langem nicht mehr den aktuellen Aufgaben und Bedingungen in den Einrichtungen. Es stammt aus dem Jahr 1993. Seitdem hat sich die Situation von Familien und der Auftrag der frühkindlichen Bildung und Betreuung deutlich verändert:
Der KiTa-Alltag findet aktuell überwiegend im Ganztagsbetrieb statt. Die Anzahl der Betreuungsplätze und Gruppen in den Einrichtungen hat sich vervielfacht, ebenso die Mitarbeiter-Zahl und die Größe der Teams. Leitungen haben eine größere Führungsverantwortung für ihre multiprofessionellen Teams. 

Gleichzeitig hat sich die Situation der Familien verändert: Es gibt eine Vielfalt an Familien-Lebensformen, Familien sind mobiler und oft nicht mehr über Jahrzehnte an einem Ort verwurzelt. Arbeitszeitmodelle gestalten sich flexibler und vielfältiger. Eltern können im Alltag oft weniger auf inner-familiäre Unterstützungsstrukturen zurückgreifen. Somit wächst die Herausforderung der Eltern und deren Bedarf an verlässlicher Betreuung und guter Bildung für ihre Kinder.

Das Gesetz ist nun verabschiedet. Wir fordern, dass weiter nachgeregelt wird und zeitgemäße Bildung und Betreuung in Kitas eine verlässliche Grundlage erhält, durch …
- kleinere Gruppen. 
- einen besseren Personalschlüssel (mehr Fachkräfte - weniger Kinder).
- mehr Vorbereitungszeit für die Gruppenteams und mehr Leitungsstunden.
- Finanzierung von Fachberatung als bewährtes Unterstützungssystem.
- die Stärkung von Inklusion und die Betreuungsplatz-Garantie für Kinder mit Behinderungen.
Das Land verweist regelmäßig auf den Fachkräftemangel, der entwicklungshemmend wirkt.

Dieser Prozess lässt sich v.a. umkehren durch eine deutliche Verbesserung der Arbeitssituation der MitarbeiterInnen in unseren KiTas. Das neue KitaG droht allerdings, weitere Abwanderungen von gut ausgebildeten Kräften zu verstärken in besser ausgestattete Arbeitsbereiche. Dach- und Fachverbände haben das Land seit Jahren dazu beraten. Viel zu wenig davon findet sich im Gesetz wieder.

Im Interesse Ihrer Kinder fordern wir eine zeitgemäße Ausstattung der Kitas.

Protest der katholischen KiTas zur neuen Gesetzgebung des Landes

Mit kreativen Aktionen protestieren Leitungen, MitarbeiterInnen und Eltern der kath. Kitas im Dekanat gegen die KiTaG-Novellierung des Landes Niedersachsen.

Die geplante Novellierung ist ein deutlicher Rückschritt und eine Absage an Qualitätssicherung und -entwicklung in der frühkindlichen Bildung. Das sagen nicht nur die Betroffenen in den Kitas, sondern alle Dach- und Fachverbände.

Mit kreativen Aktionen machten die kath. Kitas in Wolfsburg auf ihren Protest aufmerksam.

Statement der Leitungen der katholischen Kitas in der Region Wolfsburg – Helmstedt – Gifhorn zum Entwurf des NKitaG

Unsere Kinder und die Zukunft unserer Kindertagesstätten sind uns wichtig!

Der Entwurf des neuen Kindertagesstätten-Gesetzes des Landes Niedersachsen (NKitaG) erfüllt uns mit großer Sorge und stiftet großen Ärger unter den Fachkräften.

Der Entwurf sieht keine der seit Jahren versprochenen und wissenschaftlich erwiesenen notwendigen Verbesserungen vor. Das KitaG definiert landesweit die Rahmenbedingungen für Betreuung, Bildung und Teilhabe für Kinder. Fachkräfte sehen darin im Entwurf des NKitaG einen deutlichen Rückschritt in der Qualität der pädagogischen Arbeit. Wesentliche Folgen, die durch den Entwurf absehbar erscheinen, sind:

Keine Zeit …
- für Kind-zentrierte Pädagogik und Beziehungsarbeit;
- für Tür- und Angel-Gespräche oder ausführliche Elterngespräche;
- für Ausflüge aller Kinder einer Gruppe;
- für Kleingruppen-Angebote und Einzelförderung gemäß gesetzlich verankertem Anspruch auf Förderung;
- für externe Bildungsangebote wie PHAENO, Theater etc. für alle Kinder;
- für notwendige Teamabsprachen und gemeinsame Fortbildungen des Teams;
- für kontinuierliche Qualitätsentwicklung;
- für die Begleitung von Auszubildenden.

Wir erwarten Nachbesserung des Entwurfes, und verbinden uns damit landesweit mit unseren Dachverbänden und zahlreichen Initiativen.

Leitungen der katholischen KiTas in Wolfsburg im April 2021